Difu-Berichte 3/2008 - Wohnen in der Innenstadt: Neue Lebensstile, neue Wohnformen
Wohnen in der Innenstadt
Neue Lebensstile, neue Wohnformen, neue Herausforderungen an die Städte
Güstrow Baugemeinschaft in Braunschweig |
In einer 2005 veröffentlichten Difu-Studie zum Wohnen in der Innenstadt wurden anhand empirischer Befunde zu zwei innerstädtischen Wohngebieten Thesen zum Wohnen in der Innenstadt entwickelt. Die unter der Überschrift „Wohnen in der Innenstadt – eine Renaissance?“ publizierten Ergebnisse haben eine Vielzahl von Reaktionen hervorgerufen, die von Ablehnung und Skepsis bis zu uneingeschränkter Zustimmung reichen. Der dadurch angestoßene Diskussionsprozess auch infolge eines Difu-Seminars Ende 2005 ermutigte die Forschungsgruppe zu einer Folgestudie, deren Methodik im Vergleich zum Vorgängerprojekt weniger in der Primärerhebung zusätzlicher statistischer Daten als in der Überprüfung der Befunde anhand von Expertenbefragungen bestand. Hierzu wurden Gespräche mit unterschiedlichen Akteuren geführt: Politik und Verwaltung, Wohnungswirtschaft, Investoren, Makler, Mieterschutzvereine und Industrie- und Handelskammern. Die Ergebnisse dieser umfangreichen Folgestudie, die sieben Fallstudienstädte näher untersucht, stellen die Basis des neuen DfK-Heftes dar, in dem Gregor Jekel und Franciska Frölich von Bodelschwingh (Difu) die zentralen Ergebnisse des Projekts vorstellen.
Die Ursachen für die sich abzeichnende verstärkte Nachfrage nach innerstädtischem Wohnraum liegen maßgeblich in den prägenden Prozessen des demographischen Wandels begründet: Schrumpfung, Alterung, Heterogenisierung und Vereinzelung. Dies führt dazu, dass das städtische Wohnen für Bevölkerungsgruppen an Attraktivität gewinnt, die bislang nicht zu den klassischen Innenstadtbewohnern gezählt wurden. Prof. Dr. Walter Siebel (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) legt in seinem Beitrag die veränderten Anforderungen an das Wohnen auf Grund des demographischen Wandels, veränderter Lebensweisen und Arbeitsstrukturen sowie die Auswirkungen auf die Sozialstruktur der Innenstadtbevölkerung dar.
Die wieder entdeckte Attraktivität des innerstädtischen Wohnens geht auch auf die sich wandelnden Wohnpräferenzen bestimmter Lebensstile zurück. Dr. Joachim Scheiner (Universität Dortmund) stellt in seinem Beitrag die Bedeutung von Lebensstilen für Wohnmobilität und Wohnstandortverhalten der Bevölkerung innerstädtischer Wohngebiete vor. Er geht dabei auch auf die Möglichkeiten zur politisch-planerischen Beeinflussung von Wohnstandortentscheidungen durch die Bereitstellung von Wohnstandortinformationen ein.
Dass sich der zunehmende Wunsch nach innerstädtischem Wohnen nicht überall in empirischen Befunden wie steigenden Einwohnerzahlen niederschlägt, hängt im Wesentlichen mit der Angebotsseite zusammen: Entweder steht nicht in ausreichendem Maße Wohnraum zur Verfügung, oder er entspricht nicht den Anforderungen der nachfragenden Nutzergruppen. Offensichtlich entwickeln sich mit den neuen Nutzergruppen auch Wohnwünsche, die von den gängigen Anbietern von Wohnraum nicht abgedeckt werden können. Daher wird im zweiten Abschnitt des Bandes der Blick auf die neuen Wohnformen gelenkt und der Frage nachgegangen, welche Rolle sie in der Innenstadtentwicklung als Ergänzung zu den etablierten Anbietern von Wohnraum spielen können:
Ausgehend von den Herausforderungen des Wohlfahrtsstaates im Zuge von Alterung und Vereinzelung erörtert Dr. Albrecht Göschel (Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. Bundesvereinigung), welche Rolle gemeinschaftliche Wohnformen als Alternativen und Ergänzungen zu staatlichen und familialen Versorgungskonzepten spielen können, welche Motivationen und welche Erwartungen an diese Projekte daraus folgen.
Auch Wohnungsgenossenschaften leisten einen wichtigen Beitrag zur Differenzierung des städtischen Wohnungsangebotes. Obendrein bilden sie neben den öffentlichen Wohnungsunternehmen die tragende Säule sozialer Wohnraumversorgung und liefern mit ihren über die Wohnraumversorgung hinausgehenden Aktivitäten in vielfacher Weise Beiträge zur Stadtentwicklung und zur sozialen Stabilisierung von Quartieren. Das Potenzial von Wohnungsgenossenschaften für die soziale Stadtentwicklung wird daher in einem Beitrag von Dr. Stephan Beetz (Institut für Genossenschaftswesen der Humboldt-Universität zu Berlin) thematisiert.
Als Nutzergruppe innerstädtischen Wohnraums gewinnen Bewohner mit Migrationshintergrund künftig weiter an Bedeutung. Für diese Entwicklung sind Konzepte insbesondere im Umgang mit dem Wohnungsbestand großer Wohnungsunternehmen gefragt. Daher soll auch der Frage nach Steuerungsmöglichkeiten und –erfordernissen nachgegangen werden. Probleme und Lösungsmöglichkeiten einer großen Wohnungsbaugesellschaft im Umgang mit einer sozial und ethnisch heterogenen Bewohnerschaft zeigt Prof. Dilger (Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt GmbH) auf.
Welche Herausforderungen ergeben sich aus den beschriebenen Entwicklungen für die Kommunen? Dieser Frage gehen im dritten Teil des Themenhefts Prof. Dr.-Ing. Klaus J. Beckmann und Gregor Jekel (Difu) nach und legen dabei den Fokus auf Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung des innerstädtischen Wohnens. Wichtige Aspekte sind in diesem Zusammenhang die Sicherung der sozialen Wohnraumversorgung, Unterstützungsmöglichkeiten für die neuen Lebensstile und Wohnformen sowie Strategien, die das Wohnen in der Innenstadt insgesamt stärken.
Weitere Informationen:
Dipl.-Geograph Gregor Jekel Telefon: 030/39001-190 E-Mail: jekel@difu.de
Bestellung: siehe Bestellschein

