Difu-Berichte 3/2008 - Flächeninanspruchnahme: Wissensaustausch zwischen China, Indien und Deutschland
Wissensaustausch zwischen China, Indien und Deutschland

Strategien zur Verminderung der Flächeninanspruchnahme präsentiert
Neueste Ergebnisse aus der Difu-Forschung präsentierten Dr. Stephanie Bock und Thomas Preuß am 23. Juli 2008 im Rahmen des Workshops „Governing Farmland Conversion in the Quest for Sustainability – Comparing China and Germany“, der gemeinsam vom Fachgebiet Ressourcenökonomie der Humboldt-Universität zu Berlin sowie des College of Land Management der Nanjing Agricultural University im Rahmen eines Forschungsprojekts der Robert-Bosch-Stiftung durchgeführt wurde.
Anhand von Projektbeispielen stellte Stephanie Bock verschiedene im BMBF-Förderprogramm „REFINA“ entwickelte Strategien zur Verminderung der Flächeninanspruchnahme auf kommunaler und regionaler Ebene vor. Thomas Preuß präsentierte die im ExWoSt-Vorhaben „Fläche im Kreis“ getesteten instrumentellen Ansätze einer stadt-regionalen Flächenkreislaufwirtschaft und führte in den rechtlichen Rahmen für Flächennutzung und Bodenschutz in Deutschland ein.
In intensiven Diskussionen betrachteten die Wissenschaftler aus China, Deutschland und Indien die in Deutschland und China jeweils in der Landnutzungs- und Flächennutzungsplanung zu Grunde liegenden Rahmenbedingungen und Entscheidungsstrukturen, Aspekte der Bürgerbeteiligung, Ansätze des Ausgleichs für die Flächeninanspruchnahme sowie Möglichkeiten der Quotierung von Flächenverbrauchsmengen. Neben dem Difu und der gastgebenden Humboldt-Universität waren von deutscher Seite das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V., Müncheberg, sowie das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung e.V. (IRS), Erkner sowie von indischer Seite die University of Agricultural Sciences, Bangalore, beteiligt.
Als wesentliche Unterschiede zwischen den Ländern wurden der planerisch-administrative Top-Down-Ansatz in China und die kommunale Selbstverwaltung in Belangen der Flächennutzung in Deutschland identifiziert. Während in China die Begrenzung der Flächeninanspruchnahme für die langfristige Gewährleistung der Nahrungsmittelversorgung als notwendig erachtet wird, stehen in Deutschland eher Aspekte des Erhalts städtebaulicher Funktionen und Qualitäten sowie der langfristigen Effizienz von Infrastrukturen im Vordergrund. In China konzentriert sich die Siedlungsentwicklung auf Millionenstädte und ihre Agglomerationen, in Deutschland vollzog sie sich dagegen vorrangig an den Rändern der Städte bzw. in den nichtzentralen Orten.
Gemeinsam ist beiden Ländern, dass noch keine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Flächenverbrauch erreicht wurde und in beiden Ländern gesetzte nationale Ziele für die Begrenzung der Flächeninanspruchnahme kaum erreichbar erscheinen. Verantwortlich hierfür sind nach Einschätzung der am Workshop beteiligten Experten vorrangig Anreize für die Ausweisung von Siedlungsflächen, mangelnde finanzielle Anreize für einen sparsamen Umgang mit Boden und das daraus resultierende Verhalten der am Flächengeschehen beteiligten Akteure. Auf großes Interesse bei den chinesischen Gesprächspartnern trafen die in Deutschland praktizierten Ansätze der interkommunalen Kooperation, der Bürgerbeteiligung und Kommunikation sowie methodische Ansätze des Flächenmonitorings und der empirischen Sozialforschung, unter anderem der Planspielansatz.
Weitere Informationen:
Dr. rer. pol. Stephanie Bock
Telefon: 030/39001-189
E-Mail:
bock@difu.de
Dipl.-Agrar-Ing. Thomas Preuß
Telefon: 030/39001-265
E-Mail:
preuss@difu.de
