Difu-Berichte 3/2007 - Cluster in der Wirtschaftsförderung – vom Marketingbegriff zum Prozessmanagement

Cluster in der Wirtschaftsförderung - vom Marketingbegriff zum Prozessmanagement

Kompetenzfeldorientierte Konzepte wie Netzwerke und Cluster spielen in der Wirtschaftsförderung bereits seit längerer Zeit eine wichtige Rolle. Auch in der Presse wird über die Bedeutung von Netzwerken und Clustern für die Regionalentwicklung verstärkt berichtet. Dabei wird das Beispiel Silicon Valley oft als Vorbild beschrieben und beklagt, dass man den Begriff Cluster unkritisch übernimmt und auf sehr unterschiedliche Strukturen überträgt, die kaum miteinander vergleichbar sind. Diskutiert werden die Voraussetzungen für die Entwicklung von Clustern (etwa die Vernetzung von Wirtschaft und Forschung) und – in jüngerer Zeit – auch die Instrumente zur Weiterentwicklung von Netzwerken und Clustern (Konzepte, Pläne, Management). Dies geschieht nicht zuletzt aus der Erkenntnis heraus, dass die Identifizierung der immer ähnlicher anmutenden technologieorientierten Cluster („Mikro“, Nano“, „Bio“, „IT“ usw.) allein nicht ausreicht, um erfolgreich zu sein. Netzwerke und Cluster sind keine statischen Gebilde, sie unterliegen Veränderungsprozessen, die gestaltet werden müssen.

Städtische Cluster- und Netzwerkpolitik kann an unterschiedlichen Ebenen unterstützt werden: Zunächst muss die notwendige Cluster-/Netzwerkdichte hergestellt werden. Dies kann durch den Aufbau einer Cluster bezogenen Dienstleistungsinfrastruktur unterstützt werden. Die Schaffung von Netzwerken zwischen Unternehmen und anderen Akteuren dient der Etablierung eines ClusterNetzwerkdialogs. Im Zuge der Cluster-/Netzwerkentwicklung gilt es, Schwachstellen im Cluster/Netzwerk auszugleichen. Schließlich geht es um die Entwicklung einer Cluster-Marke („Brand“) durch eine Differenzierung des Standortmarketing.

Das Deutsche Institut für Urbanistik hat diese unterschiedlichen Bausteine einer städtischen Clusterpolitik aufgegriffen und in einem Seminar, das im Juni 2007 in Berlin stattfand, behandelt. Das Difu wurde dabei von in Theorie und Praxis erfahrenen Referenten unterstützt. Das Seminar machte deutlich, dass sich mittlerweile eine Vielfalt von lokalen und regionalen Cluster- und Netzwerkinitiativen entwickelt hat, die sich im Ansatz, in Finanzierung, räumlichem Zuschnitt, Kooperationsformen usw. erheblich unterscheiden. Clusterinitiativen sind keine „Schönwetter-Veranstaltungen“ für Kommunen, die „sonst schon alles haben“. Sie sind häufig als Reaktion auf den ökonomischen Strukturwandel, krisenhafte Entwicklungen oder Strukturbrüche entstanden und stellen eine wichtige Funktion im Rahmen der strategischen Neuaufstellung von Städten und Regionen dar. Bei der Entwicklung lokaler und regionaler Clusterinitiativen steht die kommunale und regionale Wirtschaftsförderung immer „im Spagat“ zwischen Unternehmensnutzen und regionalpolitischem Nutzen. Die dabei verfolgten Konzepte entwickeln sich hin zu einer fortschreitenden thematischen Spezialisierung und der Erschließung neuer Themenfelder. Bei den Vernetzungsaktivitäten gilt es, einen Weg zu finden zwischen Koordination und Konkurrenz der beteiligten Akteure. Der Erfolg von Clustern und Netzwerken hängt entscheidend vom Engagement der Akteure und der Entwicklung einer vertrauensvollen Kommunikationskultur ab. Netzwerkmanagement- Maßnahmen sollten sich auch auf die Stärkung dieser Vertrauensbildung ausrichten. Erfolgreiche Cluster setzen auf eine Mischung aus ehrgeizigen Zielen und schnellen Teilerfolgen. In der jetzigen Phase geht es in vielen Clustern und Netzwerken um eine Professionalisierung der Entwicklung. Netzwerke sind dynamische Gebilde, für deren Steuerung Instrumente benötigt werden. Da Netzwerke vom freiwilligen Engagement der Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik leben, kann es sich dabei nicht um Steuerung im strengen Sinne handeln. Das Netzwerkmanagement benötigt für ein besseres Management harte wie weiche Informationen. Zu den Aufgaben des Netzwerkmanagements gehört es auch, über Erfolge des Netzwerks zu reden (Marketing), nicht zuletzt, um gegenüber der Kommunalpolitik um Akzeptanz zu werben.

Das Deutsche Institut für Urbanistik verfolgt das Thema Cluster/Netzwerke in der Wirtschaftsförderung weiter: Geplant ist u.a. eine Publikation zu den Grundlagen der Entwicklung von Cluster- und Netzwerkinitiativen, deren konzeptionellen Ansätzen, guten Beispielen und Werkzeugen zur Analyse und zum Management.

Einem besonderen Aspekt der regionalen Netzwerkentwicklung widmet sich auch die Abschlusskonferenz des vom Difu koordinierten EU-Projekts RICARDA, die am 15. November 2007 im Ernst-Reuter-Haus in Berlin stattfindet.

Beim Projekt RICARDA geht es um die Wissensbilanzierung regionaler Innovationsnetzwerke. Die Konferenz steht unter dem Titel „Developing regional cluster-initiatives – intellectual capital reporting as a new tool for cluster managers and policy makers“. Experten und Praktiker aus Österreich, Schweden, Ungarn, Deutschland und von der Europäischen Kommission diskutieren die Chancen und Grenzen des Instruments „Wissensbilanz“ für die Entwicklung regionaler Clusterinitiativen.

Interessenten der Difu-Zuwenderstädte steht ein ausführlicher Seminarbericht von der Juni-Veranstaltung im Difu-Extranet zur Verfügung unter
www.difu.de/node/5661

Weitere Informationen:

Dipl.-Geogr. Holger Floeting
Telefon: 030/39001-221
E-Mail:
floeting@difu.de

Dipl.-Verw.Wiss. Daniel Zwicker-Schwarm
Telefon: 030/39001-154
E-Mail:
zwicker-schwarm@difu.de

www.ricarda-project.org