Difu-Berichte 4/2000 - Wanderungsprozesse - Herausforderungen für Wohnungswirtschaft und Städte
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Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft und die Städte |
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Hohe Mobilität ist eines der zentralen Kennzeichen moderner Gesellschaften. Zu den Mobilitätsphänomenen rechnen auch die verschiedenen Formen von Wanderungsprozessen, mit denen sich die neueste Ausgabe der "Aktuellen Information" vor allem im Hinblick auf die Folgen für die Wohnungswirtschaft und die Kommunalpolitik befasst: Für sie ist die Bevölkerungsentwicklung - deren quantitative Veränderungen und Struktur - eine der wichtigsten Orientierungsgrößen. Während die natürliche Bevölkerungsentwicklung - Geburten und Sterbefälle - relativ genau für die nächsten zehn bis 15 Jahre zu prognostizieren ist, sind vor allem internationale Wanderungsprozesse erheblichen Schwankungen unterworfen und schwer abschätzbar. Sie können zudem durch einen Austausch von Zu- und Abwandernden in den Städten mit starken strukturellen Verschiebungen einhergehen, selbst wenn der Wanderungssaldo annähernd Null ist. Dieser wird aber dauerhaft positiv sein - darin sind sich alle im Beitrag dargestellten seriösen Prognosen einig - und vor allem im Westen Deutschlands spürbar werden. Dort wird vorrangig preiswerter Wohnraum in Innenstadtquartieren oder in großen Neubausiedlungen von jungen Haushalten nachgefragt werden. Für die Wohnungswirtschaft resultiert daraus weniger ein Mengenproblem als die schwierige Aufgabe des Managements dieser durch soziale Segregation belasteten, eher unattraktiven Quartiere. Den Städten werden immer anspruchsvollere Integrationsleistungen abverlangt. Bei den interregionalen Wanderungen geht es vor allem um die Wanderungen zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands und zwischen den Regionstypen, hier den ländlichen Räumen und Agglomerationsräumen. Nicht nur seit der Vereinigung, sondern auch in Zukunft muss mit einem Wanderungsgewinn des Westens durch Zuzüge aus östlichen Landesteilen gerechnet werden. Damit wird die Differenz in der Einwohnerdichte weiter wachsen. Für die Wohnungswirtschaft heißt dies vor allem: wanderungsbedingter Neubau in den westlichen Agglomerationen und ländlichen Räumen, wanderungsbedingte Verschärfung der Leerstandsproblematik in ländlichen Räumen und Städten des Ostens. Für die Städte und Regionen gilt hier, dass sie - stärker als bei den internationalen Wanderungen - durch eigene erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklungs- oder Stabilisierungsstrategien eine Magnetwirkung für Wanderungsströme erzeugen können. |
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Als quantitativ bedeutsamstes, anhaltendes internes Wanderungsphänomen in der Bundesrepublik Deutschland muss jedoch die Stadt-Umland-Wanderung gelten. Sie ist wiederum Teil der kleinräumigen intraregionalen Wanderungen. Die Muster dieser Randwanderung und des Suburbanisierungsprozesses insgesamt sind sehr vielfältig, ebenso wie die "treibenden Kräfte". Letztere sind - anders als die wirtschaftsorientierten Faktoren der großräumigen Wanderungen - überwiegend wohnungsorientiert: Es geht um besseren oder auch mehr Wohnraum, möglichst im Grünen, um weniger Lärm und Verkehr, um Lebensräume für Kinder usw. Es sind nicht mehr nur die Jüngeren, gut Verdienenden, die Familien gründen, sondern mehrheitlich reine Erwachsenenhaushalte, die die Stadt verlassen und von der Verbesserung der (Verkehrs-)Infrastruktur am Stadtrand oder im Umland profitieren. Die Wanderungsverluste von Kernstädten im Westen Deutschlands treten besonders im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts deutlich zutage. Ganz anders das Bild im Osten: Dort wird Suburbanisierung erst seit der Vereinigung voll wirksam und hält nunmehr wie im Westen an, der "Vorsprung" des Westens wird hier aber schrumpfen. Die größten Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft sind: im Westen steigende Nachfrage von Migranten im Bestand der Kernstadt, verstärkt durch anhaltende Suburbanisierung der ansässigen Bevölkerung; im Osten Leerstand und Abriss. Die Probleme für die Städte liegen vor allem in den finanzwirtschaftlichen und städtebaulich-ökologischen Konsequenzen der Suburbanisierung für die Kernstädte in West und Ost und in einer Gefährdung sozialer Integrationsleistungen bei wachsenden Ausländeranteilen vor allem im Westen. |
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