Difu-Berichte 3/2001 - Handbuch Umweltcontrolling für die öffentliche Hand

Die öffentliche Hand kann erheblich mehr für den Umweltschutz tun

 

Behörden und andere öffentliche Einrichtungen haben noch lange nicht ihre Möglichkeiten hinsichtlich des Umweltschutzes ausgeschöpft. Beispiel Energiesparen: 5-6 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs gehen auf das Konto öffentlicher Einrichtungen. Allein die Kommunen haben jährliche Energiekosten von 5 Milliarden DM zu tragen. Ähnlich beim Wasser: Rund 7 Prozent der Wasserlieferungen aus dem öffentlichen Netz gehen an öffentliche Einrichtungen, die Gesamtkosten des Wasserverbrauchs der öffentlichen Hand werden auf 2,7 Milliarden DM geschätzt. Auf den öffentlichen Sektor entfällt zudem mit knapp 19 Prozent ein bedeutender Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Allein das Auftragsvolumen des öffentlichen Beschaffungswesens beträgt im Jahr etwa 200 Milliarden DM.

Darüber hinaus haben die Produkte und Dienstleistungen der öffentlichen Hand zum Teil erhebliche indirekte Umweltwirkungen. Staatliche Entscheidungen beeinflussen maßgeblich umweltrelevante Handlungen in der Gesellschaft: So hat die öffentliche Verwaltung mit den Instrumenten der Flächennutzungs- und Bebauungsplanung einen erheblichen Einfluss auf Siedlungsdichte, Flächenverbrauch und Verkehrsströme, der gezielt unter Umweltaspekten genutzt werden kann. Gleiches gilt etwa für die Wirtschaftsförderung, wenn Umweltschutzgesichtspunkte bei der Festlegung von Förderrichtlinien berücksichtigt werden.

Umweltmanagement und Umweltcontrolling als Schlüssel für umweltgerechtes und kosteneffizientes Handeln Umweltcontrolling und Umweltmanagement können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die öffentliche Hand ihrer Verantwortung für eine am Leitbild der Nachhaltigkeit orientierte Wirtschaftsweise gerecht wird. Mit Hilfe dieser Instrumente lassen sich die Umwelteinwirkungen des Verwaltungshandelns systematisch erfassen und durch organisatorische oder investive Maßnahmen verringern. Umweltmanagement und Umweltcontrolling ermöglichen es, eine konsequente Umweltorientierung im täglichen Verwaltungshandeln effektiv und eigenverantwortlich umzusetzen.

Mit der Einführung eines Umweltcontrollings werden die wesentlichen Prinzipien moderner Verwaltungsführung und -organisation genutzt, um konkrete Umweltschutzziele zu erreichen. Das Umweltcontrolling unterstützt daher die Ziele des von der Bundesregierung eingeleiteten Programms zur Verwaltungsmodernisierung.

Denn dieses sieht vor, die Effizienz und Dienstleistungsorientierung der Verwaltung durch die Einführung von Elementen modernen Managements sowie durch betriebswirtschaftliche Instrumente, wie Controlling oder Kosten- und Leistungsrechnung, zu steigern.

Der Deutsche Bundestag forderte vor diesem Hintergrund im April 2000 die Bundesregierung auf,

  1. in allen Bundesbehörden und Liegenschaften ein Umweltcontrolling mit dem Ziel des Umweltschutzes und der Kostenreduzierung einzuführen,
  2. zu prüfen, wie im Rahmen der Flexiblisierung der Haushaltsführung und innerhalb der vorhandenen Personalkapazitäten ökonomische Anreize zu mehr Umweltschutz in den Bundesbehörden geschaffen werden können, wobei zum Beispiel die Einführung des Umweltcontrollings bei der Planung und Verteilung von Haushaltsmitteln genutzt werden kann,
  3. zu vereinbaren, dass in allen größeren Liegenschaften und Organisationseinheiten ein Umweltmanagementsystem nach EMAS II und/oder ISO 14001 eingeführt wird,
  4. im Rahmen des Beschaffungswesens umweltverträglich erzeugte Produkte und Dienstleistungen bevorzugt zu berücksichtigen; Einsparungen sollen teilweise für den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien verwendet werden. Dieser Beschluss (BT-Drucksache 14/ 2907) ist im Hinblick auf das Ziel einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung wegweisend. Er sollte nicht nur auf Bundesebene, sondern im gesamten öffentlichen Sektor möglichst bald in die Praxis umgesetzt werden.

Ziel, Nutzen und Inhalt des Handbuchs im Überblick Umweltcontrolling ist ein Konzept zur Einbindung des Umweltschutzes in den betrieblichen Ablauf, das in der gewerblichen Wirtschaft schon seit einigen Jahren erfolgreich praktiziert wird. Mit dem Handbuch Umweltcontrolling für die öffentliche Hand, das federführend vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Berlin, dem Deutschen Institut für Urbanistik und der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften, Speyer, im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts erstellt wurde, liegt erstmals ein Werk vor, das umfassend und praxisorientiert darüber informiert, wie dieses erfolgreiche Instrument auch im öffentlichen Sektor erfolgreich eingeführt und angewendet werden kann.

Das Handbuch wendet sich an alle öffentlichen Einrichtungen in Deutschland. Angesprochen werden sollen nicht nur alle öffentlichen Verwaltungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, sondern auch die Betreiber von Universitäten, Krankenhäusern und sonstigen öffentlichen Einrichtungen. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des öffentlichen Dienstes sollen zum Umweltschutz motiviert werden. Denn ihre Bereitschaft, Umweltschutzgesichtpunkte in den normalen Verwaltungsalltag zu integrieren, ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg.

Im Handbuch werden zunächst die vielfältigen Nutzen eines Umweltcontrollings, die Schnittstellen zum Verwaltungscontrolling sowie zum Umweltmanagement beschrieben. Anschließend wird anhand einer Fülle konkreter Beispiele gezeigt, wie Umweltcontrolling zur Beeinflussung der direkten Umwelteinwirkungen in folgenden Handlungsfeldern eingesetzt werden kann:

  • Umweltfreundliche Beschaffung
  • Bewirtschaftung von Gebäude und Liegenschaften
  • Energie
  • Wasser
  • Abfall
  • Mobilität
  • Gefahrstoffe

Auch die indirekten Umwelteinwirkungen durch Produkte und Dienstleistungen der öffentlichen Hand werden thematisiert. Daneben schildert das Handbuch, wie Umweltschutzgesichtspunkte beim so genannten Beteiligungscontrolling integriert werden können, um eine umweltorientierte Steuerung auch der Unternehmen zu erreichen, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist. Die Einbeziehung der indirekten Umwelteinwirkungen in ein Umweltcontrollingsystem steht allerdings noch ganz am Anfang. Die Ansätze in der Praxis sind noch recht unterschiedlich. Die neue EG-Umweltaudit-Verordnung macht hier jedoch deutliche Vorgaben: Planungsund Verwaltungsentscheidungen müssen im Rahmen des Umweltmanagementsystems berücksichtigt werden.

Obwohl die Einführung von Umweltcontrolling in die öffentliche Verwaltung in Deutschland noch überwiegend Neuland ist, gibt es dennoch schon Behörden – insbesondere der Länder und Kommunen – die bereits Controllingmaßnahmen umgesetzt haben. Bei der Erstellung des Handbuches konnte auf diese Erfahrungen und Ergebnisse zurückgegriffen werden. Daneben fanden die Erkenntnisse zahlreicher Forschungs- und Modellvorhaben Eingang in das Buch. Um ein möglichst umfassendes und fundiertes Werk zu erhalten, wurde das Handbuch außerdem von einer Vielzahl von Fachleuten aus wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und aus der Verwaltungspraxis erarbeitet, mit sachkundiger Begleitung eines Fachkreises aus erfahrenen Praktikern aus Kommunen, Landes- und Bundesbehörden sowie aus der Wissenschaft.

Weitere Informationen:
Dipl.-Sozialökonom Jens Libbe
Telefon: 030/39001-115

E-Mail:
libbe@difu.de

Bestellung: Das "Handbuch Umweltcontrolling für die öffentliche Hand" wird im Verlag Franz Vahlen herausgegeben (nicht vom Difu) und umfasst 340 Seiten.

Es kostet 38 DM/20 Euro und ist im Buchhandel
(ISBN 3-8006-2727-2) oder direkt erhältlich beim Verlag Franz Vahlen:
Wilhelmstraße 9
80801 München
Telefon: 089/38189-0
Telefax: 089/38189-358

Wer sich zunächst kurz und knapp informieren will, findet auf der Internet-Seite des Umweltbundesamtes unter
http://www.umweltbundesamt.de die wichtigsten Fakten aus dem Handbuch.