Difu-Berichte 3/1998 - Leistungsfähige Infrastruktur
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Werkstattberichte aus der ZukunftsWerkStadt:
Politische Stabilität
"Leistungsfähige Infrastruktur" Nach den grundlegenden Themen des Vortages waren Gespräche über Handlungsoptionen angekündigt, die eine übersetzung der oft abstrakten Leitbilder in konkretes Handeln ermöglichen sollten. In der Werkstatt "Leistungsfähige Infrastruktur" wurde das Hauptaugenmerk auf die Bereiche Telekommunikation und Verkehr gelegt. In seinem Impulsreferat faßte Rainer König, Deutsche Telekom AG, noch einmal die mit dem Begriff Informationsgesellschaft verbundenen Visionen und Leitbilder zusammen, betonte die Dynamik der Märkte im Informations- und Verkehrssektor und zeigte auch die Widersprüche dieser Entwicklungen auf. Gestaltungspotentiale wurden vor allem in der Weiterentwicklung von bisher überwiegend technologisch definierten Projekten zu nutzungsorientierten Konzepten gesehen. Eingeleitet und ergänzt wurde dieses Impulsreferat durch die Vorstellung eines Difu-Arbeitspapiers, das im Kern auf den Vergleich grundlegender Strukturen des materiellen Verkehrs und der Telekommunikation und das Aufzeigen von Analogien und Widersprüchen konzentriert ist. Die Diskussion entzündete sich an folgenden Fragen: Ist angesichts der kommunalen Verkehrsprobleme und der Entwicklungsdynamik der Informations- und Kommunikationstechnologien und -märkte eine veränderte Sichtweise notwendig und sind neue Aktivitäten der Kommunen in diesen Handlungsfeldern erforderlich? Können die Städte darauf verzichten, die neuen Möglichkeiten der Telematik aktiv mit eigenen Projekten zu entwickeln, um dadurch neue Potentiale zur Substitution von materiellem Verkehr zu erschließen? Muß vor diesem Hintergrund der Ausbau materieller Verkehrsinfrastruktur neu begründet werden? Und, das war die zweite kontrovers diskutierte Frage, muß der Erreichbarkeitsbegriff um die durch die Telekommunikation bezeichnete immaterielle Komponente erweitert werden? Muß die "immaterielle" Komponente gleichberechtigt neben die klassische materielle Erreichbarkeit gestellt werden?
Nach den Kurzreferaten beteiligten sich die Gäste rege an der Diskussion. Die engagierte Diskussion dieser Fragen ergab zunächst eine deutliche Betonung der Ungleichheiten von materieller und immaterieller Erreichbarkeit. Ein herausragendes Kennzeichen der Telekommunikation sei die weitgehende Homogenität der transportierten Informationen. Die zur Zeit beobachtete dynamische Entwicklung basiere zu einem erheblichen Anteil auf der Integration von Sprach- und Datenübermittlung. Eine entsprechende Homogenisierung sei bei der materiellen Erreichbarkeit, daß heißt im traditionellen Verkehr, nicht vorstellbar. Aber auch die den informationstechnischen Anforderungen genügende Homogenisierung komplexen und detailreichen Wissens scheitere häufig. Ein Grund dafür, daß Face-to-Face-Kontakte und persönliche Kommunikation ihre Bedeutung nicht verlieren würden. Es wurde außerdem darauf verwiesen, daß die zu erwartenden Substitutionen von materiellem Verkehr überwiegend von Entwicklungen der Telekommunikation abhingen, die kommunal wenig steuerbar seien und für die in den Kommunen auch nur unzureichendes Know-how vorhanden sei. Die Substitutionspotentiale seien außerdem sowohl räumlich als auch sozial und funktional sehr unterschiedlich verteilt und daher kommunaler Rahmensetzung nur schwer zugänglich. Wenn auch die Wirkungszusammenhänge zwischen materieller und immaterieller Erreichbarkeit in vielerlei Hinsicht unklar seien, so müsse aber doch von weiter ansteigenden Anforderungen an die materielle Erreichbarkeit gerade der attraktiven Städte ausgegangen werden. Dies setze in der Regel ein optimiertes, flächensparendes Verkehrssystem voraus, in dem die Bahn, der öffentliche Personennahverkehr (öPNV) und das Fahrrad eine größere Bedeutung als heute haben müßten. Der Vorschlag einer eher gleichwertigen Betrachtung von Telekommunikation und Verkehr wurde am Beispiel des baurechtlichen Erschließungsbegriffs diskutiert. Aus dieser Sicht sah die Mehrheit der Werkstatt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer Erschließungdefizite weniger bei der Telekommunikation als beim öPNV. Es wurde darauf hingewiesen, daß es dem Anlaß "25 Jahre Difu" und dem Leitmotto der Werkstätten (vom Leitbild zum konkreten Handeln) entsprechen würde, auch konkrete Vorschläge, wie z.B. "öPNV-Erschließung als Voraussetzung der Baugenehmigung", öffentlich hervorzuheben. Damit war die Diskussion des eingeschränkten Themas "Telekommunikation und Verkehr" wieder bei dem ursprünglichen umfassenden Werkstatt-Titel "Leistungsfähige Infrastruktur" angelangt. |

