Difu-Berichte 3/1998 - TAT-Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb: Die Preisträger 1998
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TAT-Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb.
Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger
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Die "TAT-Orte 1998" sind ermittelt. Fünf Gemeinden und Initiativen aus den neuen Bundesländern wurden beim diesjährigen Wettbewerb "TAT-Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb" dafür prämiert, daß sie durch Eigeninitiative, Phantasie und Tatkraft beispielhafte Umweltideen in die Tat umsetzen, die gleichzeitig auch eine positive ökonomische und soziale Bedeutung haben. Das Projekt "TAT-Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb" ist auf kleine, vor allem in ländlichen Gebieten gelegene Gemeinden in den neuen Bundesländern ausgerichtet. An dem jährlich durchgeführten Wettbewerb können sich Verwaltungen und Initiativen aus Gemeinden der neuen Bundesländer (bis 10 000 Einwohner) beteiligen, die innovative Ideen mit persönlichem Engagement verbinden und so zur Verbesserung der Lebensqualität ihrer Region beitragen. Einsendeschluß für den letzten offenen Wettbewerb war der 25. September 1998. Im Jahr 2000 werden alle Preisträger der vergangenen fünf Jahre nochmals ins Rennen geschickt, um dann schließlich die herausragendsten TAT-Orte des gesamten Wettbewerbs zu küren. Positive Praxisbeispiele machen Mut, selbst Initiative zu ergreifen und Ideen zu verwirklichen. Dazu bieten die "TAT-Orte" der bisher durchgeführten Wettbewerbe vielfältige Anregungen. Sie dokumentieren in eindrucksvoller Weise, daß durch die konsequente Berücksichtigung von Umweltbelangen bei Planung und Durchführung unterschiedlichster Vorhaben auch ökonomische und soziale Vorteile erzielt werden können: zum Beispiel die umweltschonende Energieversorgung, die neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen hat, oder die ökologisch orientierte Abwasserreinigung, die für die ländliche Bevölkerung kostengünstiger sein kann als eine herkömmliche Form der Abwasserentsorgung, die ökologisch orientierte Landwirtschaft und die effiziente regionale Vermarktung ihrer Produkte oder die Realisierung umweltfreundlicher Demonstrationsanlagen, die gleichzeitig der Umweltbildung und dem Betrieb von Gebäuden dienen. Durch das "TAT-Orte"-Projekt wird die Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen unterstützt. Das Interesse an Ideen und Wegen der jeweils anderen Bewerber, auch derer, die heute nicht unter den Ausgezeichneten sind, ist groß. Schließlich gehen von allen Nachweisen gelungener Eigeninitiative und erfolgreicher Praxis starke Impulswirkungen aus. Das "TAT-Orte"-Projekt sorgt für die systematische Weitergabe von Erkenntnissen und Erfahrungen zwischen den Gemeinden, zum einen durch die Weitergabe der Buchdokumentationen an Gemeinden und Initiativen, zum anderen mit der Durchführung von Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch zwischen allen Teilnehmern. Seit Juli 1998 werden im Rahmen von "TAT-Orte" zusätzlich Fachtagungen zu ausgewählten Themen des Umweltschutzes durchgeführt. Die erste Tagung hat am 7. Juli 1998 im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal zum Thema "Möglichkeiten einer ökologischen Dorfentwicklung" stattgefunden. Die nächsten Tagungen werden sich mit der "Lokalen Agenda 21 für Gemeinden" befassen. Aufgrund der großen Nachfrage und der besonderen Bedeutung dieses Themas werden dazu zwei Veranstaltungen stattfinden, eine im Süden und eine im Norden der neuen Bundesländer. Ein weiteres neues Element sind Fachberatungen, die auf Empfehlung der projektbegleitenden Arbeitsgruppe einzelnen Bewerbern angeboten werden. Preisverleihung in Dessau Die Auszeichnungen wurden am 6. September 1998 im Rahmen einer Festveran- staltung im Anhaltischen Theater in Dessau vom Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde, und dem Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, Professor Dr. Heinrich Mäding, überreicht. "Ich bin der festen Überzeugung, daß die heutige Auszeichnung an fünf beispielgebende Gemeinden und Initiativen zu einem breiten Ideentransfer führen und nicht zuletzt helfen wird, die Diskrepanz zwischen entwickeltem Umweltbewußtsein und konkretem Umwelthandeln durch konstruktive, positive Beispiele zu überwinden", erklärte Fritz Brickwedde.
Die Täter Neben der Urkunde erhielten die Preisträger eine reichbebilderte Buchdokumentation und einen Videofilm, die ausführlich über die prämierten "TATOrte" informieren. Sie werden den Preisträgern in höherer Auflage zur Verfügung gestellt. Die Buchdokumentation wurde bereits stark nachgefragt. Interessenten können diese beim Deutschen Institut für Urbanistik anfordern. Anläßlich der Preisverleihung wurden nicht nur die Videofilme präsentiert, sondern auch eine Ausstellung im Anhaltischen Theater über die ausgezeichneten TAT-Orte eröffnet. "Wir hoffen, daß wir mit der heutigen Preisverleihung, den Buchdokumentationen, der Ausstellung und dem Video Grundsteine für neue Ziele und Erfolge legen können, bei den Preisträgern ebenso wie bei all denjenigen, die wir zur Nachahmung anregen wollen", so Professor Dr. Heinrich Mäding. Die "TAT-Orte"-Preisträger 1998 Gemeinde Retzow und Verein zur Förderung Angemessener Lebensverhältnisse (FAL e.V.) Die Gemeinde Retzow mit ihren 381 Einwohnern liegt im Süden Mecklenburg-Vorpommerns im Landkreis Parchim. Kennzeichnend für Retzow und die landwirtschaftlich geprägte Region südlich des Plauer Sees sind Strukturschwäche und hohe Arbeitslosigkeit. Die fünf Gemeinden Ganzlin, Gnevsdorf, Retzow, Wahlstorf und Wendisch Priborn sowie mehrere Unternehmen und Einzelpersonen engagieren sich im Verein zur Förderung Angemessener Lebensverhältnisse (FAL e.V.) gemeinsam für ihre Dörfer, die Menschen und die Region. "Für uns kam und kommt es darauf an, regionale Akzente gegen Arbeitslosigkeit, Resignation und sichtbaren Verfall dörflicher und sozialer Strukturen zu setzen", erklärt Heinz Mohr, Vorsitzender des FAL e.V.
Das Ülepüle in Retzow beherbergt eine Textilwerkstatt Mit Hilfe des zweiten Arbeitsmarktes werden unter der Regie des FAL e.V. in Projekten des Naturschutzes, der Landschaftspflege und des Tourismus, durch Umweltbildung und durch die Schaffung kultureller und dörflicher Zentren Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung geschaffen. Aus ABM-Projekten wurden bereits mehrere eigenständige Unternehmen ausgegründet, die dauerhafte Arbeitsplätze einrichten konnten. Die Gemeinden betreiben in Kooperation eine gezielte Ansiedlung von Handwerk und Gewerbe. Sichtbare Beispiele für das erfolgreiche Engagement aller Beteiligten sind das Ülepüle in Retzow, die alte Brennerei Ganzlin, das Gutshaus Klein Dammerow und die Ziegelei Benzin. Internationales Zentrum für Innovation, Qualifizierung und Gewerbeförderung e.V., Hedersleben Das Internationale Zentrum für Innovation, Qualifizierung und Gewerbeförderung hat seinen Sitz in dem ehemaligen Kloster St. Gertrudis in Hedersleben, einer kleinen Gemeinde mit 1863 Einwohnern in Sachsen-Anhalt. Die Konzeption des Zentrums umfaßt eine Vielzahl von ökologisch orientierten Maßnahmen, bei denen ökonomische, soziale oder entwicklungspolitische Aspekte Berücksichtigung finden.
Das Internationale Zentrum für Innovation, Qualifizierung "Wiederaufbau und Wiederbelebung der riesigen Klosteranlage sind ein wichtiger Nebeneffekt des Projekts, wichtiger jedoch ist, daß die Menschen wieder beginnen, Ideen zu entwickeln, darüber zu diskutieren und vor allem sie zu realisieren", so Dr. Harry Stolte, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Bei der Sanierung und dem Ausbau des Klosters wurde auf die Verwendung von umweltfreundlichen Materialien geachtet, eine umweltverträgliche Abwasserentsorgung durch eine Pflanzenkläranlage realisiert sowie die Nutzung regenerativer Energien vorgesehen. ökologisch orientierter Landbau, regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte und die Förderung des naturschonenden Fremdenverkehrs gehören zu den weiteren Zielen von Verein und Gemeinde. Die Bildungsarbeit und die Qualifizierungsmaßnahmen, die im Kloster durchgeführt werden, umfassen auch Projekte und Seminare, die vielfältige Maßnahmen des Umweltschutzes integrieren. Vorbildlich ist dabei die Verbindung von realisierten Umweltprojekten und -technologien, die gleichzeitig dem Betrieb der Gebäude und der Umweltbildung dienen. öW-ökozentrum Werratal/Thüringen GmbH Vachdorf Die ÖW-ökozentrum Werratal/Thüringen GmbH Vachdorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen wurde Ende 1991 gegründet. Sie ist eines der größten deutschen Öko-Agrarunternehmen. Auf etwa 1800 Hektar Fläche im südlichen Vorland des Thüringer Waldes werden Täler, Hänge und Hochflächen nach den strengen Kriterien des Gäa-Anbauverbandes standortgerecht bewirtschaftet. "Es war Absicht und Einsicht zugleich, dem fortschreitenden Verfall von sinnhaften Agrarstrukturen zu begegnen und neue Leitbilder eines behutsamen Umgangs mit der Natur durch eine nachhaltige Landbewirtschaftung zu schaffen", betonte Eberhard Baumann, Geschäftsführer der Ökozentrum GmbH. Rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzeugen und verarbeiten im Ökozentrum und in den Partnerunternehmen regionale Produkte von hoher Qualität. Das neue Betriebskonzept zeichnet sich durch die Einheit von Bodennutzung, Agrarraumgestaltung sowie dörflicher und regionaler Entwicklung aus. Mit der Wiederherstellung und Neuanlage von Feldhecken, Baumreihen, Grassäumen und Streuobstwiesen wird der Agrarraum wieder Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Biokäse-Herstellung bei der ÖW-Ökozentrum Werratal/Thüringen Der neue Ökomarkt in Vachdorf verknüpft ökologische Produktion, Verarbeitung und Vermarktung mit Information und Tourismus. Das regelmäßig stattfindende Ökofest ist über Thüringen hinaus ein Besuchermagnet. Das Ökozentrum ist Triebfeder einer umweltverträglichen ländlichen Entwicklung, für die sich Unternehmen, die Gemeinden Vachdorf, Leutersdorf und Belrieth sowie Vereine und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam einsetzen. Stadt Ostritz-St. Marienthal und Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal Die Stadt Ostritz-St. Marienthal liegt zwischen Görlitz und Zittau, direkt an der Neiße, im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechische Republik. Die Region war vor der Wende durch Braunkohleabbau und Energiegewinnung aus Braunkohle geprägt und wurde früher als das "Schwarze Dreieck" bezeichnet.
Das Biomasse-Heizkraftwerk - wichtiger Baustein der Nach der Wende hat sich Ostritz gewissermaßen zu einem "Experten" im Bereich der Energieversorgung entwickelt: Die heutige "Energieökologische Modellstadt Ostritz-St. Marienthal" sieht eine autarke Energieversorgung auf der Grundlage regenerativer Energien vor. Die Stadt errichtete ein Biomasse-Heizkraftwerk, Solar- und Photovoltaikanlagen, einen Windpark, Wasserkraftwerke sowie eine Modellanlage zur Regenwassernutzung. Ostritz-St. Marienthal hat darüber hinaus weitere ökologische Projekte zu bieten wie beispielsweise eine Pflanzenkläranlage, den sanierten Marktplatz oder Energiesparmaßnahmen in der Schule. "Das wichtigste an den Projekten ist, daß damit den Menschen in unserer Stadt eine neue Hoffnung, eine neue Perspektive gegeben wurde," so Günter Vallentin, Bürgermeister der Stadt. Ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung in Ostritz-St. Marienthal ist die Arbeit des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal. Dieses Zentrum, mit Sitz im Kloster St. Marienthal, widmet sich insbesondere der länderübergreifenden Umweltbildung und der Information über Ergebnisse und Erfahrungen in Ostritz. |
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Dipl.-Ing. Cornelia Rösler |
Unternehmensverbund "Bioland Ranch Zempow" und Gemeinde Zempow
Die 135 Einwohner zählende Gemeinde Zempow liegt im strukturschwachen Norden Brandenburgs im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Das landwirtschaftlich geprägte Dorf und seine Einwohner waren nach der politischen Wende besonders vom Niedergang der LPG-Strukturen betroffen. Seitdem sich im Jahr 1992 junge Landwirte ansiedelten und der Unternehmensverbund "Bioland Ranch Zempow" gegründet wurde, werden 850 Hektar ertragsschwacher Böden in Form extensiver Weiderinderhaltung nach Bioland-Kriterien bewirtschaftet. Heute genießt Qualitätsrindfleisch aus Zempow auch über die Region hinaus einen guten Ruf.
Die Bioland Ranch Zempow, Unternehmensverbund für Öko-Land- Vielfältig sind auch Zempows touristische Angebote: Ferienwohnungen in Ökohäusern und auf alten Gehöften, Reitkurse, Radfahren, Bootstouren, Wanderungen in der Umgebung und vieles mehr. Mit Veranstaltungen über ökologischen Landbau, mit Umweltbildungsangeboten, Öffentlichkeitsarbeit, dörflicher Kommuni-kation und durch regionalen Erfahrungs-austausch wird in Zempow der Aufbau eines Zentrums für umweltgerechte Landentwicklung vorbereitet, in dessen Rah-men zukünftig verschiedene Modellvorhaben verwirklicht werden sollen. Unternehmen, Gemeinde, Vereine und Bürger verfolgen in Zempow ein gemeinsames Ziel: die zukunftsfähige Ortsentwicklung bei sinnvoller Nutzung örtlicher und regionaler Potentiale. Dr. Wilhelm Schäkel vom Unternehmensverbund hebt dies besonders hervor: "Die Potentiale Zempows sehen und entwickeln, das ist zum Motto unseres Dorfes geworden." |
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