Difu-Berichte 3/2005 - Städte und Denkmalschutz in Deutschland

Wasserturm Finow Angesichts des Veränderungsdrucks durch die Globalisierung und den Strukturwandel sowie der schwierigen Finanzsituation der öffentlichen Haushalte stehen Denkmalschutz und Denkmalpflege vor neuen Herausforderungen. Eine breite öffentliche Akzeptanz ist die Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit dieses Politikfelds.

Während die einen auf ein gestiegenes Denkmalinteresse verweisen, konstatieren die anderen gravierende aktuelle Probleme: die nach der Wiedervereinigung erhöhten Anstrengungen bei der Erhaltung von Bauund Bodendenkmälern, die stagnierenden oder sinkenden Denkmalfördermittel von Bund, Ländern und Kommunen, die notwendige Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit sowie die reduzierten Handlungsmöglichkeiten der Denkmalämter. Angesichts des öffentlichen Diskurses zu Denkmalschutz und -pflege müssen Städte und Gemeinden ihren Standort und damit auch ihre Aktivitäten, Instrumente und Maßnahmen überdenken.

Bereits 1985 evaluierte das Difu - unterstützt durch den Deutschen Städtetag und den Städte- und Gemeindebund Nordrhein- Westfalen - denkmalpflegerische Maßnahmen der Kommunen. Dieser empirischen Studie folgten keine weiteren Untersuchungen. Nach nunmehr 20 Jahren ist eine erneute Evaluierung der Leistungen der Kommunen in der Denkmalpflege angebracht.

Die neue Erhebung soll herausfinden, ob sich die kommunale Denkmalpflege (hinsichtlich Organisation, Personal, Aufgaben, finanzieller Leistungen, Kooperation mit anderen Denkmalverwaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, Unterstützung durch Stiftungen und Vereine, Instrumente und denkmalpflegerischer Maßnahmen) gewandelt hat und welche Konsequenzen und Folgerungen sich aus der erneuten Bestandsaufnahme der Strategien, Maßnahmen und Aktivitäten im Jahre 2005 für die Abgrenzung der Aufgaben von Staat und Kommunen in diesem Bereich und für kommunale Denkmalpflege und Kommunalpolitik generell ergeben.

Im Vordergrund stehen dabei:

  • organisatorische Einbindung (Bau- und Bodendenkmalpflege),
  • Personal,
  • technische Ausstattung,
  • Aufgabenwahrnehmung in Denkmalschutz und Denkmalpflege (Unterschutzstellung: Denkmäler, Denkmalbereiche/ Ensembles, Bodendenkmäler/Fundstellen; Verwaltungsverfahren),
  • Fortbildung,
  • Mittel für die Denkmalförderung,
  • Service- und Dienstleistung,
  • Zusammenarbeit mit anderen Denkmalverwaltungen,
  • Denkmalvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit sowie
  • Denkmalverwaltung und Bürgergesellschaft (ehrenamtliche Beauftragte und Mitarbeiter, örtliche Stiftungen, Unterstützung durch Vereine und Mäzene).

Von Interesse sind auch Angaben zum Bestand der Baudenkmäler (Alter, Lage des Baubestandes, Probleme der Erhaltung und Nutzung).

Die Untersuchung soll dazu beitragen, einen Überblick über Stand und Standard der Denkmalpflege in den Städten und Gemeinden zu geben sowie die Effizienz der denkmalpflegerischen Aktivitäten in den Kommunen zu steigern. Auch sollen Nutzen und Gewinn kommunaler Denkmalpflege für die Erhaltung der historischen Bausubstanz und Grundstruktur Entscheidungsträgern in den Kommunen, Ländern und dem Bund nahe gebracht werden. Die Ergebnisse des Projekts vermitteln den Städten Grundlagen, Leitlinien und Orientierung in der Diskussion um Denkmalschutz und -pflege.

Methodische Bausteine

Mit Hilfe einer standardisierten schriftlichen Befragung aller Unteren Denkmalbehörden in NRW und einer Befragung der Unteren Denkmalbehörden in kreisfreien und kreisangehörigen Städten in den anderen Bundesländern werden quantitative Angaben zur Situation der Denkmalpflege in den Kommunen eruiert. Aus den Experteninterviews in den Städten und Landesämtern für Denkmalpflege sollen qualitative Aussagen im Hinblick auf Einstellungen und Bewertungen gewonnen und die Ergebnisse der Umfragen erhärtet werden.

Die Untersuchung wird im September 2005 gestartet und im Frühjahr 2007 abgeschlossen. Fördermittel für das Projekt sind willkommen.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Soz. Claus-Peter Echter
Telefon: 0221/340308-11
E-Mail: echter@difu.de