Difu-Berichte 3/2007 - Verbesserung der Lebensqualitäten in städtischen Hafengebieten

B-SURE – Ein transnationales Projekt

Das Interreg III-Projekt B-SURE („Building on Small Scale Regeneration of Urban Heritage along RivErs and Canals“) wurde ins Leben gerufen, um länderübergreifend Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität in städtischen Hafengebieten herauszuarbeiten und zu erproben. Es ging darum herauszufinden, wie kleine Investitionen – im Projekt werden sie als „Pin Point Investments (PPI) – Nadelstichinvestitionen“ bezeichnet – gezielt eingesetzt werden können, um die Aufenthaltsqualität öffentlicher Räume an Flüssen und Kanälen zu verbessern und damit weitere Aufwertungsprozesse zu initiieren.

Räumliche Elemente wie Wasser und kulturelles Erbe spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Identitätsbildung solcher Orte und bildeten daher einen inhaltlichen Schwerpunkt des Projekts. Umfassende lokale Beteiligungsverfahren stellten zudem sicher, dass die Wünsche und Anforderungen der Bevölkerung berücksichtigt wurden. Beteiligt waren neben dem Port of Rotterdam als „Leadpartner“ die Städte Aalborg (DK), Colchester (UK), Bremen (D), Emden (D), Hamburg (D), Rotterdam (NL), Vlaardingen (NL) sowie die Forschungsinstitute Difu (D), CABE (UK) und SEV (NL). B-Sure wurde außerdem von Studierenden der Universität Utrecht begleitet. Das 2004 begonnene Projekt wurde im April dieses Jahres mit einer abschließenden Fachkonferenz beendet.

Besondere Berücksichtigung fanden bei der Projektarbeit lokale bauliche Investitionen sowie internationale Kooperation und fachlicher Austausch. Die Investitionsmaßnahmen bildeten den Erfahrungshintergrund, vor dem übergeordnete Fragen wie die nach den optimalen PPI-Strategien, den mit PPI verbundenen neuen Möglichkeiten einer integrierten Stadtentwicklung(spolitik) sowie die nach angemessenen und erfolgreichen Beteiligungsverfahren für derartige Projekte beantwortet werden sollten.

Partnermeeting in Colchester

Uferboulevard, Rotterdam-Schiemond

Transnationale Kooperation ist ein wesentlicher Bestandteil des Interreg-Programms. Daher bot B-SURE ein interessantes Forum zur Diskussion über Planung und Politikentscheidungen – gerade vor dem Hintergrund der verschiedenen übergeordneten Politiken auf nationaler Ebene sowie den unterschiedlichen lokalen Erfahrungshintergründen in Stadterneuerungsprozessen und Partizipation. Trotz der Unterschiede zwischen den nationalen Planungskulturen gab es in BSURE gemeinsame Ansätze auf lokaler Ebene, die im Rahmen des Projekts diskutiert und evaluiert wurden. Von den städtischen Projektpartnern wurde insbesondere auch die Kooperation mit den drei nationalen „Think Tanks“ CABE (UK), Difu (D) und SEV (NL) als sehr fruchtbringend geschätzt. Sie ermöglichte es den Projektpartnern, ihr Handeln und die lokalen Projekte vor einem größeren Hintergrund zu reflektieren sowie die Frage nach der Rolle und Ausgestaltung von PPI-Projekten besser zu beantworten. Umgekehrt konnten auch die Institute Erkenntnisse aus den Projekten ziehen und dauerhafte Kontaktstrukturen aufbauen.


Projekt Fußabdrücke am Trecktief, Emden-Barenburg

Für die Projektarbeit war vor allem die Vielfalt der lokalen Ansätze an den einzelnen Projektstandorten interessant, z.B.: Investitionen und Aktivitäten unterschiedlichen Umfangs, ausgeprägte oder weniger intensive Beteiligung, Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen, Schwerpunktsetzung auf baulichen Maßnahmen oder auf nicht-investiven Projekten und Aktivitäten. In den meisten Projekten waren die PPI dabei Teil einer umfassenderen Revitalisierungsstrategie für den gesamten Stadtteil oder die Nachbarschaft.

So wurde im Bremer Stadtteil Woltmershausen, einem traditionellen Wohnstandort für Hafenarbeiter an der Weser, der den Zugang zum Fluss aber verloren hat, im Rahmen des B-SURE-Projekts vor allem die Erneuerung einer bislang unattraktiven und wenig genutzten 5,5 ha großen Grünfläche am Woltmershauser Westerdeich umgesetzt. Primäres Ziel war es, diese Fläche zu regenerieren und – eingebunden in das städtebauliche Leitbild der „Stadt am Fluss“ – einen attraktiven Naherholungsplatz zu schaffen.

Im Emder Stadtteil Barenburg, einem Stadtteil mit vielen sozialen und städtebaulichen Problemen sowie einem anhaltenden starken Bevölkerungsschwund, zielte das Projekt darauf ab, die Bewohner im Stadtteil zu halten und eine Imageverbesserung zu erreichen. Vier Projektstandorte wurden hierfür ausgewählt: der Trecktief-Kanal, eine ursprünglich geplante Brücke, ein ehemaliger Bunker als Kulturzentrum sowie eine stillgelegte Kasernenfläche.

Ziel des B-Sure-Projekts in einem benachteiligten Quartier in Hamburg-Wilhelmsburg war die Umgestaltung der Grünflächen entlang des Veringkanals, einem ehemaligen Industriekanal mit vielen angelagerten Brachflächen. Durch Anlage von Park- und Grünflächen sowie Wasser begleitenden Wegen konnte der Kanal wieder erlebbar gemacht werden.

In der englischen Hafenstadt Colchester (North Essex) lag das Projektgebiet im seit 2001 geschlossenen Hafen, in dessen Umfeld seitdem immer mehr Flächen brachfallen. Ziel war es, den Uferbereich im Rahmen der beabsichtigten Gesamtsanierung attraktiver zu gestalten, um einen Naherholungsraum direkt am Wasser zu schaffen.

Rotterdam-Schiemond (Niederlande) ist ein multikulturelles Wohnquartier am Rande von Rotterdam in einer sehr isolierten räumlichen Lage, umgeben von Wasser, Schwerindustrien sowie verkehrsreichen Straßen. Im Rahmen des Projekts wurden in diesem benachteiligten Stadtteil die Uferzone aufgewertet und Möglichkeiten für Freizeit und Erholung geschaffen.

In der kleinen niederländischen Hafenstadt Vlaardingen wurde unter anderem versucht, den schleichenden Niedergang der zentralen Einkaufsstraße zu stoppen und die Attraktivität der historischen Verknüpfungen zwischen Hafen und Einkaufsbereich wieder zu verbessern. Hierzu gehörte auch der Bau eines neuen Anlegers für historische sowie Freizeitschiffe, um mehr Besucher anzuziehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die erprobten Maßnahmen in benachteiligten Stadtteilen erfolgreich sein können und wirksame Impulse für die Aufwertung solcher Quartiere auslösen. Sehr erfolgreich war auch die transnationale Kooperation zwischen den Projekt- und Forschungspartnern. Sie eröffnete einen Einblick in die Planungskulturen anderer Länder, die Wahrnehmung der Unterschiede in den Problemlösungswegen, erweiterte die Fachkompetenz der Partner und kam daher auch den jeweiligen eigenen Projekten zugute.

Fotos: Wolf-Christian Strauss
Hintergrundfoto: Hoogstraat, Vlaardingen

Weitere Informationen:

Dipl.-Ing. Wolf-Christian Strauss
Telefon: 030/39001-296
E-Mail:
strauss@difu.de

Projektinfos im Internet:
www.b-sure-interreg.net/