Difu-Berichte 4/2008 - Folgekosten der Siedlungsentwicklung
Die Folgekosten der Siedlungsentwicklung sind ein zentrales Thema im Förderschwerpunkt „Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement“ (REFINA) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), dessen projektübergreifende Begleitung das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) im Jahr 2006 übernommen hat.
Siedlungsentwicklung und Folgekosten
Die Forderung nach einer zukunfts-, generationen- und demografiegerechten Siedlungsentwicklung macht die langfristigen Folgekosten der Flächenentwicklung bei Städten, Gemeinden und Regionen zum „Zukunftsthema“. Kosten und Nutzen von Flächenausweisungen sollen künftig bei flächenbezogenen Planungen und Entscheidungen stärker beachtet werden, wobei die langfristigen Folgen von Flächenausweisungen unter anderem für die damit verbundene technische und soziale Infrastruktur zunehmend in den Mittelpunkt rücken. Mehr Kostenwahrheit kann dazu beitragen, einer aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Sicht problematischen Zersiedelung entgegenzuwirken. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden demografischen Entwicklung bedarf es in den Kommunen flächenpolitischer Entscheidungen mit Augenmaß, um künftig den Aufwand für den Unterhalt von Infrastrukturen beispielsweise der Ver- und Entsorgung oder des öffentlichen Personennahverkehrs im Griff behalten zu können. Ausreichende Siedlungs- und Nutzerdichten bzw. Auslastungsgrade sind notwendig, um die Rentabilität von Infrastrukturen für öffentliche und private Haushalte langfristig zu sichern. Bei den sozialen Infrastrukturen werden vielerorts Anpassungen an eine sich verändernde Altersstruktur und perspektivisch sinkende Einwohnerzahlen erforderlich.
Mehr Kostentransparenz in der Siedlungsentwicklung
In mehreren REFINA-Vorhaben werden Werkzeuge für die Ermittlung von Folgekosten der Siedlungsflächenentwicklung entwickelt, die die Kommunalpolitik und –verwaltung bei der Vorbereitung flächenpolitischer Entscheidungen unterstützen sollen. In Ergänzung zu bislang üblichen städtebaulichen Kalkulationen kann mit Hilfe dieser Werkzeuge eine über das eigentliche Bauvorhaben hinausgehende Betrachtung von langfristigen Folgekosten angestellt werden. Außerdem kann auf der Basis von vergleichenden Kostenfolgenbetrachtungen verschiedener potenzieller Baugebiete eine strategisch orientierte Festlegung von räumlichen und zeitlichen Prioritäten der Flächenentwicklung in der Kommune unterstützt werden. Dabei können unterschiedliche Strategien der Flächenentwicklung – Baulückenentwicklung, Siedlungsabrundung, Siedlungserweiterung, Brachenrevitalisierung – betrachtet und ggf. gegenüber gestellt werden. Im Vorhaben „LEAN2 –Kommunale Finanzen und nachhaltiges Flächenmanagement“ wird in Kooperationen mit Kommunen aus Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt das rechnergestützte Bewertungstool LEAN kom zur Darstellung der fiskalischen Auswirkungen der lokalen Wohnsiedlungsentwicklung entwickelt. Im Vorhaben „Wohn-, Mobilitäts- und Infrastrukturkosten – Transparenz der Folgen der Standortwahl und Flächeinanspruchnahme am Beispiel der Metropolregion Hamburg“ entstehen verschiedene Werkzeuge zur Abschätzung der Folgekosten von Baugebieten für die Kommunen und ihre Bürger. Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen der Siedlungsentwicklung im Bereich Wohnen als Input für Szenarien zur Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung auf kommunaler und regionaler Ebene am Beispiel der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler stehen im Mittelpunkt des Vorhabens „Regionales Portfoliomanagement“.
REFINA-Veröffentlichungsreihe
Die Forschungsergebnisse der REFINA-Vorhaben zu den Folgekosten der Siedlungsentwicklung werden im Mittelpunkt des ersten Bandes der neuen REFINA-Veröffentlichungsreihe „Beiträge aus der REFINA-Forschung“ stehen. Weitere Bände werden Ergebnisse aus REFINA-Vorhaben zur Kommunikation im Flächenmanagement und zur Flächenbewertung zum Inhalt haben. Die dreibändige REFINA-Veröffentlichungsreihe, die im Frühjahr bis Sommer 2009 erscheinen wird, richtet sich in erster Linie an die interessierte Fachöffentlichkeit in den Kommunen, Regionalverbänden, Ingenieur- und Planungsbüros, aber auch an Bundes- und Landesressorts mit Bezug zu REFINA-Themen.
Dr. rer. pol. Stephanie Bock
Telefon: 030/39001-189
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bock@difu.de
Dipl.-Agrar-Ing. Thomas Preuß
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