Difu-Berichte 3/1998 - Nachhaltiges Wirtschaften

Werkstattberichte aus der ZukunftsWerkStadt:

Gesellschaftliche Integration


Leistungsfähige Infrastruktur


Politische Stabilität


"Nachhaltiges Wirtschaften"

Erfolgreichem Wirtschaften kommt, welches Gewicht ihm im einzelnen auch immer beigemessen wird, für die Entwicklung einer Gesellschaft eine zentrale Funktion zu. Indes besteht gleichzeitig weithin Einigkeit, daß die Belastung der Umwelt - insbesondere durch unser bisheriges Wirtschaften - ein Ausmaß erreicht hat, das energisches Gegensteuern nötig macht. Ein unauflösbarer Konflikt scheint hier offenkundig zu werden. Dabei ist es jedoch im Grundsatz unbestritten, daß eine übermäßige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen nicht nur die Umwelt gefährdet, sondern letztlich auch der Wirtschaft selbst die Basis entzieht.

Die Gesichter der kommunalen Szene zeigten, ...

Mit dem Leitziel der Nachhaltigkeit soll versucht werden, dieses Spannungsverhältnis zu überwinden und den Anforderungen gerecht zu werden, die an erfolgreiches Wirtschaften, schonenden Umgang mit der Natur und die Befriedigung sozialer Bedürfnisse gleichermaßen gestellt werden. Ein Blick auf die kommunale Ebene führt zwar einerseits zu der ernüchternden Erkenntnis, daß die Bedeutung nachhaltigen Wirtschaftens in den Städten bislang nur von wenigen als Thema wahrgenommen wird. Andererseits gibt es aber auch eine Reihe innovativer kommunaler Vorhaben und erfolgreicher Vorzeigeprojekte, so daß verhaltener Optimismus durchaus berechtigt erscheint.

Ein gutes Beispiel dafür, daß trotz beschränkter Möglichkeiten der Kommunen innovatives Handeln verbunden mit nachhaltigem Wirtschaften keine Worthülsen sind, stellen die von Frau Schimmack in ihrem Impulsreferat erläuterten mehrjährigen Aktivitäten der Stadt Nürnberg dar.
Die bisherigen Nürnberger Erfahrungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Eine wichtige Voraussetzung für Erfolge bei einer ökologisch orientierten städtischen Wirtschaftspolitik ist die Schaffung von Kooperationsstrukturen. Bei der Zusammenarbeit im Rathaus kommt es darauf an, daß die zuständigen Fachdienststellen (Umwelt-, Wirtschafts- und Baudezernat) eng zusammenarbeiten. Hierbei hat man gute Erfahrungen mit der Bildung dezernatsübergreifender Teams gemacht. Bei der unerläßlichen Kooperation mit Externen gilt es vor allem, die "richtigen Verbündeten" zu finden. Dies sind neben den Kammern vor allem Firmen, die auf dem Umweltmarkt aktiv sind.

Zentrale Handlungsbausteine stellen die Entwicklung von innovativen Konzepten und - damit verbunden - die Planung und Umsetzung ökologisch orientierter Projekte dar.

Der "strategische Unterbau" wird bislang aus vier Konzeptbereichen gebildet:

  • Branchenkonzepte (so beispielsweise zur Abfalltrennung auf Baustellen);
  • stoffbezogene Konzepte (zum Beispiel für Elektronikschrottrecycling);
  • umweltmedienbezogene Konzepte, z.B. zur Schaffung von "Energietischen" und CO
    2-Minderungsprogrammen;
  • die Herausstellung von Kompetenzfeldern der ansässigen Wirtschaft (wie Verkehrs- und Medizintechnik sowie Energie- und Umwelttechnik).

Bereits realisierte Projekte sind ein 1995 eröffnetes Second-Hand-Kaufhaus, die Belieferung und Entsorgung innerstädtischer Einrichtungen mit Elektrofahrzeugen im Rahmen des Projekts ISOLDE und eine Regionalagentur zur gezielten Vermarktung regionaler Produkte. Für das kommende Jahr ist (verknüpft mit der Regionalagentur) die Eröffnung eines Regionalkaufhauses vorgesehen.

... daß in der Veranstaltung trotz der ernsten Themen ...

Begrenzt werden die kommunalen Möglichkeiten eines nachhaltigen Wirtschaftens aus Nürnberger Sicht vor allem durch die Situation auf dem (regionalen) Arbeitsmarkt, durch einschneidende änderungen der stadtpolitischen Rahmenbedingungen ("Wachablösung" im Rat nach Kommunalwahlen) sowie durch Blockaden in der Verwaltung. Die Grenzen "Runder Tische" werden deutlich, wenn es darum geht, eine Vielzahl von Gewerbebetrieben erreichen zu müssen.

Die Zusammenarbeit zwischen den Zuständigen im Rathaus und privaten Firmen war eines von drei Themenfeldern, die in der Werkstattdiskussion behandelt wurden. In diesem Zusammenhang wurde besonders auf die ständig zunehmenden Belastungen gerade kleiner und mittlerer Unternehmen durch neue Vorschriften und Verordnungen verwiesen. Kooperation - auf dem Wege von Firmenberatung, als einer nach wie vor wichtigen Form der Bestandspflege - fällt hier eine zentrale Rolle zu, wobei Hilfen mit Blick auf die Entwicklung neuer Verfahren und Herstellung innovativer Produkte im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen müssen.

In einem weiteren Diskussionspunkt wurden die Chancen und Grenzen einer kommunalen Naturhaushaltswirtschaft ausgelotet, wobei ganz unterschiedliche Einschätzungen erfolgten. Optimisten hielten einen weitreichenden Verfahrensansatz, nämlich die relativ umfassende Koppe- lung zwischen städtischen Ausgaben und jeweiliger Ressourceninanspruchnahme, durchaus für möglich. Dem stand eine eher zurückhaltende Einschätzung des Machbaren gegenüber. So hielt Frau Schimmack eine Bilanzierung von Umweltwirkungen städtischer Aktivitäten nicht für möglich und sah nur Chancen für bescheidene Ansätze. Als ein Beispiel wurde öko-Controlling im kommunalen Haushaltswesen (etwa die Erfassung der Stromkosten im Rathaus) angeführt.

... auch Platz für Humor blieb.

Schließlich stand die grundsätzliche Frage nach den "neuen Qualitäten" nachhaltigen Wirtschaftens zur Diskussion: Wo findet man die "richtigen" Indikatoren für Nachhaltigkeit? Woher nehmen wir qualitative Ziele, wie werden diese dann realisiert? Die Suche nach Antworten gestaltet sich nicht einfach; die vorliegenden Erfahrungen sind derzeit noch begrenzt. So haben Städte zwar Umweltqualitätsziele erarbeitet, aber eine Erfolgskontrolle - so die Nürnberger Erfahrungen - ist bislang schwierig, weil es noch an konkreten Indikatoren mangelt. Bezug nehmend auf dieses Problem wurde vorgeschlagen, sich auf Umweltstandards zu einigen, wie beispielsweise sinkende Abfallmengen und konstanten Flächenverbrauch.

Insgesamt machte die Werkstatt deutlich, daß Nachhaltigkeit nicht "Umwelt über alles" bedeuten kann. Vielmehr müssen alle, auch der Umweltschutz, zu Kompromissen bereit sein und solche eingehen. Ein zentrales "Markenzeichen" für das Handeln aller Beteiligten müssen innovative Vorgehensweisen sein. Dies betrifft nicht nur die Aktivitäten in den Rathäusern und Firmen, sondern gerade auch die Zusammenarbeit von Städten und ihrer Klientel, den Wirtschaftsunternehmen.

Weitere Verweise auf diesen Beitrag: 
Zeitschriftenartikel - Gesellschaftliche Integration
Zeitschriftenartikel - Leistungsfähige Infrastruktur
Zeitschriftenartikel - Politische Stabilität