Difu-Berichte 4/2000 - MEDIA@Komm-Wettbewerb



MEDIA@Komm-Wettbewerb

Aktuelles aus der Begleitforschung

 

 


MEDIA@Komm online:

mediakomm.difu.de
 
Weitere Informationen
zu allen beteiligten Städten
können unter
mediakomm.difu.de
abgerufen werden.
Die Webseiten bieten
Wissenswertes zum

MEDIA@Komm-Wettbewerb,
zum Verlauf der Projekt-Umsetzung
sowie zu Themen
wie "virtuelles Rathaus",
"virtuelle Marktplätze" und
"digitale Signatur".
 
Die Berichte und Ergebnisse
der Begleitforschung bilden
hierfür eine wichtige
Grundlage.
Mit dem
MEDIA@Komm-Forum
besteht für alle Nutzer
die Möglichkeit, sich zu
Querschnittsthemen,
rechtlichen oder technischen
Fragen direkt auszutauschen.
So lassen sich Informationen
und Erfahrungen
verbreiten, die im Sinne eines
wechselseitigen Gebens und
Nehmens für alle Beteiligten
von Vorteil sein können.
 
Die Begleitforschung
beteiligt sich mit Beiträgen
und Fragen, die zur Diskussion
gestellt werden.

    

Erster
MEDIA@Komm-Kongress

Der am 4. und 5. September 2000 in Bremen veranstaltete Kongress "Virtuelles Rathaus" übertraf die Erwartungen aller Beteiligten. Mehr als 500 Interessierte aus Kommunen, Bundes- und Landesbehörden, Unternehmen, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden besuchten die ausgebuchte Veranstaltung in Bremen. Der vom Difu und der bremen online services GmbH & Co. KG (bos) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) durchgeführte Kongress war die Auftaktveranstaltung zur Umsetzungsphase des Multimedia-Städtewettbewerbs
MEDIA@Komm.

Bremen - Konzept und aktueller Stand
Das
MEDIA@Komm-Vorhaben "Rechtsverbindliche Multimedia-Dienste mit digitaler Signatur in der Freien Hansestadt Bremen" wird von dem bremer-online-service durchgeführt und umfasst drei Kernbereiche:

Zugangssicherung und rechtsverbindliche Online-Dienstleistungen:
Neben dem Zugang von zu Hause aus sollen weitere Möglichkeiten, wie betreute Nutzerplätze im öffentlichen Raum oder Kioske, geschaffen werden. Eine möglichst große Verbreitung von Signaturkarten und Lesegeräten ist notwendig zur Akzeptanzsteigerung und um erste praktische Erfahrungen mit Anwendungen zu sammeln.

Plattform und OSCI:
Es soll eine Plattform eingerichtet und betrieben werden, auf der die Kommunikation zwischen Verwaltung, Bürgern und der Wirtschaft mittels Formularen strukturiert wird. Dazu ist ein einheitlicher Kommunikationsstandard OSCI (Online Services Computer Interface) zu entwickeln, der auf Bundesebene mit anderen Kommunen abgestimmt wird. Schließlich werden auch unterschiedliche Bezahlverfahren integriert.

Anwendungen/Lebenslagen:
Die Anwendungen, die über die Plattform transportiert werden, sind nach "Lebenslagen" strukturiert. Der Bürger orientiert sich bei virtuellen Behördengängen oder bei Informationsabrufen an seinem aktuellen Interesse, seiner "Lebenslage", die ihn zum Behördenkontakt veranlasst (in Bremen beispielsweise Bau eines Hauses, Kauf eines Autos, Kommunikation zwischen Rechtsanwälten / Notaren und Gerichten, zwischen Steuerberater und Finanzamt, Umzug und Wohnen, öffentliche Auftrags vergabe, Anwendungen für Studierende sowie Freizeit / Ticketing). Im Laufe des Bremer Projekts sollen so insgesamt neun Lebenslagen oder Teilprojekte mit mehr als 70 Geschäftsvorfällen und weit über 20 weiteren externen Dienstleistern umgesetzt werden. Das Teilprojekt Zahlungsverkehr mit der Verwaltung liegt als Querschnitt über allen Lebenslagen.

Der erste vollständig online abgewickelte virtuelle Behördengang, bei dem neben der Bestellung einer Heiratsurkunde auch gleich die Gebühr per "GeldKarte" über eine sichere Internetverbindung bezahlt werden konnte, wurde auf dem ersten
MEDIA@Komm-Fachkongress vorgestellt. Seit dieser Zeit stehen den Bremer Bürgern zunächst 15 Online-Angebote der Verwaltung und von privaten Dienstleistern zur Verfügung. In der Lebenslage Umzug und Wohnen gehören dazu zum Beispiel die An- und Abmeldung von Gas, Strom und Wasser bei den Stadtwerken, die Kontoummeldung bei der Sparkasse und ein Nachsendeauftrag bei der Deutschen Post. Geburts-, Heirats-, Sterbeurkunden und Abschriften aus dem Familienbuch sowie Auskünfte über den Geburtszeitpunkt kann man ebenfalls online beim Bremer Standesamt anfordern - und elektronisch bezahlen. Bis zum Frühjahr 2001 sollen auch die Anwendungen für Studierende umgesetzt sein. Geschäftsprozessanalysen sowie die entsprechenden Anpassungen haben in den drei beteiligten Hochschulverwaltungen bereits stattgefunden. Jetzt erfolgt die technische Umsetzung der geplanten Angebote. Die Anmeldung zu Prüfungen und Klausuren, Services rund um die Bibliotheken und das Studentenwerk sollen in Bremen dann auch online möglich sein.

Städteverbund Nürnberg-Fürth-Erlangen-Bayreuth-Schwabach - Konzept und aktueller Stand
Das
MEDIA@Komm-Projekt des Städteverbunds Nürnberg umfasst vier Kernbereiche:

Technische Querschnittsprojekte:
Hierzu zählen die Teilprojekte Plattform, Sicherheitskonzept, digitale Signatur und Bezahlfunktion.

Kommunale Querschnittsprojekte:
Behandlung von Aufgaben und Problemen, die für alle kommunalen Anwendungen von Bedeutung sind. Umgesetzt werden Plattformlösungen, die für alle Kommunen im Verbund einsetzbar sind.

Kommunale Teilprojekte:
Insgesamt 20 Projekte mit 65 Einzelanwendungen sollen umgesetzt werden, von "einfachen Geschäftsprozessen" wie der Beantragung von Mülltonnen oder Anwohnerparkausweisen bis hin zur elektronischen Bauakte.

Projekte in Public Private Partnerships:
Zu diesen Projekten gehören der virtuelle Marktplatz, eine Existenzgründerbetreuung und Ticketing im ÖPNV.

Sieben der kommunalen Teilprojekte sind bereits gestartet. Dazu gehört das Projekt Bildungsregion, das bessere Informationsmöglichkeiten für Kunden und Mitarbeiter der Volkshochschulen zur Verfügung stellen soll, das aber auch Telelearning und -teaching-Angebote integriert und Online-Buchungsmöglichkeiten anbieten wird. Ein Stadtratsinformationssystem wird gerade entwickelt und soll unter Nutzung der digitalen Signatur in der Praxis erprobt werden, ebenso mehrere einfache Geschäftsprozesse im Bereich des Tiefbauamts. Am 17. Oktober 2000 wurde in Nürnberg ein digital signierter und online bezahlter Geschäftsvorfall mit der von der Firma Curiavant entwickelten "Flip-Chip-Karte" erstmals öffentlich vorgestellt. Diese ist eine Chipkarte, auf der die digitale Signatur und eine Bezahlfunktion aufgebracht wurden. Die mit einer solchen Karte samt Lesegeräten ausgestatteten Bürger konnten erstmals einen kompletten Behördengang virtuell erledigen und beim Tiefbauamt der Stadt Nürnberg einen Anwohnerparkausweis via PC beantragen und bezahlen.

 
Weitere Informationen:
 
Dr. Busso Grabow
Telefon: 030/39001-248
E-Mail:
grabow@difu.de
 
Dipl.-Pol. Christine Siegfried
Telefon: 030/39001-201
E-Mail:
siegfried@difu.de
 

Städte Esslingen und Ostfildern - Konzept und aktueller Stand
Im Mittelpunkt des Projekts der Städte Esslingen und Ostfildern steht die Kommunikation zwischen Bürger und Verwaltung. Mit ihrem kommunitaristischen Ansatz wollen Esslingen und Ostfildern versuchen, die Bürger in die Gestaltung des Gemeinwesens einzubeziehen und sie zu einer Mitwirkung am kommunalen Geschehen zu bewegen. Ziel des Esslinger Projekts MediaKomm ist es, in der Bevölkerung Akzeptanz für die Nutzung von Signaturkarten zum Abschluss rechtsverbindlicher Geschäfte oder zur Online-Abwicklung von Behördengängen über das Internet zu schaffen. Die Steigerung der Bürgerbeteiligung ist ein weiteres Ziel, das durch umfassende Möglichkeiten zur Information und Kommunikation erreicht werden soll. Die "kleineren" Städte Esslingen und Ostfildern verfügen nicht - wie andere
MEDIA@Komm-Städte - über eine Infrastruktur, die die Abwicklung von Online- Dienstleistungen erlauben würde; auch ist das Stadtinformationssystem in Teilen erst im Aufbau.
MEDIA@Komm wird daher in Esslingen auch dazu genutzt, zunächst die entsprechende Infrastruktur zu schaffen. Im Gegensatz zu anderen Städten mit bereits bestehenden Infrastrukturen, Lösungen und Anwendungen müssen weniger Schnittstellen und Strukturen berücksichtigt werden; daher lassen sich "homogene", geschlossene Anforderungen an die notwendige Hard- und Software sowie die Plattform definieren und integrierte Konzept entwickeln. Insgesamt besteht das
MEDIA@Komm-Projekt aus sechs Teilprojekten: 1. Kommunale Dienste, 2. Bildung, 3. Electronic Business, 4. Kultur, 5. Soziales und 6. Querschnitt. Im Bereich kommunale Dienste erfolgte zunächst die Erfassung aller Geschäftsprozesse in der Verwaltung und die Erstellung eines Produktkatalogs, um diese dann den "Lebenslagen" zuordnen zu können. Auf der Basis der Ist-Analyse wird der Bedarf an Online-Angeboten und Prioritäten ermittelt. Umgesetzt werden zunächst einfache Geschäftsprozesse wie Anwohnerparkausweis; aber auch komplexe Verfahren wie Baugenehmigungsverfahren sollen online abgewickelt werden. Bildung umfasst die Gründung eines Bildungsnetzes, den Aufbau eines Jugendnetzes sowie Maßnahmen zur Information und Aufklärung über neue Medien. Im Rahmen des Electronic Business soll das Portal Esslingen.de aufgebaut werden, das neben der Signatur auch Online-Bezahlverfahren integrieren wird. Im Kulturbereich ist der Aufbau eines Kulturforums geplant, dessen Datenbanken in das Portal eingebunden werden sollen. Das Projekt Soziales umfasst drei Schwerpunkte: eine Datenbank, in der alle Informationen zu sozialen Dienstleistungen in der Region zusammengefasst werden, den Informationsdienst Sozialforum, in dem sowohl online als auch offline Informationen für Bürger und Fachkräfte angeboten werden, und die Erforschung von Nutzungsmöglichkeiten für interaktive Kommunikation im sozialen Sektor.

Am 13. Oktober 2000 startete das Esslinger jugendnetz, das die verschiedenen Aktvitäten im Jugendbereich in Esslingen, Ostfildern und der Region vernetzt und Kindern und Jugendlichen ein attraktives Angebot schaffen soll. Im Jugendnetz wird die digitale Signatur praktisch erprobt: In einem Pilotprojekt können seit Oktober über das Internet mittels digitaler Signatur Geräte und Materialien vom Stadtjugendring ausgeliehen werden.