Difu-Berichte 3/2008 - Mediennachlese
Difu-intern
… Neuerdings gibt es zahlreiche Anlässe, die Infrastruktur wieder aufmerksamer in den Blick zu nehmen: Etwa weil nach langer Diskussion in Sachen Bahn-Privatisierung der Weg über die Trennung von Verkehr und Schienen-Infrastruktur gegangen werden soll. Oder weil Eon und nun auch RWE ernsthaft erwägen, ihre Hochspannungsnetze zu veräußern. Oder weil das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) nach seiner turnusmäßigen Abschätzung der kommunalen Investitions-Bedarfe gerade gemeldet hat, dass bis 2020 mehr als 704 Mrd. EUR notwendig sind, die in Straßenbau, Schulen und kommunale Abwasserbeseitigungsanlagen investiert werden müssen. Eine gigantische Summe angesichts derzeit knapp 30 Mrd. EUR jährlicher Investitionen durch Kommunen und kommunale Unternehmen. Bereits bei früherer Gelegenheit hatte das Difu auch darauf hingewiesen, dass die Kommunen – selbst oder mit ihren kommunalen Unternehmen – die Hauptlast der Infrastruktur in unserem Land tragen. Also, was ist noch zur Infrastruktur zu sagen, außer dass sie den Kommunen mehr teuer als lieb ist und die Bundeskanzlerin sie als existenziell wichtig bezeichnet. ZfK, 6/08, 2
… Die Stadt wird immer mehr zum Austragungsort eines ökologischen Prinzipienstreits. Sind Städte „nachhaltig“, oder sind sie Ressourcenfresser? Gipfelt in ihnen die Entwicklung der menschlichen Spezies, oder reißen sie die Menschheit rettungslos in den Abgrund? … Das endlose Ausufern der Siedlungen in die Landschaft, der Siedlungsbrei, wird zu einer Bürde, die bei immer weiter abnehmender Bevölkerung das Finanzbudget der Städte, Länder und Staaten überlastet, den Steuerzahler und Mieter überfordert und unmessbaren ökologischen Flurschaden anrichtet. Das Gegenkonzept ist die „Stadt der kurzen Wege“, der Nutzungsmischung, der „Urbanität“, wie sie in der Tat in einigen deutschen Landstrichen neu entsteht. …. Entscheidend ist die Gesamtkonzeption: Nur die kompakte, mobile, urbane Stadt, wie sie das Deutsche Institut für Urbanistik seit zehn Jahren propagiert und wie sie ... von den Bauministern Europas in der Leipziger Charta formuliert worden ist, erscheint in den Verlautbarungen noch als tragfähiges Konzept für die vor den Deutschen liegenden Jahre der Bevölkerungsabnahme. … Es sind die für die Stadtbewohner weitgehend unsichtbaren, ästhetisch belanglosen Versorgungsnetze, in denen sich die Leistungsfähigkeit der Stadt in Zeiten abnehmender Bevölkerung erweisen muss. So gesehen, ist die nachhaltige Stadt nicht vorrangig eine Kulturaufgabe, sehr wohl aber ein ökonomisches, ökologisches und gesellschaftspolitisches Erfordernis. Also Schluss mit „Schlafstädten“, „Bürostädten“, „Gewerbegebieten“. Schluss mit der Fantasterei von der „aufgelockerten Stadt“. Schluss aber auch mit der Konzentration des Einzelhandels in monströsen „Shoppingmalls“ und Einkaufszentren. WamS, 31.8.2008
… Inzwischen kehrt sich die deutsche Nachkriegs-Siedlungsgeschichte aber um. Jenseits eklatanter Verschuldung einzelner Städte wie Berlin spricht derzeit niemand mehr von einer Krise der Städte, was aktuell darauf zurückzuführen ist, dass die Stadtkassen dank sprudelnder Steuerquellen üppig gefüllt sind. Über diese konjunkturbedingte Momentaufnahme hinaus aber prophezeit das Institut für Urbanistik als Sprachrohr der deutschen Städte seit geraumer Zeit eine „Renaissance der Städte“. Diese Wiederbelebung hat drei Gründe: Der erste ist die demografische Entwicklung, … . Der zweite ist, dass in den Speckgürteln immer mehr alte Menschen in Häusern wohnen, die ihnen nach dem Auszug der Kinder in die Stadt zu groß geworden sind. … Der dritte Grund ist unser durch die Ölpreisentwicklung dramatisch verändertes Verhältnis zur Mobilität. … SüdwestPresse, Leitartikel, 13.8.2008
… „Verwaltungsmodernisierung ist eine kontinuierlich fortzuführende Aufgabe, die sich stets am aktuellen gesellschaftlichen und technologischen Wandel ausrichten muss. Schon während der Umsetzung des Senatsprogramms ServiceStadt Berlin ist es daher sinnvoll, kommende Entwicklungen zu antizipieren und die Modernisierung der Berliner Verwaltung entsprechend darauf abzustimmen.“ Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat sich aus diesem Grund dafür entschieden, gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik – Difu – eine Studie über die „künftige Entwicklung kommunaler Serviceangebote in Großstädten und Auswirkungen auf Berlin bis 2016“ zu erarbeiten. … Insgesamt sollen Politik und Verwaltung in Berlin durch die Studie in die Lage versetzt werden, sich frühzeitig auf kommende Entwicklungen einstellen zu können und Trends zu unterstützen beziehungsweise rechtzeitig gegenzusteuern, wo dies angebracht erscheint. ... eGovernment, 18.8.2008
Bauminister Tiefensee (SPD) will verhindern, dass strukturschwache Gebiete in Westdeutschland genauso abrutschen wie viele Regionen in Ostdeutschland. „Auch Städte wie Duisburg, Gelsenkirchen, Bremerhaven oder das ehemalige Zonenrandgebiet in Bayern brauchen Finanzhilfen“, sagte Tiefensee der Zeitung „Die Welt“. „Wir müssen vermeiden, dass sich dort genau die Disparitäten entwickeln, die wir heute im Osten haben.“ … Klaus Beckmann, Direktor des Deutschen Instituts für Urbanistik, hält das ((Zusammenführen der Förderprogramme Ost und West)) schon ab 2010 für sinnvoll. „Das alte Ost-West-Schema sollte die Förderpolitik nicht mehr lange bestimmen.“ Es sei aber richtig gewesen, in der Vergangenheit mehr Geld in den Osten zu pumpen. Die aktuelle Bewertung des Programms sei sehr positiv ausgefallen: Von den insgesamt 350 000 abzureißenden Wohnungen seien 220 000 geschafft. Viertel seien lebenswerter geworden, Städte wie Chemnitz oder Schwedt hätten profitiert. „Das kann auch ein Vorbild für den Westen sein“, sagte Beckmann. Financial Times Deutschland, 9.8.2008
Rund 113 Hektar Freifläche werden zurzeit in Deutschland pro Tag in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Begründet wird dies oft mit dem Argument, dass neue Baugebiete für Gemeinden zusätzliche Einnahmen aus Steuern und dem kommunalen Finanzausgleich bringen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), die vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wurde, kommt zu anderen Ergebnissen: ... dass beim Wohnungsbau die gesamten Folgekosten für innere und äußere Erschließung sowie soziale Infrastruktur höher sein dürften als die zusätzlichen Einnahmen. … „Kommunen sollten sich deshalb auf die Innenentwicklung konzentrieren. Das kann Kosten sparen.“ … Die Difu-Studie bezieht vor allem auch Erfahrungen und Methoden aud den USA ein. Dort gehören Untersuchungen über die fiskalischen Wirkungen von Baulandausweisungen zum Planungsalltag. Für Deutschlan ist dieser Ansatz neu. Als Antwort auf diesem Mangel wird in der Difu-Studie vorgeschlagen, eine solche „fiskalische Wirkungsanalyse“ für alle größeren Bauprojekte vorzuschreiben. Dies könnte Fehlinvestitionen verhindern und gleichzeitig neue Belastungen des Naturhaushalts vermeiden. … In der Studie werden die notwendigen Berechnungsschritte ausführlich beschrieben undanhand von vier Beispielen vorgerechnet. … Bayerische Staatszeitung, 8.8.2008
… Teurer Sprit verdirbt die Freude am Landleben … deshalb kehren Menschen zurück in die Städte. Dieser Kostenfaktor wird von den meisten Menschen bei der Wohnortwahl nicht richtig bedacht, erklärt Stadtforscher Prof. Klaus Beckmann. Dabei wird er immer wichtiger. „Heute haben wir demgegenüber gesteigerte Mobilitätskosten, gucken sie nur in die Benzinkosten“, weiß Prof. Klaus Beckmann vom Deutschen Institut für Urbanistik. Die Menschen reflektierten diese Frage jetzt stärker. „Und zwar die, die vor der Entscheidung stehen: gehst Du nach draußen mit Deinem Wohnstandort oder bleibst Du lieber in der Stadt. Und ich denke, insofern sind wir am Anfang solch eines Trends.“ ARD, Plusminus 5.8.2008
Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) war seit seiner Gründung im Jahr 1973 Teil des vom Deutschen Städtetag und dem Land Berlin getragenen Vereins für Kommunalwissenschaften (VfK). Am 21. Juli 2008 hat die Mitgliederversammlung des VfK beschlossen, das Difu in eine rechtlich eigenständige gemeinnützige GmbH auszugliedern. Am 15. August 2008 erfolgten die erforderlichen Registereintragungen, so dass die Deutsche Institut für Urbanistik GmbH inzwischen rechtswirksam gegründet ist. Der VfK bleibt alleiniger Gesellschafter; die Gemeinnützigkeit ist weiterhin die Grundlage des Handelns des Difu, wie in Berlin erklärt wird. Prof. Dr. Klaus J. Beckmann wird das Institut in seiner neuen Funktion als wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer weiterhin leiten. Immobilien Zeitung, 4.8.2008
Viele junge Familien träumen davon, in der Stadt zu leben. Doch sie finden keinen Wohnraum. Die Citys werden so teuer, dass abgeschottete „Wohlstandsinseln“ drohen. … „Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht ist die Abwanderung von Familien in das Umland nicht erwünscht“, so erklärt es auch eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik ..., und diese sei „von den Familien auch nicht gewollt, sondern zumeist erzwungen“. … Längerfristig sei mit einem „sozialen Umkippen“ innenstadtnaher Quartiere zu rechnen, mahnte das Deutsche Institut für Urbanistik in seiner Studie – und zwar mit einem Umkippen hin zur „Wohlstandsinsel“. … ((Es gelte)) „die Vorstellung vom familienfeindlichen Stadtleben sowohl seitens der Stadtplanung als auch der Wohnungswirtschaft zu korrigieren“, so das Deutsche Institut für Urbanistik, „ein Leitbild des ‚familien- und kindgerechten Wohnens’ für innenstadtnahe Gebiete zu entwickeln“. … DER SPIEGEL, 28.7.2008
