Difu-Berichte 3/1998 - ZukunftsWerkStadt: 25 Jahre Difu - Anlaß für konkrete Utopien
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25 Jahre Difu ZukunftsWerkStadt Anlaß für konkrete Utopien Anläßlich seines 25jährigen Jubiläums veranstaltete das Deutsche Institut für Urbanistik am 17. und 18. September 1998 im Berliner Ernst-Reuter-Haus das zweitägige Symposium "ZukunftsWerkStadt". Unter der Überschrift "Trends, Sorgen und Visionen" diskutierten rund 300 Führungskräfte der Stadtverwaltungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aus rund 60 europäischen Städten Modelle für eine zukunftsfähige Entwicklung der Städte. "Stadtraum: zwischen Überforderung und Auflösung" sowie "Stadtgesellschaft: zwischen Vernetzung und Polarisierung" waren die Schlagzeilen, die am ersten Tag thematisiert wurden. Am zweiten Tag bestimmte die Frage, welche Schritte vom Leitbild zum konkreten Handeln führen, die Diskussion. In vier Werkstätten wurden die Themen "Nachhaltiges Wirtschaften", "Gesellschaftliche Integration", "Leistungsfähige Infrastruktur" sowie "Politische Stabilität" diskutiert und anschließend in einem Abschlußplenum zusammengeführt.
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Prof. Dr. Heinrich Maeding, |
Nachdem der Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, Prof. Dr. Heinrich Mäding, die "ZukunftsWerkStadt" eröffnet hatte, sprach zunächst Dr. Hans Stimmann, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie zu den Gästen. Er ergänzte sein Grußwort durch Reflexionen über die Zukunft Berlins, die nicht mehr in der Außenexpansion, sondern in der Binnenentwicklung liege.So seien qualitativer Stadtumbau und Transformation von der Industrie- zur Dienstleistungsstadt die Perspektiven Berlins, das im Unterschied zu anderen Metropolen kaum Einwohnerwachstum erwarten könne, dem sich damit aber auch Chancen zur Nachhaltigkeit eröffneten. Das erste Kurzreferat unter der Überschrift "Stadtraum: zwischen Überforderung und Auflösung" der von Prof. Dr. Heinrich Mäding moderierten Diskussionsveranstaltung hielt Christiane Thalgott, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München. Sie betonte die Widersprüchlichkeit der Ziele, unter denen Stadtentwicklung und Stadtverwaltung heute stehen. So werde einerseits auf kommunaler Ebene der "schlanke Staat" gefordert, andererseits die Kommunalverwaltungen mit einer steigenden Zahl von Gesetzen und Vorschriften von Bundes-, Landes- und EU-Ebene konfrontiert, die eine bürgernahe Verwaltung erschwerten. Darüber hinaus stünden im wirtschaftlichen Bereich rückläufigen Einnahmen ständig wachsende Anforderungen an die Kommunen gegenüber. Dr. Henning Friege, Umweltdezernent der Stadt Düsseldorf, skizzierte in seinem Referat die Bedingungen für das weitgehend anerkannte Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Nur bei äußerster Zurückhaltung im Flächenverbrauch sei dieses Ziel zu verwirklichen. Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft würde zwar Ansatzpunkte bieten, werde aber durch den wachsenden Flächenbedarf sowohl der privaten Haushalte als auch der Verkehrsinfrastruktur in Frage gestellt. Prof. Dr. Dietrich Henckel vom Deutschen Institut für Urbanistik beendete die erste Diskussionsrunde mit Ausblicken auf die ökonomischen Perspektiven der Stadt, die sich vor allem aus einer bereits in den 70er Jahren erwarteten Ökonomisierung der Stadt ergeben. Die Städte würden ihren verteilungspolitischen Spielraum verlieren und sich an Wachstumszielen orientieren, seien aber andererseits durch die zunehmende Ungleichheit in der Bevölkerung zu sozialpolitischen Maßnahmen mit Umverteilungswirkung herausgefordert. Insgesamt würden die Kommunen mit Restriktionen hinsichtlich ihrer Politikfähigkeit konfrontiert, während die Anforderungen an Problemlösungen stiegen. Die Referate zum Thema "Stadtgesellschaft: zwischen Vernetzung und Polarisierung" eröffnete Prof. Dr. Jürgen Friedrichs von der Universität Köln mit zwar vorsichtigen, insgesamt aber eher pessimistischen Erwartungen. Bei unveränderten Rahmenbedingungen sei mit zunehmenden Disparitäten bis hin zu Polarisierungen in der Stadtgesellschaft zu rechnen. Damit würden sich die Integrationsanforderungen an die Städte erhöhen, ohne daß traditionelle Integrationsinstrumente entsprechend weiterentwickelt werden könnten. In einer tour d'horizon durch die Medien- und Informationsgesellschaft beschrieb Prof. Dr. Bernd Guggenberger von der Freien Universität Berlin die Auflösung des Raumes und dessen Ersatz durch Zeit, Zeitkoordination und weltweite mediale Vernetzung. Er skizzierte die Gefahr, daß an die Stelle des nahräumlich integrierten, traditionellen Stadtbürgers der räumlich isolierte und sozial vereinzelte Mensch treten könne, dessen Beziehungsnetze sich zwar über den gesamten Globus erstreckten, dessen soziale Kompetenz sich jedoch auf Medienkompetenz reduziere. In einem weiteren Referat vertrat Dr. Hinrich Lehmann-Grube, Oberbürgermeister a.D. der Stadt Leipzig, vehement die Auffassung, die zentralen Probleme der Stadt lägen nicht in den Gefahren aus externen Trends, sondern in der Politik selbst. Es fehle der Konsens, was Politik kann und darf. Auch auf der kommunalen Ebene hätten sich die Parteien mit ihrem Wahrheits- und Herrschaftsanspruch etabliert. Parteienmacht führe aber zu einer schädlichen Degeneration des bürgerlich-zivilen Politiktyps, der früher Kommunalpolitik ausmachte. Als Schlußpunkt der Diskussionsveranstaltung präsentierte der Zukunftsforscher und Science-Fiction-Autor Dr. Karlheinz Steinmüller "City light. Stadtvisionen". Anhand seines Referates demonstrierte er, wie sehr einerseits technische Utopien positiv bewerteter Größe und totaler Mobilität, andererseits soziale Utopien negativ bewerteter Massenstädte, geprägt von Bedrohung und Entfremdung, das Bild der zukünftigen Stadt bestimmen würden.
"City light. Stadtvisionen" wurde präsentiert von dem Das sich unter dem Motto "Anregungen für alle fünf Sinne" anschließende Abendprogramm eröffnete allen Gästen die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre einmal wieder mit vielen Akteuren aus der "kommunalen und wissenschaftlichen Szene" zusammenzutreffen und das Berliner Ernst-Reuter-Haus einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Am nächsten Morgen trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den vier Werkstätten wieder. Das Difu hatte zu jedem Themenbereich ein Werkstattpapier verfaßt, das den Arbeitsgruppen als Diskussionsgrundlage diente. Impulsreferate bildeten den Aufftakt für die unter dem Motto "Vom Leitbild zum konkreten Handeln" stehenden Diskussionen in den vier Werkstätten:
Die Akteure aus Politik und Wissenschaft regten |
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Petra Roth, Oberbürger- |
In einem Abschlußplenum wurden die Berichte aus den einzelnen Werkstätten vorgestellt, und Prof. Dr. Heinrich Mäding faßte in seinem Resümee die wichtigsten Ergebnisse der zweitägigen Veranstaltung zusammen. Er betonte die Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit ökologischer, ökonomischer und sozialer Probleme in den Städten und befürchtete, daß in der konkreten Stadtpolitik, der das Difu zuarbeite, die erforderlichen integrativen und präventiven Handlungsstrategien besonders schwer umzusetzen seien. Hier müßten verwaltungspolitische Innovationen (intraregionale Kooperation, Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bürgern, erwaltungsmodernisierung) unterstützend ansetzen. Petra Roth, Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main und Präsidentin des Deutschen Städtetages wandte sich in einem Schlußwort an die Gäste, in dem sie betonte, daß sich die Städte bei der Problemlösung gerne der Unterstützung durch das Difu bedienten und an Problemen, also Unterstützungsbedarf, auch in Zukunft kein Mangel sei. Sie unterstrich, daß für viele Fragestellungen eine visionäre Vorstellungskraft erforderlich sei und oft unkonventionelle Lösungen gefragt seien. Mit dem Blick auf Bund und Länder erinnerte sie u.a. daran, daß Subsidiarität nicht nur in Brüssel eingefordert, sondern auch zu Hause praktiziert werden müsse. |
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Die "Zukunftswerkstadt" wird im nächsten Früh- jahr in der Reihe der Difu-Beiträge doku- mentiert. Wir werden in den Difu-Berichten darauf hinweisen. Weitere Informationen: Difu-Pressestelle |
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