Difu-Berichte 4/1997 - Entwicklungsperspektiven für die Stadt - Trends und Chancen

     
Entwicklungsperspektiven für die Stadt - Trends und Chancen



Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Heinrich Mäding auf der Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Städtestatistiker in Bielefeld am 23.9.97

Weltweite Trends in Wirtschaft und Gesellschaft gewinnen auch für die Kommunalpolitik an Bedeutung und stellen die Kommunen vor neue Herausforderungen. Der kontinuierliche Zuwachs des Dienstleistungssektors, die Zunahme internationaler Transaktionen von Unternehmen, sowohl Konzentrations- als auch Dekonzentrationsprozesse und der Ausbau der Informationstechnologie und Telematik erfordern eine umfassende Wirtschaftspolitik der Kommunen, um im Standortwettbewerb der Städte mithalten zu können. Gleichzeitig müssen sich die Städte mit gesellschaftlichen Trends auseinandersetzen, die teilweise mit den wirtschaftlichen Veränderungen in Wechselwirkung stehen: Zuwanderungen, Binnenwanderungen, natürliche Bevölkerungsentwicklung, die Zunahme der Arbeitslosigkeit, ein Wertewandel und sich ausdifferenzierende Lebensstile. Auch diese Faktoren ziehen zum Teil erhebliche Konsequenzen für die Entwicklung der Kommunen nach sich.

Gleichwohl sind die gewandelten Anforderungen an die Städte und deren Folgen nicht überall gleich, besonders nicht in ihrem Ausmaß. Traditionelle Unterscheidungen von Städten nach ihrer Größe oder Funktion in einem regionalen Städtesystem relativieren sich vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Herausbildung neuer Stadthierarchien. Es stellt sich die immer drängendere Frage nach den jeweiligen Entwicklungsperspektiven für die Städte - als Grundlage für ein übergreifendes Leitbild kommunaler Politik. Jedoch geht es nicht nur darum, die jeweiligen Chancen und Probleme einer Stadt zu erkennen. Für die Stadtverwaltungen stellt sich darüber hinaus die schwierige Aufgabe, ihr Handlungspotential zu optimieren - und zwar parallel zu den nationalen und weltweiten Trends.

Prof. Dr. Heinrich Mäding, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, nahm im Eröffnungsvortrag der "Statistischen Woche" in Bielefeld diese weltweiten Trends in Wirtschaft und Gesellschaft unter die Lupe und skizzierte ihre Folgen für den Standort Stadt. In einem Zeithorizont von etwa zehn bis fünfzehn Jahren lassen sich dabei interne Trends für die Städte ableiten - wie beispielsweise im Bedeutungswandel von Standortfaktoren oder der Veränderung in der Nachfrage nach Wohnungen und städtischer Infrastruktur. Im Blickfeld des Vortrags standen jedoch nicht nur stadtinterne Veränderungen, sondern auch der Wandel der Städte im Vergleich zum ländlichen Raum. Dabei zeichnen sich Unterschiede im Ausmaß der jeweiligen Problemfelder zwischen ost- und westdeutschen Städten ab. In diesem Zusammenhang stellen sich für die Kommunalpolitiker mehrere Fragen: Welche Chancen für die Städte sind in diesen Entwicklungen angelegt? Welche potentiellen Risiken bergen sie? Welche Voraussetzungen sind nötig, um eine Standortaufwertung betreiben zu können und diese Chancen erfolgreich zu nutzen?
 


Weitere Informationen:
Prof.Dr. Heinrich Mäding

Gute und zukunftsweisende Kommunalpolitik zeichnet sich dadurch aus, daß Grenzen der Einflußnahme auf bestimmte Entwicklungen anerkannt und Energien dort gebündelt werden, wo die Städte selbst ihre Handlungseffizienz steigern können. Prof. Dr. Heinrich Mäding skizziert drei konzeptionelle Handlungsansätze, die quer zu allen Politikfeldern verlaufen. Durch Verwaltungsmodernisierung kann mehr Kundenorientierung und ökonomische Effizienz realisiert werden. Mit strategischer Regionsbildung werden durch Kooperation Handlungspotentiale im Wettbewerb der Regionen erschlossen. Schließlich sollten öffentlich-private Partnerschaften wie beim Stadtmarketing und den Lokale-Agenda-21-Prozessen fortentwickelt werden. Nicht Abbau, sondern Übernahme sozialer und ökologischer Verantwortung sind die Kennzeichen einer erfolgreichen und modellhaften Kommunalpolitik.

Der Vortrag ist soeben als Aktuelle Information "Entwicklungsperspektiven für die Stadt - Trends und Chancen" erschienen.

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