Difu-Berichte 3/2005 - Reduzierung des Feinstaubs in den Städten

Feinstaubreduzierung in Städten

Difu startet neues Forschungsprojekt

Auspuff und Abgase

Die seit Anfang 2005 gültigen EU-Luftqualitätswerte für Feinstaub stellen erhebliche Anforderungen an die Luftreinhaltung in den Städten. Der Autoverkehr ist in besonderem Maße Verursacher dieser Belastungen. Auch wenn die Reduzierung von Luftschadstoffemissionen zunächst an der Quelle, der Fahrzeugtechnik ansetzen muss, bleibt für die Kommunen ein erheblicher Handlungsbedarf. Wie aktuelle Erhebungen zur Mobilität in Deutschland zeigen, ist der Zuwachs des motorisierten Individualverkehrs unverändert hoch, trotz erheblicher Investitionen in den ÖPNV. Dabei verursachen an vielen Orten Lastkraftwagen den Großteil der Luftverschmutzung: in Berlin beispielsweise zwei Drittel.

Aus Sicht der Umweltpolitik sind weitere und wirksame verkehrspolitische Steuerungsinstrumente erforderlich. Konkret geht es um Verkehrssperrungen, Zugangsbeschränkungen zu den Innenstädten, LKWFührungskonzepte, die Förderung des ÖPNV und - langfristig - um eine andere Standortplanung. Dabei wird jeweils nachzuweisen sein, durch welche Maßnahmen eine Verbesserung der städtischen Luftbelastung wirklich zu erreichen ist. Kontraproduktive Effekte einseitiger, nur auf Luftreinhaltungsziele optimierter Konzepte - zum Beispiel nur auf die Lärmbelastung - sind zu vermeiden. Auch Fragen nach den Nebenwirkungen auf den innerstädtischen Einzelhandel oder der Tauglichkeit vorgeschlagener Konzepte vor dem Hintergrund interkommunaler Konkurrenz muss nachgegangen werden.

In einem Pilotprojekt soll der aktuelle Forschungsstand zur Reduzierung der durch Kfz-Verkehr verursachten Luftbelastung aufgearbeitet werden. Mögliche Themen sind dabei Maßnahmen zur Steuerung der Verkehrsnachfrage und die Grenzen einer extensiven Anwendung kommunaler verkehrspolitischer Maßnahmen. Dabei sollen neben der Einschätzung möglicher Umweltwirkungen besonders auch die Einsatzbereiche und die Tauglichkeit solcher Maßnahmen für unterschiedliche räumliche Situationen (Solitärstadt, dezentrale Regionalstruktur, Innenstadt, Hot-Spots mit unterschiedlichem städtischem Umfeld) beachtet werden. Wegen der sich immer weiter ausdifferenzierenden Verkehrsnachfrage wird die Wirkung von Preisen auf das Verkehrsaufkommen ein besonderer Untersuchungsschwerpunkt sein.

Folgende Untersuchungsschwerpunkte sind geplant:

  • Bildung von Typen der Luftbelastungssituation: LKW-dominant, Dominanz bestimmter Stadtgebiete, Straßenabschnitte, flächendeckende Belastung (Basis: Sekundäranalyse von kommunalen Luftreinhalteplänen).
  • Bildung von Stadttypen nach der Lage: Solitär mit hoher Zentralität, mehrpolige Regionalstruktur.
  • Bildung von Nachfragegruppen von Verkehrsleistungen, für die aufgrund der Luftbelastungen besonderer Handlungsbedarf besteht.
  • Einschätzung der Praktikabilität, Durchsetzbarkeit und der rechtlichen Risiken ausgewählter Maßnahmen der Verkehrssteuerung für Ziele der Luftreinhaltung.
  • Zusammenstellung von Pro- und Contra- Argumenten ausgewählter verkehrssteuernder Maßnahmebereiche aus unterschiedlicher fachpolitischer Sicht.

Parallel zur Erarbeitung der Difu-Pilotstudie werden Experteninterviews in Städten mit hohem Handlungsdruck oder mit Best-Practise durchgeführt.

Vom 8. bis 10. Mai 2006 soll auf der Basis der Projektergebnisse ein Difu-Seminar "Feinstaub in der Stadt. Was taugen verkehrspolitische Steuerungsinstrumente?" angeboten werden.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Ing. Michael Lehmbrock
Telefon: 030/39001-252
E-Mail:
lehmbrock@difu.de