Difu-Berichte 4/1996 - Medien, Kommunikation und Stadtentwicklung
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Die mit der IuK-Technik und Informationswirtschaft verbundenen Potentiale für die Stadtentwicklung stoßen auf ein wachsendes Interesse. Spätestens seit der Liberalisierungsdiskussion im Telekommunikationsbereich und dem Internet-Boom sind diese Themen in aller Munde. Das ist auch nicht besonders erstaunlich, befinden sich doch klassische Industrien in einer Strukturkrise, die mittlerweile auch Kernbereiche ehemaliger Wachstumsbranchen erfaßt hat. Demgegenüber vermitteln die mit Begriffen wie "Telematik", "Multimedia", "Interaktive Dienste" usw. verbundenen Wirtschaftszweige das Bild eines wachstumsstarken, zukunfts- und imageträchtigen Bereichs.
Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor Medien- und Kommunikationswirtschaft 1992 waren rund 1,9 Mio. Erwerbstätige in Deutschland im Medien- und Kommunikationssektor beschäftigt, knapp 1,6 Mio. davon in der Medienproduktion, 330 000 in der Distribution. Bis zum Jahr 2010 soll die Zahl der Erwerbstätigen im Medien- und Kommunikationssektor in Deutschland um etwa zehn Prozent, das heißt auf 180 000 steigen. Die Bruttowertschöpfung im Medien- und Kommunikationssektor lag 1992 bei 174 Mrd. DM. Bis zum Jahr 2010 soll sie um 180 Prozent auf 247 Mrd. DM zunehmen. Der Zuwachs wird jedoch leicht unter dem für die Gesamtwirtschaft prognostizierten liegen. Der Beitrag des Medien- und Kommunikationssektors zum Bruttoinlandsprodukt wird sich demzufolge leicht verringern: 1992 machte er 5,8 Prozent aus, für das Jahr 2010 werden 5,4 Prozent vorhergesagt. Dabei wird bereits laut Prognosen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sowie prognos von konstanten Import- und Exportquoten - d.h. einer Stabilisierung der deutschen Position im internationalen Wettbewerb - ausgegangen. Insgesamt werden damit die Wachstumshoffnungen, die mit dem Medien- und Kommunikationsbereich verbunden werden, doch etwas relativiert. Einerseits wird ein Nachfrageanstieg der Unternehmen nach Medien- und Kommunikationsgütern angenommen, der über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum liegen wird. Andererseits wird von einer überdurchschnittlichen Produktivitätsreserve ausgegangen, die insbesondere die Kommunikationsdienstleistungen betrifft.
Strukturveränderungen in der Medien- und Kommunikationswirtschaft
Auswirkungen der Veränderungen im Medien- und Kommunikationsbereich für die Städte Viel wichtiger ist aber, daß anders als zu Beginn der 80er Jahre laut Herbert Kubicek "die Erwartungen, daß die neuen Informations- und Kommunikationstechniken in den nächsten zehn Jahren die Mehrheit der Privathaushalte erreichen werden, dieses Mal realisierbar erscheinen und die Veränderungen ein Medium betreffen, das in weite Bereiche unseres Alltags eingreift, sei es Beruf, Ausbildung, Einkauf, Freizeit, Gesundheit oder Wohnen. In den deutschen Städten liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten zur Zeit beim Ausbau der IuK-Infrastruktur. Daran beteiligen sich die Deutsche Telekom AG ebenso wie die großen Energieversorger, ausländische Telekom-Carrier und auch die Kommunen selbst. Den Stand der kommunalen Telekommunikationsaktivitäten Anfang 1996 (Städte, in denen Betreibergesellschaften oder City Carrier bestehen oder geplant sind) zeigt die Abbildung. Die Fülle der - ohne Zweifel teilweise sehr sinnvollen - Aktivitäten im Bereich des Infrastrukturausbaus steht im Kontrast zu den bisher vor allem von den großen Telekom-Carriern vernachlässigten Fragen nach konkreten Anwendungen und Nutzern. Erfahrungen beispielsweise aus dem Aufbau von Telearbeitszentren zeigen aber, daß die Förderung regionaler Strukturen allein durch die Bereitstellung von Infrastruktur nicht ausreicht.
Kommunale Handlungsmöglichkeiten im Medien- und Kommunikationsbereich
Dabei geht es vor allem darum zu verhindern, daß sich die Veränderungen in IuK-Technik und Informationswirtschaft losgelöst von Stadtentwicklungszielen vollziehen, diese unter Umständen sogar konterkarieren. Das macht eine integrierte IuK-Politik der Städte notwendig, denn bislang dominiert auf dem Feld der Telematik der meisten Kommunen eine "unkoordinierte Vorgehensweise". Es gibt in der Regel keine gezielte, an Leitlinien orientierte Strategie. Die Aktivitäten sind eher zufällig und hängen von dem Engagement Einzelner ab. Die meisten Kommunen befinden sich zur Zeit in einem Orientierungsprozeß. Mit Blick auf das "magische" Liberalisierungsdatum 1998 und vor dem Hintergrund einer sich rasant vollziehenden technischen Entwicklung müssen die Kommunen jedoch bald aktiv werden, wollen sie nicht Gestaltungspotentiale verspielen. Der Workshop "Medien, Kommunikation und Stadtentwicklung", der unter Beteiligung von Stadtentwicklern bzw. Wirtschaftsförderern aus elf deutschen Städten am 18./19. Januar 1996 in Karlsruhe im Rahmen der Workshopreihe "Entscheidungsfelder städtischer Zukunft" stattfand, hat sich vor diesem Hintergrund vor allem mit dem Anwendungsaspekt der IuK-Technik beschäftigt. Die Palette von Maßnahmen, Projekten und Konzepten der IuK-Technik und Informationswirtschaft ist groß. Daher wurde im Workshop herausgearbeitet, welche Handlungsmöglichkeiten sich den Kommunen eröffnen, in welchen Bereichen Entwicklungschancen bestehen, wer relevante Akteure sind und wie kommunale Optionen im Zusammenhang mit übergeordneten Entwicklungen stehen. Aus der Vielzahl städtischer Aktivitäten, die sich im Zuge des Internet-Booms noch erweitern werden, konnten auf dem Workshop nur einige Bereiche vorgestellt und diskutiert werden. Der soeben erschienene Band 5/96 der Difu-Materialien dokumentiert die (z.T. überarbeiteten) Beiträge der Referenten ergänzt um eine Einführung in das Thema. Autoren und Themen des Bandes sind:
Das Difu wird in verschiedenen Projekten das neue kommunale Politikfeld "Medien und Telekommunikation" sowie die mittel- und langfristigen Auswirkungen der IuK-Technik auf die Stadt- und Raumentwicklung untersuchen und den interkommunalen Austausch im Bereich der kommunalen IuK-Aktivitäten unterstützen. Weitere Informationen: Dipl.-Geogr. Holger Floeting |
