Difu-Berichte 3/2006 - Für eine Stadtpolitik in Deutschland
Gibt es in Deutschland eine Stadtpolitik?
- Nirgendwo in der Welt ist die städtische Lebensform so prägend wie in Deutschland und Europa.
- 80 Prozent der Deutschen leben in städtischen Räumen.
- Und hier dominiert das Leben in den Mittel- und Kleinstädten.
- Aber warum gibt es in Deutschland trotzdem keine Stadtpolitik?
- Wir haben Landwirtschaftsminister oder Minister für den ländlichen Raum, aber keine Stadtminister.
- Weil unsere Gesellschaft lieber die Fachbereiche - Landwirtschaft, Betriebe, Energie, Wohnungswesen, Städtebauförderung usw. - politisch begleitet und fördert?
- Statt städtische Strukturen, die doch unser zentraler Lebensraum sind.

Das ist bei vielen unserer Nachbarn anders!
- Frankreich - Niederlande - und eine nationale Städtepolitik gibt es auch in Großbritannien - oder in den skandinavischen Staaten.
- Selbst bei der EU - in der Strukturpolitik und in der Umweltpolitik.
- Und sogar die föderale Schweiz hat eine schweizerische "Agglomerationspolitik."
Warum eine nationale Stadtpolitik?
- Die Programmanforderungen werden immer komplexer.
- Die öffentliche Hand fördert nach wie vor primär nach sektoralen Zielen - "Ressortprinzip".
- Nach Problemlagen (Soziales, Wohnungsversorgung, öffentliche Infrastruktur, Wirtschaftszweige) - so wie seit dem 19. Jahrhundert.
- Und das muss über die Ressortgrenzen hinweg gedacht und gebündelt werden.
- Die komplexen Probleme des Bevölkerungsrückgangs, des Strukturumbruchs und der sozialen Brennpunkte verlangen andere Programmstrukturen.
- Sie müssen komplex sein, sie müssen sich sehr unterschiedlichen Zielen anpassen, sie müssen problemorientiert und nicht ressortorientiert sein.
- Sie müssen offen sein für gesellschaftliche oder privatwirtschaftliche Partner.
- Stadtumbau als die größte Herausforderung der Zukunft kann nur bei einem fach- und ressortübergreifenden Ansatz erfolgreich sein.
- Die knappen Ressourcen bündeln und Treffsicherheit anstreben.
Und man muss Schwerpunkte setzen
- Die Gießkanne ist politisch bequem.
- Aber sie verschärft letztlich nur die Strukturprobleme, aber sie löst sie nicht im Kern.
- Nach wie vor ist das Problem in der Stadtpolitik vielfach gar nicht der Mangel an öffentlichen Finanzhilfen.
- Sondern ihr gezielter, also intelligenter und ökonomischer Einsatz.
- Bündelung der Mittel ist die Aufgabe.
Eine neue Stadtpolitik
- Für die großen, die mittleren und die kleineren Städte.
- Leitbilder fördern.
- Wettbewerb der Städte und Regionen fördern.
- Historisches Erbe als bleibende Orientierung.
- Formulierung der staatlichen Ziele für die Entwicklung des deutschen Städtesystems.
- Und für die Stadt der Zukunft.
Quelle:
"Diskurs kommunal 2006. Der Stadt Bestes finden. Wer rettet unsere Städte jetzt?" Stellungnahmen aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden Hrsg. v. Henning Walcha 2006, Konrad-Adenauer- Stiftung e.V. ISBN 3-937731-87-3 Prof. Dr. Michael Krautzberger Ministerialdirektor a. D. E-Mail: mk@krautzberger-online.de http://www.krautzbergeronline.de/
