Difu-Berichte 4/2005 - Gender Mainstreaming im Städtebau
Veröffentlichung der Sammlung "Gute Beispiele" im Rahmen des ExWoST-Vorhabens
Gender Mainstreaming besteht - nach der Definition der Europäischen Union - in der Reorganisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluation von Entscheidungsprozessen in allen Politik- und Arbeitsbereichen einer Organisation. Das Ziel von Gender Mainstreaming ist es, in alle Entscheidungsprozesse die Perspektive des Geschlechterverhältnisses einzubeziehen und alle Entscheidungsprozesse für die Gleichstellung der Geschlechter nutzbar zu machen. Entsprechend soll diese Gleichstellungsstrategie auch in die Aktivitäten des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) integriert werden. Eine erste Konkretisierung erfolgte im ExWoSt-Forschungsvorhaben "Gender Mainstreaming im Städtebau", mit dem das Ministerium, vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), im Zeitraum von Oktober 2003 bis Ende 2005 das Difu in Kooperation mit den beiden Planungsbüros Büro für integrierte Planung, Berlin und planwerk- Stadt Bremen beauftragte. Ziel des Projekts, das sich in seinen Ergebnissen vorrangig an die Kommunen wendet, ist es aufzuzeigen, wie Gender Mainstreaming (GM) in der Städtebaupolitik Berücksichtigung finden und die Gleichstellungsperspektive in alle städtebaulichen Planungen und Umsetzungen aktiv und sichtbar einbezogen werden kann. Den Schwerpunkt bildete die modellhafte Umsetzung von GM in den Modellstädten Dessau und Pulheim sowie der Referenzstadt Bremen und die darauf aufbauende Entwicklung übertragbarer Implementationsbausteine sowie kommunaler Handreichungen.
Dem Wunsch kommunaler Akteure nach positiven Beispielen und Umsetzungsvorbildern kommt der Projektbaustein "Gute Beispiele" nach. Hierzu wurde u.a. in den
Difu-Berichten 4/2003 ein Aufruf zur Sammlung Guter Beispiele der Umsetzung von Gender Mainstreaming bei Aufgaben des kommunalen Städtebaus veröffentlicht. Eine systematische Aufbereitung und daraus abgeleitete Verallgemeinerung der bisherigen Erfahrungen in der Umsetzung von gleichstellungspolitischen Zielen in der städtebaulichen Praxis sollte Anregungen liefern, wie Gender Mainstreaming in Zukunft erfolgreich in der städtebaulichen Praxis umgesetzt werden kann. In der vierten Ausgabe der ExWoSt-Informationen Nr. 26/4 werden zwölf von insgesamt 130 zusammengetragenen Projekten vorgestellt.
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Vorrangiges Auswahlkriterium stellte die Darlegung gender-relevanter Zielsetzungen dar, die in einzelnen Bausteinen des Projekts (inhaltlich, prozessual und/oder organisatorisch) formuliert sind. "Gute Beispiele" zeichnen sich demnach zunächst dadurch aus, dass sie eine explizite Formulierung gender-orientierter Ziele beinhalten. Diese beziehen sich entweder auf die Förderung von Frauen im Sinne einer Berücksichtigung bisher benachteiligter Interessen oder sie beinhalten einen direkten Bezug zu Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechterdemokratie. Des weiteren wurden als "Gute Beispiele" Projekte und Maßnahmen ausgewählt, die erfolgreiche oder vorbildhafte Umsetzungen eines nicht explizit als genderrelevant gekennzeichneten Zieles darstellen, wenn dieses in engem Zusammenhang mit den Zielen von Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit stehen.
Um "Gute Beispiele" in Ost- und Westdeutschland, aus dem Ausland und in unterschiedlichen räumlichen Maßstäben (Groß-, Mittel-, Kleinstadt, Stadtteil, Quartier) präsentieren zu können, wurden Projekte aufgenommen, die in einzelnen Projektbausteinen den Bewertungskriterien entsprechen. Keines der recherchierten Beispiele erfüllt alle Bewertungskriterien - weshalb auch von dem Begriff "best practice" abgewichen wurde. Dazu ist die Zahl "gegenderter" Planungsvorhaben noch zu gering und die Umsetzungszeiträume sind noch zu kurz.
Eine zusammenfassende Veröffentlichung aller Forschungsergebnisse ist in der Reihe "Werkstatt:Praxis" des BBR geplant und wird voraussichtlich im Frühjahr 2006 erfolgen.
Dr. Stephanie Bock
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