Difu-Berichte 3/1996 - Demos liefert Orientierungswerte für kommunale Umfragen

Mündl Postal Schriftl. Telefon
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Befragungsanzahl 232 351 99 13
Median 74,2 55,3 62,0 53,4
Mean 71,3 55,3 59,9 53,8
Semiquartile Range 14,3 16,1 22,3 15,0
Standard deviation 20,0 21,9 26,8 20,9
Variationskoeffizient 28,1 % 39,6 % 44,8 % 38,8 %

Das Difu ermöglicht mit seiner DEMOS-Datenbank einen Überblick über kommunale Umfragen. Diese Datenbank enthält standardisierte Beschreibungen von Befragungen, die von Kommunen oder in deren Auftrag unternommen wurden. Darüber hinaus weist DEMOS Befragungen von kommunaler Relevanz nach, die von Dritten - zum Beispiel kommunal orientierten Forschungseinrichtungen - veranlaßt wurden. Dadurch ermöglicht die DEMOS-Datenbank eine Mehrfachnutzung von Befragungsergebnissen und Umfrage-Erfahrungen durch Praxis und Wissenschaft. Zum Informationsangebot DEMOS gehören neben den standardisierten Umfragebeschreibungen auch der Hinweis auf Quellen mit veröffentlichten Befragungsergebnissen sowie eine umfangreiche Sammlung von Fragebogen, die in der Umfragenpraxis erprobt wurden. DEMOS enthält mittlerweile über 1000 standardisierte "Steckbriefe" kommunaler Umfragen, der Jahreszugang beträgt etwa 50 zusätzliche Befragungsnachweise.

Auf der Grundlage dieser Sammlung wurde damit begonnen, DEMOS nicht nur als Hinweisdatenbank, sondern darüber hinausgehend als Analyseinstrument zur Untersuchung methodischer Eigenschaften kommunaler Umfragen einzusetzen. Mit Hilfe der deskriptiven Statistik (Mittelwerte, Streuungsmaße) können Orientierungswerte beispielsweise zu folgenden Fragen gewonnen werden: Wie groß ist bei Bürgerbefragungen die durchschnittliche Befragtenanzahl? Wie viele Betriebe beteiligen sich an kommunalen Betriebsbefragungen? Hat sich die Antwortbereitschaft bei freiwilligen Befragungen in den letzten Jahren verändert? Welche Rücklaufquoten sind bei postalischen Befragungen zu erwarten? Welche Eigenschaften haben Befragungen, die besonders hohe (bzw. niedrige) Rückläufe erbrachten? Gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen der Länge eines Fragebogens und der Kooperationsbereitschaft der Befragten?

Diese Beispiele illustrieren die vielfältigen Möglichkeiten der Verwendung der DEMOS-Datenbank als Analyseinstrument für Untersuchungsfragen, die sich aus dem standardisierten Schema der Umfragebeschreibung ableiten lassen. Die jeweils gewonnenen statistischen Werte beziehen sich auf die in der Datenbank gespeicherten Befragungsfälle und können keinen darüber hinausreichenden Gültigkeitsanspruch erheben.

Die folgende Tabelle zeigt, welche Ausschöpfungsquoten auf der Grundlage von 695 Befragungsbeispielen aus der Datenbank DEMOS beobachtet werden können, wobei zusätzlich nach Befragungsweisen unterschieden worden ist.

Die Durchschnittswerte zeigen eine deutlich höhere Ausschöpfung bei Befragungen, für die mündliche Interviewer eingesetzt werden, gegenüber anderen Befragungsweisen. Damit wird die "Lehrbuchmeinung" durch die Umfragepraxis bestätigt, nach der der höhere Erhebungsaufwand durch größere Stichprobenausschöpfungen belohnt wird. Bei der Gruppe der telefonischen Befragungen ist zu beachten, daß den Werten bisher lediglich 13 Befragungsbeispiele zugrunde liegen. Da es sich bei dieser Befragungsart um eine immer häufiger praktizierte Art der Datengewinnung handelt, ist für die Zukunft ein stärkerer Ausbau dieses Datenbanksegments geplant.

Eine Orientierungsfunktion haben die Durchschnittswerte (Medianwert, arithmetisches Mittel) nur unter Berücksichtigung der ebenfalls in der Tabelle nachgewiesenen Streuungsmaße. Hinter den jeweils erzielten Rückläufen verbergen sich sehr unterschiedlich intensive Bemühungen, die Kooperationsbereitschaft der Befragten zu erhöhen: Hierzu zählen die verschiedensten Instrumente wie Fragebogengestaltung, Art des Anschreibens, Erinnerungsaktionen sowie Öffentlichkeitsarbeit, mit denen Befragungen gestaltet werden können. Der am Merkmal des Rücklaufs gemessene Erfolg einer Befragung kann hierdurch in erheblichem Umfang geplant und beeinflußt werden.

Die Ausschöpfungs- und Rücklaufquoten haben sich im Zeitablauf verändert. Die nebenstehende Graphik illustriert diese allgemeine Tendenz anhand einer Aufschlüsselung der Rückläufe nach dem Erhebungsjahr über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren. Dabei ist zu berücksichtigen, daß das Instrument der Telefonbefragung erst seit wenigen Jahren in Deutschland eingesetzt wird.

Die Graphik macht eine allgemeine Tendenz des Rückgangs der Kooperationsbereitschaft der Befragten deutlich, in der eine Reaktion auf die "Flut" von Befragungen aller Art gesehen werden kann. Sie zeigt aber auch, daß dieser allgemeine Trend in recht unterschiedlicher Weise in den verschiedenen Befragungsweisen sichtbar wird. So fällt auf, daß das Instrument der postalischen Befragung im Zeitablauf eher stabile Rückläufe erzielt, während der Vorsprung der aufwendigen mündlichen Befragungen abnimmt. Insgesamt deuten diese DEMOS-Erfahrungswerte darauf hin, daß kommunale Umfragen auf freiwilliger Grundlage der Beteiligung einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung bedürfen, wenn künftig befriedigende Rückläufe erzielt werden sollen. In weiteren Analysen kann beispielsweise belegt werden, daß vor allem bei Betriebsbefragungen - etwa für den Bereich der kommunalen Wirtschaftsförderung - gravierende Rücklaufverschlechterungen im Zeitablauf beobachtet werden.

Die hier in Kurzfassung mitgeteilten Beispiele sollen illustrieren, wie eine zunächst als Fachinformationsinstrument eingerichtete Datenbank mittlerweile zusätzlich als Analyseinstrument verwendet werden kann. Als "Werkbank" ist sie vor allem zur Untersuchung von Fragen geeignet, für deren Beantwortung die Möglichkeit des EDV-gestützten Zugriffs auf größere Mengen von Befragungsbeispielen sinnvoll ist. Die gewonnenen statistischen Kennziffern sind zwar an den jeweils eingearbeiteten Datenbankinhalt gebunden und in diesem Sinne keine Richtwerte. Sie ermöglichen aber eine orientierende Zuordnung von Merkmalen einzelner Befragungen zur Praxis der kommunalen Umfrageforschung in einer großen Bandbreite.

Für den weiteren Ausbau der DEMOS-Datenbank bittet das Difu die "Erheber" kommunaler Umfragen um die Zusendung von Befragungsberichten, die ein Minimum an methodischen Informationen sowie ein Belegexemplar des verwendeten Fragebogens enthalten sollten.

Kontaktanschrift:

Deutsches Institut für Urbanistik,
Arbeitsbereich Information und Dokumentation, Datenbank DEMOS
Straße des 17. Juni 112
10623 Berlin.