Difu-Berichte 3/1996 - Archiv für Kommunalwissenschaften

Zukunftsaufgabe "Kommunale Gesundheitsberichterstattung"

Christian von Ferber

Gesundheitsberichte sind Berichte über die gesundheitliche Lage der Bevölkerung sowie den Stand und die Kosten der Versorgung. Sie sind kein Selbstzweck, sondern dienen der Gesundheitspolitik. Kommunale Gesundheitspolitik integriert einerseits die verschiedenen gesundheitlichen Aufgaben der Gemeinden, andererseits verdeutlicht sie den Funktionszuwachs der kommunalen Entscheidungsebenen im Gesundheitswesen. In dieser Situation sind die bislang nur vereinzelt vorliegenden Gesundheitsberichte ein Indikator für das Problembewußtsein und die Handlungsbereitschaft der Kommunen im Gesundheitswesen.

Exmissionen und Obdachlosenwohnungen

Karl Christian Führer

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die deutschen Gemeinden durch die Obdachlosigkeit von Familien mit einem neuen sozialen Problem konfrontiert. Sie reagierten darauf mit der Errichtung spezieller Obdachlosenwohnungen. Dies hatte zur Folge, daß ihnen diese Problemfälle des Wohnungsmarkts nunmehr dauerhaft zur Last fielen. Infolgedessen entstand ein differenziertes System von "Erziehungswohnungen", dem die Absicht der sozialen Disziplinierung obdachloser Familien zugrunde lag. In der NS-Zeit wurden die kontrollierenden und selektierenden Elemente dieser Fürsorgepolitik weiter ausgebaut und verschärft.

Komplexitätsverarbeitung in der Planung

Dietrich Fürst

Ausgangspunkt ist die Frage, wie objektiv Planer in ihrem Handlungsfeld mit der sehr engen Verschränkung von normativen und empirischen Informationen die Wirklichkeit abzubilden vermögen. Des weiteren wird als Bestandteil der aktuellen Planungsdiskussion ein wieder aufkommendes Unbehagen über unkontrollierte "Planermacht" thematisiert. Planung ist zwar formal demokratisch kontrolliert, angesichts der Komplexität der Materie wächst dem Planer jedoch zunehmend Definitionsmacht zu. Zwei Lösungsansätze zeichnen sich ab: zum einen die Postulierung einer neuen Planungsethik, zum andern das Verständnis von Planung als ein sich selbst kontrollierender Diskursprozeß.

Der Weg zur Stadt der kurzen Wege

Johann Jessen

Ist die große Popularität des Leitbilds der "kompakten Stadt" gerechtfertigt? Der empirische Befund läßt Zweifel daran aufkommen, daß die hohen städtebaulichen, ökologischen und sozialen Erwartungen, die an verdichtete und funktionsgemischte Stadtstrukturen herangetragen werden, gerechtfertigt sind. Ökonomische, technologische, soziale und stadtstrukturelle Aspekte des Wandels laufen dem Leitbild der "kompakten Stadt" eher zuwider. Auch etablierte Ressortpolitik und derzeitige rechtliche Rahmenbedingungen tragen zu einer eher skeptischen Bilanz bei.

Bedingungen einer erfolgreichen Konsolidierungspolitik der Kommunen

Heinrich Mäding

Der Beitrag differenziert die Bedingungen der Haushaltskonsolidierung (notwendige/nützliche, einheitliche/uneinheitliche, gestaltbare/nicht gestaltbare) und definiert eine Konsolidierungspolitik als erfolgreich, die ein Programm entwickelt und umsetzt, das dauerhafte Konsolidierungsbeiträge leistet, unabhängig von der Höhe der Finanzierungssalden. In den Gemeinden fallen diese Bemühungen zur Zeit bekanntlich zusammen mit einem umfassenden Prozeß kommunaler Verwaltungsmodernisierung; sie führen deshalb zu tiefgreifenden Veränderungen bis hin zu Konsequenzen für die Machtverteilung auf lokaler Ebene.

Regionale Kommunalverbände: Herkommen und Wandel

Christoph Mecking

Die wesentlichen "Typen" regionaler Kommunalverbände sind aus einer bayerischen sowie einer preußischen Entwicklungslinie entstanden. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Existenz gefährdet, überlebten sie mit ähnlichen Funktionen und Strukturen in den größeren Bundesländern, für die sie zum Teil heute wichtige Integrationsleistungen erbringen. In der Verwaltungsreformdiskussion ist ihr Entwicklungsspielraum angesichts ihrer Konkurrenz gegenüber Land, Städten und Kreisen unter landes- wie europapolitischen Vorzeichen allerdings als eher gering einzuschätzen. Als Reformmaßnahmen zur Stärkung der regionalen Kommunalverbände werden die Aufwertung und Abrundung ihres Kompetenzbereichs und die Einführung der unmittelbaren Wahl zur Verbandsversammlung empfohlen.