Difu-Berichte 4/2005 - Management gebietsbezogener integrativer Stadtteilentwicklung

Nach nunmehr gut fünfjähriger Laufzeit des Bund-Länder-Programms "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt" kann dessen Implementierungsphase als abgeschlossen gelten. Aktuell rücken eher die Stärken, aber auch problematische Entwicklungen der Programmumsetzung sowie der daraus erwachsende Veränderungsbedarf stärker in den Blickpunkt. Dabei ist der Vergleich mit ähnlichen Modellen der integrativen Entwicklung benachteiligter Stadtteile im europäischen Ausland, wie sie seit den 1990er-Jahren in vielen Ländern durchgeführt werden, von großer Bedeutung. Mit der vorliegenden Untersuchung wurde ein solcher Vergleich unternommen, in dessen Mittelpunkt das übergeordnete Handlungsfeld Management- und Organisationsformen steht.


Kvarterløft-Gebiet Nord-Vest in Kopenhagen

Kriterium für die Auswahl der Fallbeispiele Kopenhagen und Wien war eine - zumindest auf den ersten Blick - große Ähnlichkeit der dort aufgebauten Quartiermanagementstrukturen mit denen in deutschen Programmkommunen. Allerdings werden im Detail auch Unterschiede deutlich, die im Sinne von "Anregungen" oder "Alternativen" hilfreich für die weitere Programmgestaltung in Deutschland sein können:


Grätzelmanagement-Gebiet Volkert- und Alliiertenviertel in Wien

  • Das dänische Programm Kvarterløft und das deutsche Bund-Länder-Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt" basieren auf einer ähnlichen Entwicklung der Stadterneuerungspolitik in beiden Ländern: von der Flächensanierung in den 1960er- und 1970er-Jahren über Formen der behutsamen Stadterneuerung in den 1980er-Jahren bis zur Herausbildung integrativer Ansätze der Stadtteilentwicklung seit den 1990er-Jahren. In Österreich wurde dagegen bisher kein vergleichbares Bundesprogramm aufgelegt - hier werden lediglich in einzelnen Kommunen Pilotprojekte im Rahmen von EU-Förderungen durchgeführt (Wien: "Grätzelmanagement").
  • Während zu den übergeordneten Zielen in Dänemark und Deutschland die Verbesserung der Lebensbedingungen in den benachteiligten Stadtteilen und damit die Erprobung neuer Management- und Organisationsformen gehören, spielt dieser Aspekt der "Verwaltungsmodernisierung" in Wien eine nur untergeordnete Rolle.


Lokales Projektsekretariat im Kopenhagener Kvarterløft-Gebiet Nørrebro Park

  • Der formale Rahmen für das Vorgehen in allen drei Ländern unterscheidet sich im Hinblick auf Umfang und Regelungstiefe der entsprechenden Richtlinien. Dabei wurden für das dänische Kvarterløft-Programm die detailliertesten und stringentesten Vorgaben formuliert. Analog unterscheiden sich auch Vorgaben zum Thema Verstetigung.
  • Noch deutlicher als bei den formalen Vorgaben unterscheidet sich das Vorgehen in den drei Ländern im Hinblick auf die finanzielle Ausstattung der integrativen Stadtteilerneuerung.
  • In Kopenhagen und Wien gestaltet sich die ressortübergreifende Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene ebenso problematisch wie in vielen deutschen Kommunen, die am Programm "Soziale Stadt" teilnehmen. Dagegen scheint die Notwendigkeit der Einrichtung lokaler Quartiersbüros allgemeiner Konsens zu sein. Die Organisation des intermediären Bereichs in Kopenhagen unterscheidet sich dagegen von den Strukturen in Wien ebenso deutlich, wie dies auch innerhalb der Programmlandschaft "Soziale Stadt" in Deutschland beobachtet wird. Damit verbunden ist auch ein jeweils unterschiedlicher Umgang mit dezentralisierten Entscheidungskompetenzen beispielsweise über einen Verfügungsfonds.
  • Die Rolle von Aktivierung, Beteiligung und Empowerment weist in allen drei Ländern noch Klärungsbedarf auf. Es zeigt sich allerdings jetzt schon, dass die Erarbeitung Integrierter Handlungskonzepte in Wien und Kopenhagen stärker auf die lokale Ebene dezentralisiert ist als in vielen deutschen Städten.


Vor-Ort-Büro des Pilotprojekts Grätzelmanagement im Wiener Volkert- und Alliiertenviertel Fotos: Wolf-Christian Strauss

Die Untersuchung basiert wesentlich auf Experteninterviews, die im Januar 2005 in Kopenhagen und Wien auf der städtischen Verwaltungs- und der lokalen Quartiersebene durchgeführt wurden. Die Analyse von Dokumenten zur Programmumsetzung in beiden Städten bildete die zweite wesentliche Informationsgrundlage.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Geogr. Thomas Franke
Telefon: 030/39001-107
E-Mail: franke@difu.de

Dipl.-Ing. Wolf-Christian Strauss
Telefon: 030/39001-296
E-Mail: strauss@difu.de

Weitere Verweise auf diesen Beitrag: