Difu-Berichte 4/2006 - Erfahrungsaustausch zur Stadterneuerung und Sozialplanung
36. Interkommunaler Erfahrungsaustausch zur Stadterneuerung und Sozialplanung in Dortmund
Im Jahre 1971 trat ergänzend zum Bundesbaugesetz (BBauG 1960) das Städtebauförderungsgesetz (StBauFG) - mittlerweile mehrfach novelliert sowie im Gesetzeswerk "Baugesetzbuch" zusammengeführt - in Kraft. Seither sind Stadterneuerung, Stadtsanierung, Stadtumbau wie auch Sozialplanung festverankerte Bestandteile des planerischen kommunalen Handelns.
Die Veranstaltungsserie des "Interkommunalen Erfahrungsaustauschs zur Stadterneuerung und Sozialplanung" wurde im Frühjahr 1973 als Reaktion auf die drängenden kommunalen Herausforderungen ins Leben gerufen. Die Teilnehmer eines gleichnamigen Difu-Seminars im Mai 1973 - in dessen Mittelpunkt ein Planspiel zum Ablauf eines städtebaulichen Sanierungsvorhabens stand - verabredeten zum Ende des Seminars, sich in Zukunft reihum in ihre Städte einzuladen. Sie wollten vor Ort die Probleme, Erfolge und Strategien der Stadterneuerung in ihren Kommunen vorstellen und im Kollegenkreis diskutieren.
Damit war der Erfahrungsaustausch, an dem seither viele Praktiker der Stadterneuerung aus Städten und Gemeinden des gesamten Bundesgebiets teilgenommen und mitgearbeitet haben, geboren. Nach dem ersten Treffen - bereits Ende 1973 in Bremen durchgeführt -, erfolgten jährliche Treffen in deutschen Kommunen sowie zwei außerordentliche Tagungen in Frankreich und in Italien. Der 20. Erfahrungsaustausch im Jahr 1990 in Berlin wurde als Jubiläumstreffen mit einer Fachtagung zur Stadterneuerung verbunden. Erstmals erweiterte sich der Teilnehmerkreis um Kollegen aus der ehemaligen DDR und Ostberlin. Seitdem werden die Veranstaltungen abwechselnd in Städten der neuen und der alten Bundesländer durchgeführt. Der Erfahrungsaustausch steht allen Interessierten - selbstverständlich nicht nur aus den Kommunalverwaltungen - offen.
Der 36. Erfahrungsaustausch fand in diesem Jahr vom 17. bis 19. Mai in Dortmund statt. Stadterneuerung und Stadt(teil)entwicklung unterliegen dort Rahmenbedingungen, die durch einen anhaltenden ökonomischen und technologischen Strukturwandel gekennzeichnet sind, der zwar erhebliche Anpassungsprobleme mit sich bringt, aber auch neue Chancen eröffnet. Die Stadt Dortmund reagiert hierauf mit unterschiedlichen Strategien der Aufwertung, Revitalisierung, Modernisierung und Bestandssicherung.
An drei räumlichen Beispielen wurden unter anderem Fragen der Revitalisierung, der Leerstandsbekämpfung, der Qualifizierung der öffentlichen Räume und stadträumlichen Qualitäten, der sozialen Stadterneuerung, der Förderung der lokalen Ökonomie, des Quartiermanagements, der Umnutzung denkmalgeschützter Gebäude, der Rückgewinnung von Landschaft, der Erschließung und Integration von ehemaligen Montanstandorten sowie Ansätze zur Verstetigung und Nachhaltigkeit thematisiert und diskutiert. Gastgeber Dortmund führte die Teilnehmer zu Besichtigungen von konkreten Projekten in das innerstädtische "Brückstraßenviertel", in das URBAN II- und Soziale-Stadt-Programmgebiet "Nordstadt" und zum Großprojekt "Zukunftsstandort PHOENIX", einem ehemaligen Standort der Stahlindustrie. Zentrales Thema des Abschlusspodiums am Freitag war unter dem Titel "Neue strategische Partnerschaften in Stadterneuerung und Stadtumbau" die veränderte Rollenteilung zwischen öffentlicher Verwaltung und privaten Akteuren, das die rund 110 Teilnehmer sehr engagiert diskutierten.
Seit 1993 führten Heidede Becker und Robert Sander als Organisatoren des Erfahrungsaustausches durch die Veranstaltungen. Für beide war die Dortmunder Veranstaltung die letzte, die sie für das Difu organisierten und moderierten, denn Mitte 2006 beendete Heidede Becker ihre Arbeit am Institut und Anfang 2007 wird Robert Sander das Difu verlassen und ebenfalls in den Ruhestand zu wechseln. So gab es zum Abschluss des diesjährigen Erfahrungsaustauschs noch eine Überraschung: mit einer sehr bewegenden Rede dankte Günter Pötschke (Frankfurt/Main) im Namen aller Teilnehmer dieses und der vergangenen Jahre Heidede Becker und Robert Sander für die langen Jahre der engen Zusammenarbeit. Man werde sie vermissen, daher wäre es sehr gut, wenn man sie auf einem der nächsten Erfahrungsaustauschtreffen als Gäste wieder willkommen heißen könne. Mit dem kommenden 37. Erfahrungsaustausch zur Stadterneuerung wird der Staffelstab an die neuen Organisatoren Ulrike Meyer und Wolf-Christian Strauss weitergereicht.
Gastgeber des 37. Erfahrungsaustauschs wird von 9. bis 11. Mai 2007 die Stadt Jena sein. Als zentrales Thema ist der Jenaer Stadtumbau geplant und die Fragestellung, welche Rolle in der Stadtentwicklung dabei die demografische Entwicklung, weiche Standortfaktoren und Kultur als Anker spielen.

Foto: Wolf-Christian Strauss
Dipl.-Ing. Ulrike Meyer
Telefon: 030/39001-270
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meyer@difu.de
Dipl.-Ing. Wolf-Christian Strauss
Telefon: 030/39001-296
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strauss@difu.de
