Difu-Berichte 4/2008 - Infrastruktur und Stadtentwicklung

Welche Richtwerte sollten künftig gelten, damit veränderte Rahmenbedingungen der Siedlungsentwicklung sowie der Ver- und Entsorgungssysteme im städtebaulichen Entwurf berücksichtigt werden? Dieser Frage geht das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag der Wüstenrot Stiftung nach.

Zentrale und über viele Jahrzehnte vergleichsweise stabile Rahmenbedingungen der Versorgung unserer Städte mit Energie, Wärme und Wasser sowie der Abwasserentsorgung sind gegenwärtig ebenso erheblichen Veränderungen unterworfen wie Rahmenbedingungen der Ausstattung mit Einrichtungen der sozialen Infrastruktur und der Alltagsmobilität („Verkehr“). Es besteht große Unsicherheit hinsichtlich der Frage, wohin sich die städtischen Bauformen entwickeln werden und entwickeln müssen. Denn sie müssen einerseits der abnehmenden und zugleich älter werdenden Bevölkerung und andererseits notwendigen Anstrengungen zur Steigerung der Energieeffizienz sowie der baulichen Anpassung an den Klimawandel gerecht werden. Ungeklärt ist auch die Frage, inwieweit es künftig noch einer zentralen Struktur der Ver- und Entsorgung bedarf oder ob nicht der Ausbau von regenerativen Formen der Energieversorgung, die verstärkte Hinwendung zu energieeffizienten Bauformen bis hin zum Passivhaus sowie eine intensivierte Kreislaufführung von Ressourcen künftig viel stärker semi- oder gar dezentrale Strukturen entstehen lässt. Eine ganz andere Frage ist, welche Motorisierung bei steigenden Energiepreisen und einer zugleich schrumpfenden und älter werdenden Bevölkerung zu erwarten ist. Dies kann bei der Frage der Siedlungsentwicklung nicht außer Acht gelassen werden und steht in enger Verbindung mit Standortstrategien, Bau- und vor allem Betriebsformen der sozialen Infrastruktur (Kinderkrippen, Schulen, Freizeitzentren, Alteneinrichtungen).

Städtebauliche Orientierungen zum Umgang mit diesen Herausforderungen sind bisher nicht vorhanden und die vielerorts weiter zunehmende Entkoppelung von planender Verwaltung einerseits, Ver- und Entsorgungsunternehmen bzw. Leistungserbringern andererseits, erschwert das notwendige systemische Nachdenken über Städtebau und städtische Infrastrukturen.

Zu konstatieren ist ein erhebliches Forschungsdefizit hinsichtlich der Frage, wie sich die öffentlichen, technischen aber auch sozialen Ver- und Entsorgungsinfrastrukturen entwickeln werden und welche Auswirkungen auf und Wechselwirkungen mit städtebaulichen Bauformen bestehen. Die Entwicklung von städtebaulichen Orientierungswerten, mit denen der künftige Bedarf und die Auswirkungen auf die Erschließung abgeschätzt werden kann, dürfte daher ebenso von erheblicher Bedeutung sein, wie die Dokumentation und Analyse von zukunftsorientierten Beispielen aus der Praxis („Good Practice“), um auf dieser Basis eine den skizzierten Herausforderungen durchdacht begegnende Planung zu gewährleisten.

Vor diesem Hintergrund hat das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag der Wüstenrot Stiftung im Oktober 2008 ein neues Projekt zum Thema „Infrastruktur und Stadtentwicklung“ gestartet. Das Ziel des Vorhabens ist die systematische Erfassung jener Determinanten, die absehbar die Ver- und Entsorgung unserer Städte mit Energie, Wärme und Wasser (sowie ggf. auch die Mobilitätsentwicklung) sowie mit Leistungen und baulichen Einrichtungen der sozialen Infrastruktur verändern werden. Hier soll im Weiteren insbesondere untersucht werden, welche Wirkungsketten mit diesen Veränderungen verbunden sind. Dies schließt die Erfassung und Bewertung alternativer Systemlösungen in Hinblick auf ihre erwartete technischwirtschaftliche Einsatzfähigkeit ein. Damit verbundene Fragen ihrer Organisation werden geprüft und Fragen der räumlichen Verteilung (insbesondere im Bereich sozialer Infrastruktur) systematisch und für unterschiedliche Gebietstypen erfasst. Diese Bestandsaufnahme erfolgt unter Ermittlung nationaler und internationaler Beispiele, die zugleich im Sinne einer „Good Practice“-Datenbank systematisch und mit Blick auf ihre systemische Funktionalität (Kosten, Flächenbedarf usw.) aufbereitet werden.

Die Untersuchung soll die Basis für die spätere Entwicklung qualitativer und quantitativer Orientierungswerte für den städtebaulichen Entwurf bilden. Die zu entwickelnden Orientierungswerte sollen helfen, den künftigen Bedarf abzuschätzen und eine den veränderten Randbedingungen entsprechend durchdachte Planung zu ermöglichen.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Sozialök./Dipl.-Volkswirt Jens Libbe
Telefon: 030/39001-115
E-Mail:
libbe@difu.de

Dipl.-Geographin Hadia Köhler
Telefon: 030/39001-151
E-Mail:
hkoehler@difu.de