Difu-Berichte 4/1998 - Energiekosten reduzieren, Arbeitsplätze schaffen

       Energiekosten reduzieren, Arbeitsplätze schaffen

In Stuttgart trafen sich am 27. und 28. Oktober 1998 rund 300 kommunale Energiebeauftragte aus ganz Deutschland und erstmalig auch aus Österreich und Luxemburg zu ihrem vierten Fachkongreß.

Für die Kommunalverwaltungen bestehen wenige Möglichkeiten, bei denen das Sparen so große Akzeptanz verspricht wie bei der Energie- und Wasserkosteneinsparung. Erfolgreiche Projekte haben gezeigt, daß die Kommunen rund zehn Prozent ihrer Kosten für Strom sowie 15 bis 20 Prozent für Heizung und Wasser einsparen können. Die Stadt Stuttgart konnte beispielsweise seit 1977 allein die Heizkosten der städtischen Liegenschaften auf 60 Prozent reduzieren. Dabei gilt, daß die Stadt für jede Mark, die sie in das Energiemanagement investiert, fünfmal soviel spart. Die gleiche Effektivität wie in Stuttgart vorausgesetzt, könnten die auf dem Kongreß anwesenden Energiebeauftragten ihren Kommunen rund 80 Millionen DM Energiekosten im Jahr einsparen und zugleich eine CO 2 -Reduzierung von etwa 160000 Tonnen pro Jahr erzielen.

Durch Energiemanagement lassen sich jedoch nicht nur Kosten sparen, sondern auch Arbeitsplätze schaffen. In den gro-ßen Städten mit mehr als 100000 Einwohnern steht bereits explizit zur Bewirtschaftung der kommunalen Liegenschaften Personal zur Verfügung. Nach einer Umfrage der Stadt Goslar arbeitet jedoch nur in jeder vierten Stadt zwischen 20 000 und 100000 Einwohnern ein Energiebeauftragter. Hier könnten etwa 870 Menschen mit dieser Aufgabe beschäftigt werden. Auch in den knapp 11400 noch kleineren Kommunen, in denen sich die Einstellung eines Energiebeauftragten nur unter Umständen rechnet, könnten beispielsweise durch Kooperationen oder Gemeinschaftseinrichtungen etwa auf Kreisebene rund 1350 Arbeitsplätze eingerichtet werden. Zusammengerechnet bedeutet dann ein konsequent in allen Kommunen durchgeführtes Energiemanagement circa 2200 Dauerarbeitsplätze,diesich ausdeneingesparten Energiekosten selbst finanzieren. In dieser Rechnung sind die Landes- und Bundeseinrichtungen noch nicht berücksichtigt. Darüber hinaus ist zu erwarten, daß kommunales Energiemanagement durch einen Modernisierungsschub bei Gebäuden und technischen Anlagen zu- sätzlich einen Impuls für die lokale Wirtschaft auslöst.

 


Weitere Informationen:

Dr.-Ing. Annett Fischer
Telefon: 030/39001-110
Telefax: 030/39001-241


 

Auf dem diesjährigen Kongreß wurden insbesondere die Themengruppen Energiemanagement, Stromsparen, Heizenergiesparen, Wassersparen und Finanzierung diskutiert. Dazu wurden Modelle der Organisation, Kommunikation und Motivation behandelt, angefangen bei der Finanzierung von Investitionen und Personalstellen beispielsweise über haushaltstechnische Budgetierung oder Contracting, bis hin zur Schulung von Hausmeistern öffentlicher Gebäude oder einer offensiven Energieberatung und Öffentlichkeitsarbeit zum Energiesparen. Dabei wurden auch Ansätze für kleinere Kommunen vorgestellt.

Neben den Workshops zur Finanzierung fanden die Workshops, die sich mit Grenz- und Zielwerten der Energieeinsparung in kommunalen Einrichtungen und systematischen Sparkonzepten im Gebäudebestand beschäftigten, besonderes Interesse. In den Diskussionen wurde unter anderem deutlich, daß der Bereich der Stromeinsparung - in der Vergangenheit oft vernachlässigt - immer wichtiger wird, zumal die Stromkosten in vielen Kommunen über die Hälfte der gesamten Energiekosten ausmachen.

Im nächsten Jahr findet der Kongreß Ende September in Duisburg statt.