Difu-Berichte 2/2009 - 40 Prozent weniger CO2 – (k)ein Problem?

40 Prozent weniger CO2 – (k)ein Problem?

Abbildung Difu-Impulse-HeftDas Ziel einer Reduzierung der klimaschädlichen CO 2-Emissionen fordert die Kommunen auch im Verkehrssektor heraus. Hohe Emissionen entstehen nicht, wie oft vermutet, nur auf langen Distanzen im Fernverkehr: Dreißig Prozent der CO 2-Emissionen des Straßenverkehrs entstehen durch Kurzstreckenfahrten und regional. Trotz aller bisherigen Bemühungen um eine nachhaltige Verkehrspolitik wurde im  Verkehrssektor noch keine Trendwende erreicht. Die durch Neubaugebiete verursachte Verkehrsnachfrage, zunehmende Pendlerdistanzen und dezentrale Konzentrationsprozesse verursachen ein höheres Verkehrsaufkommen und damit mehr CO 2-Emissionen. Zudem führt die steigende Attraktivität von Innenstädten und zentralen Orten als Geschäfts-, Freizeit- und Wohnstandort zu steigenden Ein- und Auspendlerzahlen. Die durch die „Abwrackprämie“ geförderte Verjüngung der Fahrzeugflotte kann jedoch den großen Anteil von Fahrzeugen der Ober- und Mittelklasse noch nicht kompensieren.

Das Motto „40 Prozent weniger CO 2 – (k)ein Problem?” der als Difu-Impulse-Band dokumentierten gemeinsamen Fachtagung des Deutschen Städtetages, des Umweltbundesamts und des Deutschen Instituts für Urbanistik orientierte sich am CO 2-Ziel der Bundesregierung, die klimaschädlichen Emissionen bis 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu reduzieren. Zwölf Beispiele zeigen, dass sich dieses Ziel mit mutigen integrierten Strategien erreichen lässt.

Studien und Praxisbeispiele aus Zürich, der Region Hannover, München und Berlin belegen, dass die Kommunen durch Verdichtung im Städtebau und intelligentes Flächenmanagement den Trend zur Zersiedlung stoppen und den Verkehrsaufwand senken, durch Kampagnen und bessere Infrastrukturen den Rad- und Fußverkehr steigern und durch Mobilitätsmanagement und Förderung des ÖPNV Verhaltensänderungen bei Autofahrern bewirken können.

Die Bundesregierung unterstützt die Kommunen im Rahmen ihres Klimaschutzkonzepts dabei unter anderem mit Investitionshilfen im Umfang von jährlich 400 Mio. Euro aus den Versteigerungserlösen für CO 2- Verschmutzungsrechte. Staatssekretärin Astrid Klug verwies auf eine neue bundesweite Kampagne für  emissionsfreie Mobilität mit dem Rad und zu Fuß auf Kurzstrecken („Zero emission mobility“). Im Rahmen des Klimaschutzprogramms richtet sich ein Aktionsprogramm „Mobilitätsmanagement“ an Unternehmen und Kommunen, eine Initiative zielt auf die Marktdurchdringung klimafreundlicher Produkte im Rahmen der kommunalen Beschaffung, und es gibt eine Förderung von Linienbussen mit Hybridantrieb.

Über das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung hinaus sind zusätzliche Anstrengungen erforderlich, um weitere fünf bis 15 Mio. Tonnen CO 2 pro Jahr einzusparen. Das diskutierte Maßnahmenspektrum umfasst

  • die Förderung von Rad- und Fußverkehr zur Substitution kurzer Autofahrten,
  • Ausbaumaßnahmen und Angebotsverbesserungen im ÖPNV,
  • die Steigerung des Pkw-Besetzungsgrades, insbesondere in Städten mit vielen Ein- und Auspendlern,
  • ein Tempolimit von 30 km/h in den Städten und ein generelles Tempolimit auf Autobahnen,
  • den Umbau der Straßenräume, die in erster Linie nicht mehr verkehrlich, sondern städtebaulich bemessen werden sollten, um auch den hohen Ansprüchen von Senioren und den oft ähnlichen Ansprüchen der Kinder zu genügen.

Die Umsetzung strategischer, zielorientierter Konzepte erfordert neue Partnerschaften und die Lösung von Zielkonflikten: beispielsweise das Zusammenwirken von Bauleitplanung, der Aufgabenträgerschaft für Parkplätze und der ÖPNV-Aufgabenträgerschaft sowie gemeinsame Strategien für den Straßenverkehr von Gemeinden, Ländern und Bund. Um mehr Flächen für Fußgänger nutzen zu können, muss über die Flächenaufteilung insgesamt neu nachgedacht und mehr Flächen müssen dem Seitenraum zugeschlagen werden, anstatt Straßen zu verbreitern.

Das Fazit von Prof. Dr.-Ing. Klaus J. Beckmann macht Mut: „Das Zeitfenster für ein Umdenken und Umsteuern der kommunalen Verkehrspolitik hat sich durch die Finanzkrise und die Diskussion über die  Klimaschutzthematik geöffnet. Wir sind jetzt in der glücklichen Lage, auch über solche Themen kreativ nachdenken zu können“.

Weitere Informationen:

Dipl.-Volksw. Tilman Bracher Telefon: 030/39001-260 E-Mail: bracher@difu.de

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