Difu-Berichte 4/2003 - Budgetierung und Monitoring in der Jugendhilfe

17. Jugendhilfe-Jahrestreffen in Magdeburg

Auf Einladung des Sozialdezernats der Stadt Magdeburg nahmen am diesjährigen 17. Jugendhilfe-Jahrestreffen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Städten des gesamten Bundesgebiets teil. Die beim letzten Treffen in Nürnberg vorgeschlagene Anregung, im Jahr 2003 über Budgetierung und Monitoring in der Jugendhilfe zu diskutieren, wurde aufgegriffen.

In den vier Beiträgen zum Monitoring von Sozialräumen und den anschließenden Diskussionen ging es vor allem um die Dimensionen von Beobachtungsräumen, um die Auswahl der Indikatoren (Einbeziehung von Gesundheits- und Bildungsparametern), um Daten und Datenquellen - vor allem im Schulbereich - um Methoden der Datenanalysen. Beachtung fand auch das Thema Benchmarking in den einzelnen Stadtteilen sowie Wirkungen und Nutzen des Monitoring innerhalb der Verwaltung, in der Politik und für die Bürger in den Stadtteilen. Veröffentlicht als Jugendhilfe- oder Sozialatlas im meist vierjährigen Rhythmus, gehören diese Berichte heutzutage zum festen Bestandteil jugendhilfe- und sozialplanerischer Aufgaben, um Prioritätensetzungen in der kommunalen Jugendhilfepolitik zu erleichtern oder um im interkommunalen Vergleich Maßstäbe zur Bewertung von Belastungsgrad und sozialer Interventionsquote im Stadtteil zu gewinnen.

In dem Magdeburger Beitrag wurden die Erfordernisse und Rahmenbedingungen für die Sozialberichterstattung vorgestellt. Ein "Monitoring of Social Change" kann danach nur mit einem interdisziplinären Ansatz eingelöst werden, der sich sowohl durch vertikale als auch horizontale Kompatibilität der Indikatoren auszeichnet und auch durchgängige Methoden der Datenanalyse umfasst. Als erster Schritt in eine fachübergreifende und produktunabhängige Form der Betrachtung sozialer Lebenslagen ist in Magdeburg auf der organisatorischen Ebene eine ämterübergreifende "Stabsstelle Planung" im Sozialdezernat etabliert worden, der Vertreter des Sozial-, Jugend- und Gesundheitsamts angehören. Zentrales Problem der Stadt ist der massive Bevölkerungsrückgang verbunden mit dem Anstieg des Altersdurchschnitts um sechs Jahre seit 1990. Die Auswirkungen dieser Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur auf die gesamte Stadtentwicklung zu analysieren und zu bewerten, soll auch Bestandteil der Sozialberichterstattung in Magdeburg werden.

Weitere Berichte zum Sozialatlas 2001 wurden von Wiesbaden vorgestellt (Belastungsfaktoren und soziale Intervention in Stadtteilen), der Stadt Hamm, wo ähnlich wie in Wiesbaden Monitoring als Hilfsmittel zur Prioritätensetzung eingesetzt wird, und schließlich von München, dessen Monitoringsystem zur Beobachtung des Bedarfs an Hilfen zur Erziehung (HzE) dienen soll. In München greift man auf Kontingente für die Hilfen zur Erziehung zurück, wobei durch den Einsatz dieser HzE-Quotienten eine Flexibilisierung der Hilfen hin zu mehr ambulanten und teilstationären Hilfen erzielt wird.

Um Hilfen zur Erziehung ging es auch im Themenblock Budgetierung. Hier wurden Beispiele aus Stuttgart und Bremen vorgestellt. Stuttgart beschränkt sich auf die Hilfen zur Erziehung und hat hierfür eine sehr differenzierte, komplexe Konzeption von Budgetierungs-, Steuerungs- und Leistungsbonussystemen entwickelt. Damit soll dem weiteren Anstieg stationärer Unterbringung entgegengewirkt und der Kostenanstieg gestoppt werden. In Bremen sind im Konzept der regionalen "Sozialzentren" sowohl Hilfen für Junge Menschen (Hilfen zur Erziehung), Hilfen für Erwachsene (Hilfen für Sozialhilfe-Empfänger und Arbeitlose, aber auch gesundheitliche Hilfen) und wirtschaftliche Hilfe (Sozialhilfe) eingebunden. Die jeweilige Sozialzentrumsleitung ist budgetverantwortlich und steht gegenüber dem Amtsleiter für die Erfüllung des Kontraktes ein. Priorität hat der Finanzausgleich über Minderausgaben bzw. Mehreinahmen im direkten Abgleich der Budgetentwicklung aller zwölf Sozialzentren bei Einhaltung des Gesamtbudgets des Amtes für soziale Dienste Bremen. Für Bremen hat sich die Umstellung auf diese Form der Budgetierung bewährt - besonders vor dem Hintergrund der derzeit bestehenden Haushaltsperre.

Die nächste Veranstaltung der Jugendhilfe-Jahrestreffen im Jahr 2004 wird wieder im süddeutschen Raum stattfinden.

Weitere Informationen:
Dipl.-Ing. Heidrun Kunert-Schroth
Telefon: 030/39001-297
E-Mail:
kunert-schroth@difu.de


voriger Artikel
 

Impressum