Difu-Berichte 4/2000 - Telematikgestützte regionale Netzwerke

 

 
    

In dem neuen Band der Difu-Reihe "Materialien" werden die Ergebnisse eines Forschungsprojekts vorgestellt, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Technologischer Wandel und Regionalentwicklung in Europa" (Phase III ) gefördert wurde. Zielsetzung war die Ermittlung und Evaluation von telematisch gestützten regionalen Netzwerken (TRN) in Deutschland und Europa. TRN können als Reaktion auf den sozioökonomischen Wandel und als Organisationskonzepte wirtschaftlicher Kooperationsbeziehungen begriffen werden. Ihre einzelnen Teilnehmer - kleine und mittlere Unternehmen (KMU) - arbeiten über unterschiedliche Kommunikationswege miteinander zusammen. Diese basieren ganz oder teilweise auf den neuen Informations- und Kommunikationstechniken (z.B. WWW des Internet, E-Mail, Videokonferenzen).

Von einer detaillierten Literatur- und Dokumentenanalyse ausgehend, wird der aktuelle Forschungsstand dargestellt. Die ökonomischen, politischen und technologischen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen in der Europäischen Union für den Aufbau und die Nutzung solcher Netzwerke werden herausgearbeitet. Besonderes Augenmerk richtet sich auf die Relevanz von TRN für die Wettbewerbsfähigkeit der KMU und für die Regionalentwicklung.

Im empirischen Teil werden telematisch gestützte regionale Netzwerke in der Europäischen Union identifiziert. Näher vorgestellt werden Beispiele aus der deutschen Softwarebranche, dem Bereich Druck, Werbung und Marketing sowie der schwedischen Holzindustrie. Hierbei werden die Potenziale neuer Informations- und Kommunikationstechnologien und die möglichen Vorteile von Unternehmensnetzwerken dem Umsetzungsstand in der Praxis gegenübergestellt.

Die Ergebnisse der Untersuchung waren insgesamt ernüchternd. Trotz umfangreicher Recherchen ließen sich nur wenige Netzwerke von KMU, die das Internet zur Ausgestaltung ihrer Kooperationsbeziehungen nutzen, identifizieren. In den wenigen untersuchten Beispielen werden die Nutzenpotenziale der Online-Kommunikation und -Transaktion zur Stärkung der Kooperationsbeziehungen und der Wettbewerbsfähigkeit nur sehr unzureichend ausgeschöpft. Face-to-face-Kontakte sind immer noch das vorherrschende Instrument der Kooperation. Wichtigste Erfolgskriterien funktionierender Zusammenarbeit sind das gegenseitige Vertrauen und die kontinuierliche, langjährige Bereitschaft zur Kooperation. Die Telematikunterstützung kann dabei nur Hilfsmittel oder Werkzeug sein, um in der Anfangsphase der Netzwerketablierung Schwellenangst vor einem gemeinsamen Vorgehen zu nehmen, weil ein "schneller Kontakt" jederzeit möglich ist.

Hemmnisse, die einer weiteren Diffusion von IuK und damit einer Telematikunterstützung der Netzwerke eindeutig entgegenstehen, sind unter anderem

 
Weitere Informationen:
Britta Oertel, M.A.
Telefon: 030/80 30 88 43
E-Mail:
b.oertel@izt.de
 
Dr. Busso Grabow
Telefon: 030/39001-248
E-Mail:
grabow@difu.de
 
Bestellung:
siehe Bestellschein
 
  • mangelnde Kompetenz im Umgang mit den neuen Kommunikationstechniken,
  • vielfach nicht vorhandene finanzielle Ressourcen von Kleinbetrieben,
  • Vorbehalte gegenüber der umfassenden IuK-Einführung in den Kleinunternehmen aus mangelnder Kenntnis des tatsächlichen Aufwands,
  • knappe personelle Ressourcen und
  • fehlendes Innovationsmanagement.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Stellenwert, der Netzwerken in der regionalökonomischen Diskussion zugewiesen wird, überschätzt wird. Zumindest gilt dies im Hinblick auf die Innovationsfähigkeit kleiner und mittlerer Betriebe durch partnerschaftliche horizontale Kooperation. Dennoch haben sich Vorstufen der Zusammenarbeit in Netzwerken, also einzelne Netzwerkbausteine und Kooperationen, als wichtige innovative Momente für die ökonomischen und politischen Akteure herausgestellt. Sie können sich im Verlauf einer weiteren Entwicklung zu regionalen Kooperationsstrukturen oder regionalen Netzwerken verdichten, müssen dies jedoch nicht zwingend. So kann die Dokumentation der untersuchten Beispiele Impulse geben, wie zumindest Potenziale für eine innovationsorientierte Wirtschaftsentwicklung in der Region erschlossen werden können, ohne dass die Forcierung von TRN gleich als "Königsweg" einer leistungsfähigen regionalen Wirtschaftsförderung gesehen werden müsste.

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