Difu-Berichte 3/1998 - Gesellschaftliche Integration

Werkstattberichte aus der ZukunftsWerkStadt:



Nachhaltiges Wirtschaften

Leistungsfähige Infrastruktur


Politische Stabilität


"Gesellschaftliche Integration"

Im Workshop "Integration und Desintegration in der Stadt" standen sich zwei Perspektiven städtischer Zukunft gegenüber, eine analytische mit pessimistischen und eine planerische mit optimistischen Erwartungen an Integrationspotentiale der Stadt. Die pessimistische Perspektive einer durch Konflikte und Segregation geprägten Entwicklung war im Werkstattpapier formuliert worden, dem Klaus Wermker, Essen, Gegenbeispiele aus der Essener Stadtentwicklung gegenüberstellte. Obwohl für moderne Stadtgesellschaften eine gewisse Desintegration notwendig sei, wäre, so die These des Werkstattpapiers, auf politischer, ökonomischer und kultureller Ebene Integration gefährdet. Aus der Verlagerung von Entscheidungen auf Staat und Markt resultiere eine Reduktion von Partizipationschancen; Globalisierung und Dienstleistungswirtschaft könnten zu Polarisierungen führen; im Urbanen würde Allgemeinheit von der Dominanz privater Macht abgelöst, öffentlicher Raum durch Private angeeignet.

Rund 300 Gäste kamen am 17. und 18. September 1998
in die ZukunftsWerkStadt.

Obwohl er dem Werkstattpapier im Prinzip nicht widersprach, zeigte Klaus Wermker, daß einzelne Planungen den generalisierenden Analysen entgegenlaufen. Im Essener Stadtteil Katernberg werde im Rahmen des Landesprogramms "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf" eine Entwicklungsplanung betrieben, die sich nicht primär auf Bausubstanz und technische Infrastruktur konzentriere, sondern als umfassende Stadt- und Sozialplanung zu verstehen sei. In der "Katernberg-Konferenz" kooperieren verschiedene Institutionen (die Essener Universität, Kirchen, Träger der öffentlichen und privaten Wohlfahrt und ortsansässige Unternehmen) in Stadtteilprojekten und garantieren eine deutliche politische Integration. Ein Schwerpunkt aller Projekte liegt in der Entwicklung von Arbeitsplätzen, um der Arbeitslosigkeit, dem gravierendsten Auslöser für Armut, Benachteiligung und soziale Polarisierung, zu begegnen. Damit wird auch der ökonomischen Desintegration vorgebeugt. Einzelne Projekte befassen sich mit Um- und Neugestaltungen von Schulhöfen, die in den öffentlichen Raum geöffnet werden, so daß auch einer Monofunktionalität und privaten Aneignung des öffentlichen Raumes vorgebeugt wird. Die Einzelprojekte beziehen sich also auf die problematischen Ebenen städtischer Integration und relativieren pessimistische Perspektiven.

Die Diskussion konzentrierte sich zum einen auf Segregation, zum anderen auf die Beziehung von Wissenschaft und Praxis. Zur Segregation, deren gravierende Ausweitung und Vertiefung im Werkstattpapier behauptet wurde, wurde einerseits die Position vertreten, daß es sie in der Geschichte der Stadt immer gegeben habe, daß also städtische Siedlungsformen niemals wirklich kleinteilig durchmischt gewesen seien. Dem wurde entgegengehalten, daß eine Beurteilung von Segregation nicht ahistorisch, sondern nur in Relation zu kulturellen oder Verfassungsnormen zu treffen sei. Gehören materielle und Chancengleichheit zum Standard und würden sie durch Segregation nachhaltig beeinträchtigt, könne diese nicht hingenommen werden. Durch die Reduktion der Mittel im öffentlichen Wohnungsbau sei den Kommunen allerdings ein Instrument zur Begrenzung von Segregation genommen.

Zum Verhältnis von Wissenschaft und Praxis wurde der häufig spürbare Pessimismus der Wissenschaft kritisiert. Dem wurde entgegnet, daß Wissenschaft und Praxis unterschiedlichen Handlungsregeln folgen. Wissenschaft ziele auf Analyse von Wirkungszusammenhängen. Planung bearbeite Phänomene und Symptome. Aussagen der Wissenschaft seien Prognosen, von denen auch die Wissenschaft hoffe, daß sie - durch kleinteilige Praxis - gerade nicht eintreten.

Weitere Verweise auf diesen Beitrag: 
Zeitschriftenartikel - Nachhaltiges Wirtschaften
Zeitschriftenartikel - Leistungsfähige Infrastruktur
Zeitschriftenartikel - Politische Stabilität