Difu-Berichte 4/2007 - Die europäische Stadt: Auslaufmodell oder Kulturgut und Kernelement der Europäischen Union?

Die Europäische Stadt und ihre Qualitäten stehen immer wieder in der Diskussion. Ob sie angesichts der Veränderungen der sozialen, räumlichen und staatlichen Strukturen sowie der ökonomischen Auswirkungen von europäischem Binnenmarkt und Globalisierung eine (gute) Zukunft hat und welche Chancen für eine Weiterentwicklung der Europäischen Stadt bestehen, sollte ein Symposium des Deutschen Städtetages (DST) ausloten. Unter dem Titel „Die Europäische Stadt – Auslaufmodell oder Kulturgut und Kernelement der Europäischen Union?“ kam am 7. Mai 2007 in Köln zu diesem Thema ein hochrangiger Expertenkreis aus Wissenschaft und Politik zusammen. Das Symposium fand anlässlich des 60. Geburtstags des langjährigen Beigeordneten des Deutschen Städtetages für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr Folkert Kiepe statt. Dr. Stephan Articus, DST-Hauptgeschäftsführer, begrüßte die Teilnehmer, Prof. Dr. Klaus J. Beckmann, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, und Dr. Utz Ingo Küpper (Köln) moderierten die Veranstaltung.

Folkert Kiepe charakterisierte in seinem Eröffnungsbeitrag die Europäische – in Abgrenzung etwa zur nordamerikanischen oder asiatischen – Stadt in Anlehnung an Walter Siebel als Ort der Emanzipationsgeschichte der europäischen Gesellschaft, als kompakten, gemischten Ort urbaner Lebensweise sowie als selbstverwaltetes Gemeinwesen, das für seine Bürger die Leistungen der kommunalen Daseinsvorsorge organisiert bzw. erbringt und sich hierzu auch wirtschaftlich betätigt. Er verlieh seiner Besorgnis Ausdruck, dass tragende Elemente der Europäischen Stadt durch ökonomische Prozesse und politische Entscheidungen zunehmend gefährdet sind. Dazu zählte er die Ökonomisierung der Verwaltung, die damit verbundene Fragmentierung des politischen Steuerungssystems, die strukturelle Schieflage der Kommunalfinanzen, die unzureichende oder gar fehlende Steuerung der Suburbanisierungsprozesse und schließlich die Auswirkungen der Verwaltungsstrukturreformen in den Ländern.

Und doch lohne es sich, am Modell der Europäischen Stadt festzuhalten und seine spezifischen Chancen zu nutzen, etwa mit Blick auf die sich verschärfenden demographischen Probleme. Das Zusammenführen von Wohnen, Arbeit, Handel, Bildung, Kultur, Freizeit und Nahverkehr – kurz: die kompakte, nutzungsgemischte und sozial integrierende Europäische Stadt – könne hier am ehesten Lösungen bieten. Dies, so Kiepe, erfordere aber unter anderem die Kongruenz von Aufgaben- und räumlichen Verwaltungsstrukturen sowie entsprechende Finanzierungsgrundlagen.

Das Deutsche Institut für Urbanistik dokumentiert in seinem Band der Reihe „Difu-Impulse“ alle Symposiumsbeiträge, die aus verschiedenen Sichten Position beziehen:

  • Städtebau: Prof. Dr. Michael Krautzberger, Vizepräsident, Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL), ehem. Abteilungsleiter, Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW), Dipl.-Ing. Martin zur Nedden, Bürgermeister und Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau, Stadt Leipzig,
  • Stadtentwicklung: Dr. Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS),
  • Architektur: Dipl.-Ing. Kaspar Kraemer, Kaspar Kraemer Architekten, Köln, Präsident, Bund Deutscher Architekten,
  • Wohnungspolitik: Dr. Franz-Georg Rips, Präsident, Deutscher Mieterbund,
  • Verkehrsplanung: Prof. Dr. Helmut Holzapfel, Uni Kassel,
  • Raumordnung und Regionalplanung: Prof. Dr. Axel Priebs, Erster Regionsrat der Region Hannover,
  • Kulturpolitik: Prof. Georg Quander, Dezernent für Kunst und Kultur, Stadt Köln, Prof. Dr. Oliver Scheytt, Kulturdezernent, Stadt Essen,
  • Staats- und Verwaltungsrecht: Prof. Dr. Ulrich Battis, Humboldt-Uni zu Berlin,
  • Stadtforschung: Prof. Dr.-Ing. Klaus J. Beckmann, Leiter des Difu.

Dabei wird – trotz der unterschiedlichen Blickwinkel – die gemeinsame Überzeugung deutlich: Zahlreiche elementare Aufgaben des staatlichen Gemeinwesens können von den europäischen Städten nicht nur gut, sondern sogar am besten wahrgenommen werden.

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