Difu-Berichte 3/2000 - "TAT-Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb": Die Preisträger der Endrunde

 


TAT-Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb

Bekanntgabe der vorbildlichsten Preisträger des Gesamtwettbewerbs

 


Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung im Gewandhaus zu Leipzig hielten Fritz Brickwedde, Generalsekretär derDeutschen Bundesstiftung Umwelt, und Prof. Dr. Heinrich Mäding, Institutsleiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, die Eröffnungsreden.

 

    

Im Mittelpunkt des "TAT-Orte"-Wettbewerbs stehen kleine Kommunen und Initiativen aus Gemeinden der neuen Bundesländer, die seit 1995 zu Recht von sich reden machen. Denn sie haben problematische, kritische oder sogar existenziell bedrohliche Ausgangssituationen als Chance für eine Wende im besten Sinn definiert. Sie haben ihre spezifische Lage analysiert, dabei ihre Potenziale erkannt und zukunftsträchtige, umweltverträgliche Lösungen für die drängendsten Probleme ihres Ortes gefunden.

Ziel des "TAT-Orte"-Wettbewerbs war es, beispielhafte Umweltvorhaben von ökonomischer und sozialer Bedeutung für kleinere Gemeinden in den neuen Bundesländern zu ermitteln, zu prämieren und zu dokumentieren, damit die guten Beispiele Schule machen. Gesucht waren also machbare Lösungen zur Entwicklung von Gemeinden als Lebens- und Wirtschaftsraum, die dem Prinzip der nachhaltigen Entwicklung folgen.

Der Teilnehmerkreis des Wettbewerbs war ausdrücklich weit gespannt. Neben den Gemeinden und ihren Verwaltungen wurde mit Vereinen, Unternehmen, Beschäftigungsgesellschaften und Initiativen das gesamte Spektrum handlungsfähiger und handlungswilliger Menschen in den Dörfern angesprochen. 360 Gemeinden, Initiativen und Unternehmen nahmen in den Jahren 1995 bis 1999 am "TAT-Orte"- Wettbewerb teil. Hatte der Wettbewerb im ersten Jahr 49 Teilnehmer, signalisierte die Beteiligung von 106 Bewerbern im Jahr 1999 ein deutlich steigendes Aktivitätsniveau in den Gemeinden der neuen Länder und gleichzeitig einen wachsenden Bekanntheitsgrad des Gesamtvorhabens.

Mit vier Prämierungen 1995 und jeweils fünf Auszeichnungen in den darauf folgenden Jahren entstand ein Kreis von insgesamt 24 Preisträgern, die sich damit für den Wettbewerb 2000 qualifizierten.

Die "TAT-Orte" der Jahre 1995 bis 1999 haben mit Kreativität und Engagement weiter an der Lösung von Umweltproblemen und an der Entwicklung und Umsetzung neuer ökologischer Ideen gearbeitet. Zum größten Teil konnten sie die begonnenen Umweltvorhaben stabilisieren und erfolgreich abschließen oder mit neuen umweltbezogenen Projekten neue wirtschaftlich Erfolg versprechende Perspektiven eröffnen. Nur in wenigen Orten sind die erhofften Impulse für eine umfassende ökologische Entwicklung in Verbindung mit positiven wirtschaftlichen und sozialen Effekten ausgeblieben.

Beim "TAT-Orte"-Projekt zählte nicht allein der Wettbewerbsgedanke: Neben der Prämierung guter ökologischer Beispiele war die umfassende Information der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung. Diesem Ziel dienen zum einen die jährlichen Buch- und Videodokumentationen sowie die Jahreskalender über die Preisträger, die bundesweit rege nachgefragt werden. Zum anderen ist das Projekt auch mit einem eigenen Informationsforum im Internet präsent. Darüber hinaus erscheint Anfang 2001 eine Reihe kleinerer Fachpublikationen, in denen neben theoretischen Ausführungen gute Praxisbeispiele ausd em Pool aller Wettbewerbsteilnehmer systematisch aufbereitet werden.

Die "TAT-Orte-Ausstellung - inzwischen zu einer Galerie der Gewinner angewachsen - ist durch alle Preisträgerorte gewandert und wurde auf regionalen und überregionalen Fachmessen präsentiert. Insgesamt wurde sie der interessierten Öffentlichkeit an rund 50 Ausstellungsorten gezeigt.

Darüber hinaus gab es zwei Veranstaltungsreihen für alle Wettbewerbsteilnehmer, die sowohl der Förderung des Erfahrungsaustausches und der Vernetzung zwischen den Gemeinden und Initiativendienten als auch der themenspezifischen Wissensvermittlung an die Umweltakteure im ländlichen Raum. Alle Veranstaltungen fanden jeweils in prämierten "TAT-Orten" statt. Im Rahmen des Projekts hatten die Preisträger der Wettbewerbsjahre1995 bis 1999 zudem die Gelegenheit zur Teilnahme an zwei mehrtägigen Werkstätten, die dem Erfahrungsaustausch und der Entwicklung von Zukunftsideen für den ländlichen Raum und einer Zwischenbilanz des Wettbewerbs dienten.

Die Erfahrungen aus dem "TAT-Orte"-Projekt zeigen, daß es einige typische Konstellationen gibt, die für den Erfolg eines Vorhabens ausschlaggebend sind. Ein entscheidender Faktor ist beispielsweise der umweltpolitische Konsens auf kommunaler Ebene, der sich in programmatisch fundierten und zielbezogenen Lösungsstrategien widerspiegelt. Dabei kommt es auf das konstruktive Zusammenwirken von Akteuren in Rat, Verwaltung, Vereinen, Unternehmen und natürlich der Bevölkerung an. Gleichwohl gibt es kein Patentrezept für die erfolgreiche Durchführung von Umweltprojekten, da deren Gelingen von verschiedenen personellen, wirtschaftlichen, gesamtgesellschaftlichen und motivationsbedingten Faktoren sowie von spezifischen Potenzialen vor Ort abhängig ist.

Preisverleihung in Leipzig
Für acht Gemeinden und Initiativen der neuen Bundesländer hat sich ihr Engagement besonders gelohnt: Sie wurden am 3. September 2000 im Leipziger Gewandhaus von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem Deutschen Institut für Urbanistik dafür ausgezeichnet, daß sie durch Eigeninitiative, Phantasie und Tatkraft beispielhafte Umweltideen in die Tat umsetzen, die gleichzeitig eine positive ökonomische und soziale Bedeutung haben.

Die Preisträger 2000 des "TAT-Orte-Wettbewerbs" sind:

  • die Gemeinde Donndorf, Kyffhäuserkreis, Thüringen;
  • die Stadt Oederan, Landkreis Freiberg, Sachsen;
  • die Stadt Rehna, Landkreis Nordwestmecklenburg, Mecklenburg-Vorpommern;
  • die sächsische Stadt Ostritz-St. Marienthal und das Interntionale Begegnungszentrum St. Marienthal, Landkreis Löbau-Zittau;
  • die Gemeinde Schöneiche, Landkreis Oder-Spree, Brandenburg;

sowie die Sonderpreisträger:

  • der Unternehmensverbund "Bioland Ranch Zempow" und Gemeinde Zempow, Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg;
  • das Umweltzentrum Ökohof Auterwitz e.V., Landkreis Döbeln, Sachsen;
  • die Siedlungsgenossenschaft Ökodorf e.G., Groß Chüden und Poppau, Altmarkkreis Salzwedel, Sachsen-Anhalt.

An dem von 1995 bis 1999 jährlich durchgeführten Wettbewerb beteiligten sich über 350 Initiativen und kleinere Gemeinden (bis 10 000 Einwohner) der neuen Bundesländer. Im Jahr 2000 wurden alle 24 Preisträger der vergangenen fünf Jahre nochmals ins Rennen geschickt, um die herausragendsten "TAT-Orte" des Gesamtwettbewerbs zu küren. Ihnen gelanges besonders vorbildlich, innovative Ideen mit persönlichem Engagement zu verbinden und so zur Verbesserung der Lebensqualität ihrer Region beizutragen.

Nachdem der bekannte "Tatort"-Kommissar Ehrlicher alias Peter Sodann die Preisträger "enttarnt" hatte, überreichten der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde, und der Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, Professor Dr. Heinrich Mäding, die Urkunden. "Durch die praktischen Beispiele gelungener Eigeninitiative ist nicht nur eine starke Impulswirkung auf andere Gemeinden, sondern insgesamt eine positive Wirkung für den kommunalen Umweltschutz im ländlichen Raum zu erwarten", erklärte Fritz Brickwedde.

Tatort-Kommissar Ehrlicher

Tatort-Kommissar Ehrlicher alias Peter Sodann hatte sichtlich nicht nur selbst viel Spaß bei der Enttarnung der "TAT-Orte", auch das Publikum genoss seine professionelle und schauspielerisch gekonnte Moderation und verdeutlichte dies mit viel Applaus.

Neben der ideellen Auszeichnung (Urkunde, reich bebilderte Buchdokumentationen sowie Videofilme über die Preisträger) erhielten die Gewinner Geldpreise von jeweils 50 000 DM, die Sonderpreisträger von je 25 000 DM, die für Umweltprojekte vor Ort verwendet werden sollen. Nach der Festveranstaltung wurde eine Ausstellung über die ausgezeichneten "TAT-Orte" präsentiert, die zunächst in den prämierten Gemeinden gezeigt wird. "Der TAT-Orte-Wettbewerb beweist, daß eine ganze Reihe beispielhafter Vorhaben in kleinen Gemeinden der neuen Bundesländer existiert, die ökologische Ziele mit ökonomischen und sozialen Aspekten erfolgreich verbinden. Nachahmungstäter, die das Beispielhafte aus den ,'TAT-Orten' aufgreifen, sind ausdrücklich erwünscht", so Heinrich Mäding.

Die TÄTer 2000

Die "TÄT-er" 2000.

Die "TAT-Orte" 2000

Die Gemeinde Donndorf
Die etwa 900 Einwohner zählende Gemeinde Donndorf liegt im nordthüringischen Kyffhäuserkreis zwischen der Unstrutniederung und dem bewaldeten Höhenzug der Hohen Schrecke. In Donndorf betreiben Gemeinderat, Unternehmen und Vereine eine übergreifende Gemeindeentwicklung, die neben der Umweltsanierung, der baulichen Revitalisierung des Orts, der Entwicklung von Natur und Umwelt und der Schaffung von Bildungs- und Freizeitangeboten die Ansiedlung von Gewerbebetrieben zur Schaffung dauerhafter Arbeitsplätze zum Ziel hat.

Durch Maßnahmen der Dorferneuerung, Aktivitäten zur Erhaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft sowie mit der Ansiedlung von Gewerbe und Handwerk wird eine ökologisch, wirtschaftlich und sozial ausgewogene Entwicklung erreicht. Anhand des wiederhergestellten Dorfbilds in Form von Gehölzpflanzungen und neuen Gewässerstrukturen, durch eine geregelte Abwasserentsorgung, durch etwa 50 örtliche Gewerbebetriebe, mit einem Umweltbildungszentrum und einer Heimvolkshochschule sowie mit Qualifizierungsangeboten von Unternehmen und Vereinen wird die positive Entwicklung Donndorfs deutlich sichtbar.

Die Gemeinde Donndorf

Auszeichnung der Gemeinde Donndorf, vertreten durch Gudrun Holbe.

Die Stadt Oederan
Die mittelsächsische Kleinstadt Oederan mit etwa 7 600 Einwohnern liegt im unteren Bergland des Osterzgebirges im Landkreis Freiberg. Mit Innovationsgeist gestaltet die Stadt den Strukturwandel als Erneuerungsprozeß unter ökologischen Vorzeichen, wobei sie von Vereinen, Unternehmen, Schulen und Bürgern tatkräftig unterstützt wird. Oederan setzt erfolgreich auf ein nachhaltiges Konzept der Stadterneuerung: durch Vorhaben zur Nutzung regenerativer Energien, den Vorrang der Innenentwicklung bei der baulichen Entwicklung, durch Wieder- und Umnutzung bestehender Flächen und Bausubstanz sowie Maßnahmen des Naturschutzes und der Umweltbildung.

Die Kompetenz im Bereich regenerativer Energien wird anhand von Modellprojekten der Solarthermie, der Photovoltaik und der Biomassenutzung deutlich. Eine besondere Form bürgernaher Öffentlichkeitsarbeit für den Umweltschutz ist der von der Stadt Oederan ins Leben gerufene "Tag der erneuerbaren Energien", an dem sich inzwischen fast bundesweit Hunderte von Akteuren beteiligen.

Die Stadt Oederan

Auszeichnung der Stadt Oederan, vertreten durch Gernot Krasselt.

Die Stadt Rehna
Die Kleinstadt Rehna (2 755 Einwohner) liegt in der landschaftlich reizvollen Radegastniederung in Nordwestmecklenburg. Auf dem Weg zur "Ökoregion Radegast" wurden Vorhaben erfolgreich umgesetzt, die sowohl ökologische als auch wirtschaftliche und soziale Zielstellungen verfolgen. Die Rehnaer können viele Projekteauf der ökologischen Habenseite verbuchen: die umwelt- und denkmalgerechte Wiederherstellung des historischen Stadtkerns, die geregelte Abwasserentsorgung, den Erhalt und die Entwicklung des Radegasttals sowie von Teichen und artesischen Brunnen, die praktische Umwelterziehung in Kindertagesstätte und Schule oder die "ökobörse" zum Absatz ökologisch und regional erzeugter Produkte.

Die Stadt Rehna

Auszeichnung der Stadt Rehna, vertreten durch Günter Hippel.

Rehna versteht sich als nördliches Tor zum Biosphärenreservat Schaalsee und knüpft deshalb mit einer Reihe von Aktivitäten an die ökologischen Ansprüche des Schutzgebiets an. So werden zum Beispiel Existenzgründer intensiv geschult, die Vergabe des Schutzgebietslogos an Unternehmen betreut und eine Tourismuszentrale für das Schaalsee-Gebiet aufgebaut. Rehnas Erfolgsrezept besteht in der aktiven Einbeziehung von Bürgern, Schulen, Unternehmen, Vereinen und anderen Gemeinden. Dabei kommt es den Rehnaern auch zukünftig weniger auf spektakuläre Großvorhaben, sondern mehr auf die Kontinuität der kleinen Schritte an.

Die Stadt Ostritz-St. Marienthal und das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal
Die Stadt Ostritz-St. Marienthal (3 500 Einwohner) liegt nahe Görlitz im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechische Republik. Ehemals geprägt durch Braunkohlenabbau und Energiegewinnung aus Braunkohle entwickelten sich die Ostritzer gewissermaßen zu "Experten" im Bereich der Energieversorgung. Im Rahmen des Projekts "Energieökologische Modellstadt Ostritz-St. Marienthal" konnte eine autarke Energieversorgung auf der Grundlage regenerativer Energieträger aufgebaut werden. Dabei kommen ein Biomasse-Heizkraftwerk, Windkrafträder, solarthermische Anlagen, eine Photovoltaikanlage sowie Wasserkraftwerke zum Einsatz. Weitere Projektaktivitäten der Stadt werden entsprechend dem Ziel einer ökologisch ausgerichteten städtischen Gesamtentwicklung in dieses Konzept integriert, so zum Beispiel Projekte zur Stadtsanierung, zur umweltgerechten Abwasserentsorgung oder zum ökologischen Waldbau.

Die Stadt Ostritz

Auszeichnung der Stadt Ostritz sowie des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal, vertreten durch Dr. Michael Schlitt und Günter Vallentin.

Ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung ist die Arbeit des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal. Dieses Zentrum greift die Verpflichtung der "Energieökologischen Modellstadt" auf, das vorhandene Wissen und die Erfahrungen im Strukturwandel und in der Sanierung ökologisch stark geschädigter Regionen auch über die deutschen Grenzen hinaus weiterzugeben.

1 2 Großes Interesse fand auch die "TAT-Orte"-Ausstellung, die nicht nur die acht Preisträger des Jahres 2000 zeigte, sondern alle 24 Preisträger des Gesamtwettbewerbs.

Die Gemeinde Schöneiche
Die brandenburgische Gemeinde Schöneiche liegt im Landkreis Oder-Spree und grenzt an die Großstadt Berlin. Aufgrund ihrer vielen Waldflächen sowie Alleen und Parks trägt Schöneiche den Namen "Waldstadt im Grünen".

Die Gemeinde Schöneiche

Auszeichnung der Gemeinde Schöneiche, vertreten durch Heinrich Jüttner.

Die Aktivitäten für eine nachhaltige, umweltgerechte Entwicklung des Orts gehen von den Vereinen, Initiativen und von einzelnen Bürgerinnen und Bürgern sowie der Gemeindeverwaltung aus. Sie sind für ökologische Fragen sensibilisiert und haben ein Bewußtsein für die Bedeutung des Umweltschutzes und für den Erhalt von Natur und Landschaft entwickelt. Viele Projekte in den Bereichen ökologisch orientiertes Bauen und rationelle Energieanwendung, naturnahe Abwasserreinigung und Regenwasserversickerung, Naturschutz und Landschaftspflege, umweltverträglicher Tourismus sowie Umwelterziehung in Kindergärten und Schulen wurden gemeinsam realisiert. Schöneiche befindet sich somit auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung und hat wichtige Ziele der Agenda 21 bereits in die Praxis übertragen. Besonders hervorzuheben ist die ökologisch orientierte Ortsentwicklung durch einen beispielgebenden Konsultations- und Kooperationsprozeß zwischen Gemeindeverwaltung und einer Vielzahl lokaler Akteure.

'TAT-Orte'-Ausstellung

Großes Interesse fand auch die "TAT-Orte"-Ausstellung, die nicht nur die acht Preisträger des Jahres 2000 zeigte, sondern alle 24 Preisträger des Gesamtwettbewerbs.

Sonderpreisträger:

Der Unternehmensverbund "Bioland Ranch Zempow" und die Gemeinde Zempow
Die 139 Einwohner zählende Gemeinde Zempow liegt im strukturschwachen Norden Brandenburgs im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Unternehmen, Gemeinde, Vereine und Bürger setzen in Zempow ein integriertes ökologisches Entwicklungskonzept in den Bereichen Ökolandbau, Tourismus, regenerative Energien, Naturschutz und Landschaftspflege sowie Umweltbildung um. Durch die sinnvolle Verknüpfung unternehmerischer und gemeinnütziger ökologischer Aktivitäten konnten Arbeitsplätze in größerem Umfang geschaffen werden. Der Unternehmensverbund "Bioland Ranch Zempow" bewirtschaftet die gesamte Gemarkung des Orts in Form extensiver Weiderinderhaltung nach Bioland-Kriterien und verknüpft dies mit verschiedenen ökologisch orientierten Tourismusangeboten. Der umLand e.V., die Ökolandbau-Unternehmen und die Gemeinde haben verschiedene Umweltbildungsangebote entwickelt. Mit dem dezentralen Einsatz regenerativer Energien und alternativer Abwasserlösungen im gewerblichen und privaten Bereich ist Zempow ein Lernort für den Einsatz innovativer Techniken im ländlichen Raum.

Umweltzentrum Ökohof Auterwitz
Das Dorf Auterwitz liegt am Rande der Lommatzscher Pflege, der Kornkammer Sachsens. Es ist umgeben von weiträumigen, intensiv bewirtschafteten Ackerbauflächen. Nach der politischen Wende 1989 und dem anschließenden Niedergang der LPG war das Dorf dem Verfall preisgegeben, Arbeitsplätze gab es kaum noch. Im Jahr 1991 wurde der Verein Umweltzentrum Ökohof Auterwitz von sieben vormals in der Landwirtschaft und im ehrenamtlichen Natur- und Umweltschutz aktivenPersonen gegründet, die sich die Förderung und Praktizierung umweltverträglicher und naturverbundener Wirtschafts- und Lebensformen zum Ziel gesetzt haben. Stark verfallene und unter Denkmalschutz stehende Vierseithöfe wurden nach ökologischen und baubiologischen Kriterien wieder aufgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt, Arbeitsplätze beispielsweise im Lehmbau und in der Landschaftspflege geschaffen, die naturnahe Abwasserreinigung durch Pflanzenkläranlagen für den gesamten Ort realisiert. Zudem widmet sich der Verein intensiv der Umweltbildung und Umwelterziehung. Im Dorf und in den Nachbarorten wurdedurch die Angebote des Vereins das soziale und kulturelle Leben bereichert.

Die Siedlungsgenossenschaft Ökodorf e.G.
1993 wurde in Groß Chüden das Ökodorf-Projektzentrum eingerichtet. Die dortigen Aktivitäten umfassen unter anderem die ökologische Siedlungsplanung, die Organisation und Durchführung von Seminaren zu verschiedenen Umweltthemen, ökologischen Gartenbau sowie den Bau einer Solar- und einer Pflanzenkläranlage. Alle Projektbausteine dienten seit Beginn auch der Vorbereitung und Erprobung einer zukünftigen sozial-ökologischen Modellsiedlung für etwa 300 Menschen. Den Standort da für hat die Genossenschaft im Frühjahr 1997 in Poppau gefunden. Mit der Genehmigung des Bebauungsplans für das "Ökodorf Sieben Linden", dem Bau der Infrastruktur, der Sanierung des vorhandenen Baubestands, der Einrichtung eines Gemeinschaftshauses (Niedrigenergiehaus) und dem Beginn der Bauarbeiten für die ersten Wohnhäuser sind die ersten konkreten Schritte zur Realisierung getan. Das Gesamtprojekt ist beispielgebend für eine Siedlung, die in einem demokratischen, kommunikativen Planungsprozeß nach ökologischen Kriterien konzipiert und gemeinsam realisiert wird, ohne dabei soziale und wirtschaftliche Aspekte außer Acht zu lassen.

Tat-Orte


Weitere informationen:
Dipl.-Ing. Cornelia Rösler
Telefon: 0221/340308-18
Telefax: 0221/340308-28
E-Mail:
roesler@difu.de

Internet:
www.difu.de/tatorte/
E-Mail:
tatorte@difu.de

    

 

Die Sonderpreisträger

Auszeichnung der drei Sonderpreisträger: Siedlungsgenossenschaft e.G. Groß Chüden/Poppau, vertreten durch Dieter Halbach; Umweltzentrum Ökohof Auterwitz e.V., vertreten durch Hans-Jürgen Sickert; Unternehmensverbund Bioland Ranch Zempow und die Gemeinde Zempow, vertreten durch Carola Wöhlke.

Ausblick
Die Bundesumweltstiftung wird sich in den nächsten Jahren gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik verstärkt dem Aufbau eines "TAT-Orte-Netzwerkes" widmen. Neben der Durchführung von "TAT-Orte"-Regionalveranstaltungen sind Exkursionen zu beispielgebenden Projekten, die Herausgabe eines Newsletters, die Durchführung von Ideen- und Zukunftswerkstätten sowie Workshops und Fachveranstaltungen vorgesehen. Der Transfer von umwelt- und nachhaltigkeitsrelevanten Informationen soll dabei zusätzlich über eine spezielle Internetplattform erfolgen. Auf diese Weise soll das Netzwerk die Möglichkeit bieten, den"TAT-Orte"-Gedanken in den bisher am Wettbewerb beteiligten Bundesländern durch Kontinuität zu erhalten, zu vertiefen und auf die alten Bundesländer auszuweiten. Damit soll gleichzeitig auch ein wichtiger Beitrag zur Auflösung von nach wie vor bestehenden Barrieren zwischen Ost und West geleistet werden.