Difu-Berichte 4/2005 - Weiterqualifizierung als kommunale Daueraufgabe

Weiterqualifizierung als Daueraufgabe der Kommunen und des Difu

Das Deutsche Institut für Urbanistik betreibt seit seiner Gründung im Jahr 1973 in zunehmendem Umfang berufsbegleitende Fortbildung für die deutschen Städte, aber auch für Bundes- und Landeseinrichtungen. Das Difu hat damit einen "direkten Draht" in die Kommunen hinein. Es reagiert dadurch mit seinem Fortbildungsangebot auf aktuelle Probleme und unterstützt gleichzeitig fundiert die Entscheidungsfindung in Politik und Verwaltung. Die Difu-Angebote werden nach wie vor sehr gut nachgefragt, obwohl sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren stark verändert haben.

Die berufsbegleitende Fortbildung - so die einhellige Meinung vieler Kommunen - ist für die Bewältigung des kommunalen Alltags von zentraler Bedeutung. Zunehmende Komplexität der zu erledigenden Aufgaben, schnelle Umsetzung geänderter gesetzlicher Vorgaben sowie der permanente technologische Wandel erfordern kontinuierliche Anpassungsleistungen der zuständigen Akteure. Diese Leistungen müssen meist aufgrund der finanziellen Situation vieler Städte und Gemeinden von immer weniger Personal in den einzelnen Fachverwaltungen erbracht werden. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass auch Ratsmitglieder steigenden Erwartungen an die Qualität ihrer Arbeit ausgesetzt sind. Das Weiterbildungsangebot des Difu orientiert sich deshalb gleichermaßen an den Interessen von Rat und Verwaltung.

Im Rahmen seiner Fortbildungsaktivitäten ermittelt das Difu regelmäßig, wie das Seminar- und Fachtagungsangebot angenommen wird, welchen Nutzen das Angebot für die Arbeit vor Ort hat und welche Themen in weiteren Veranstaltungen aufgegriffen werden sollten. Aus der Auswertung der schriftlichen Rückmeldungen sowie aufgrund von Erfahrungen und Gesprächen während der Veranstaltungen lässt sich ein vielschichtiges Bild zeichnen:

  • für berufsbegleitende Fortbildungsaktivitäten bleibt immer weniger Zeit. Veranstaltungen von drei Tagen werden oft als zu lang genannt, da sie eine ebenso lange Absenz vom Arbeitsplatz bedeuten;
  • die Fortbildungsetats in den Kommunen sind stark reduziert worden, obwohl bekannt ist, wie wichtig Fortbildung ist. Die Teilnahmegebühren für Difu-Veranstaltungen sind - im Vergleich zu anderen Anbietern - eher moderat und für die Difu-Zuwenderstädte deutlich günstiger;
  • Regionale Veranstaltungen werden vom Difu mit Blick auf einen Beitrag zur Kostensenkung in den Städten angeboten. Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass es ein großer Teil der Interessenten durchaus schätzt, einmal mit "räumlichem Abstand" zum eigenen Rathaus den Erfahrungsaustausch mit den Kollegen zu führen.
  • es wird immer schwieriger, die Führungsebene für eine Weiterqualifizierung zu gewinnen, auch wenn von Entscheidern eingeräumt wird, das derartige Maßnahmen wichtig sind;
  • die Fortbildung von Ratsmitgliedern erfolgt in der Regel zu selten, da sich für viele berufliche und finanzielle Zwänge ergeben. Dies kann Auswirkungen auf die Entscheidungsfindung und das Abstimmungsverhalten in den Räten haben, denn fundierte eigenständige Beurteilungen von Sachverhalten sind so immer schwerer möglich;
  • in den Veranstaltungen des Difu ist zu beobachten, dass der Graben zwischen fachlichen "Vorreitern" und "Nachziehern" immer breiter wird. Dies erschwert häufig eine Diskussion auf "gleicher Augenhöhe". Problemorientierte Inhouse-Veranstaltungen, die vom Difu für seine Zuwenderstädte angeboten werden, stellen deshalb eine wichtige Ergänzung des Angebots dar;
  • das breite thematische Angebot des Difu erfüllt eine wichtige Aufgabe, die von den Teilnehmern geschätzt und als für die eigene Arbeit wichtig bewertet wird;
  • die methodische Vermittlung wird mitunter kontrovers diskutiert. Die vielfach gepriesenen neuen technologischen Möglichkeiten der Kommunikation z.B. über interaktive Foren werden nur von einem eher geringen Teilnehmerkreis wahrgenommen, da vielfach in den Kommunen hierfür die Ausstattung fehlt. Zudem gilt: Was für Schulungsaktivitäten sinnvoll erscheint, ist für eine problemorientierte berufsbegleitende und auf Erfahrungsaustausch und Diskussion angelegte Weiterqualifizierung nicht unbedingt geeignet;
  • aufgrund der finanziellen Engpässe in den Kommunen konzentrieren sich die Fortbildungsaktivitäten immer stärker auf Themenfelder mit akutem Handlungsdruck. Längerfristig wichtige Themen, die eher in Form perspektivischer Problemfrüherkennung angeboten werden, finden daher selbst dann nur geringen Zuspruch, wenn sie für das kommunale Handeln von Bedeutung sind.

Fasst man zusammen, so haben sich, über einen langen Zeitraum betrachtet, die Ansprüche und Anforderungen der Teilnehmerschaft an das Fortbildungsangebot beträchtlich verändert. Auch haben sich die Rahmenbedingungen in den Kommunen erheblich zum schlechten hin gewandelt - mit weniger Personal und chronisch engen finanziellen Spielräumen müssen mehr und komplexere Aufgaben erledigt werden. Das Difu will stets, den neuen Gegebenheiten gerecht werden und ist damit bisher erfolgreich gewesen - was sowohl die Teilnehmerzahlen, als auch die Rückmeldungen aus vielen Städten belegen. Wichtig erscheint, dass die Difu-Fortbildung nicht nur thematisch auf die aktuellen Problemfelder eingeht, sondern dass sie gleichfalls in der Art ihrer Vermittlung stets auf der Höhe der Zeit ist. Von Bedeutung sind bei all dem schließlich die unterschiedlichen Kooperationen z. B. mit den kommunalen Spitzenverbänden und der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung, in denen neben der horizontalen Entscheidungsebene auch die vertikalen Verflechtungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden berücksichtigt werden.

Weitere Informationen: 

Dr. rer. nat. Gerd Kühn
Telefon: 030/39001- 255
E-Mail:
kuehn@difu.de

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