Difu-Berichte 2/2008 - Mediennachlese
... Inzwischen, sagt Gregor Jekel, „ist man davon abgekommen, sich allein pragmatisch mit Stadtentwicklung zu befassen“. Früher habe man ein Leitbild gefunden, das man dann alsbald zu realisieren versucht habe. Die „autogerechte Stadt“ etwa. ... heute sehe man sich in Metropolen nunmal mit komplexeren Fragestellungen konfrontiert. Und treffe gleichzeitig auf Kommunen, die den gegenwärtigen Prozess einer Renaissance der Städte als Gewinn verständen. ... Mittlerweile verstünden sich die großen Städte in der Bundesrepublik anders als noch in Krisenzeiten zu Beginn des 21. Jahrhunderts längst nicht mehr als „Bittsteller“, da die kommunale Finanzlage längst entspannter geworden sei. ... Die Entwicklung der Gegenwart ist wesentlich ein städtischer Prozess. An allen Ecken der Republik. Am Deutschen Institut für Urbanistik hatte man die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. Und so entstand um das Jahr 2000 herum der Forschungsverbund „Stadt 2030“. Ein Vorhaben, dass sich ausdrücklich nicht auf Prognosen stützen wollte, dass keine Zukunftskonzepte für 2030 schaffen wollte, ... . Wie also, anders gesagt, sich Stadt planen lasse, ohne sich allein auf ein einziges Vorhaben, etwa den Verkehr, zu beschränken. Eben flexibler zu sein. Keine kleine Sache, ist Geograf Jekel überzeugt, aber eine, die durchaus Kraft entfalten könne. Gerade im Sinne des Bürgers. Dann nämlich stellten sich Möglichkeiten seines Einwirkens auf städtische Prozesse noch einmal ganz anders. FR 27.05.2008
Weil über Jahre wegen geringer Steuereinnahmen Schmalhans Küchenmeister war, schieben Städte und Gemeinden derzeit nach einer … Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik einen Investitionsstau von rund 70 Mrd. Euro vor sich her. … Für Panik besteht gleichwohl kein Anlass, betonten … sowohl der Leiter des Instituts, Klaus J. Beckmann, als auch die Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages, Petra Roth. „Im Durchschnitt liegt der Finanzbedarf bei rund 47 Mrd. Euro im Jahr.“ Das seien nur 7 Milliarden Euro mehr, als die Städte und Gemeinden etwa 2005 ausgegeben hätten. So dramatisch sei die Lage also gar nicht, betonte Beckmann. …Dabei könnten nach der Analyse des Instituts für Urbanistik leicht 15 Prozent des gesamten Investitionsvolumens … über PPP gestemmt werden. Rund die Hälfte des aktuellen Nachholbedarfs von 70 Mrd. Euro ließen sich … durch mehr Effizienz und die Einbindung privater Investoren erreichen. … Den größten Finanzbedarf sieht das Institut für Urbanistik mit 161 Mrd. Euro beim Straßenbau, gefolgt von den Schulen mit 73 Mrd. Euro, dem Abwassernetz mit 58 Mrd. Euro und dem öffentlichen Nahverkehr mit 38 Mrd. Euro… Handelsblatt, 22.4.2008
… Die Straße als Sinnbild für Modernität das gilt heute nicht mehr. In Köln haben sich 33 Unternehmen zusammengefunden, um einen Masterplan für die Stadtentwicklung zu finanzieren… . Ein Umdenken hat eingesetzt: „Die Städte bemühen sich wieder mehr darum, die Qualität ihrer Stadtkerne zu verbessern“, urteilt der Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), Klaus Beckmann. Mit Parkanlagen, verkehrsberuhigten Straßen und grünen Stadtvierteln machen die Kommunen das Wohnen im Zentrum wieder attraktiv. „Früher bauten sich junge Familien ihre Häuser am Stadtrand, weil es in der Innenstadt keine Wohnmöglichkeiten für sie gab. Aber die Menschen wollen nicht mehr ins Umland flüchten“, sagt Beckmann. Bereits vor zwei Jahren sorgte eine Untersuchung des Berliner Instituts unter dem Titel „Wohnen in der Innenstadt – eine Renaissance?“ für Aufsehen. ... Eine aktuelle Untersuchung untermauert die Ergebnisse. „Die Tendenzen, die sich vor zwei Jahren angedeutet haben, finden sich in der neuen Studie durch die Bank bestätigt. Da hat sich ein Trend umgekehrt, der Jahrzehnte nur in die andere Richtung zeigte“, berichtet Beckmann… . FAZ.net, 16.04.2008
Künstler und Kreative entdecken und erschließen zumeist als Erste neue Quartiere in Berlin. Wie derzeit in Wedding oder dem nördlichen Neukölln. … Vor dem Mauerfall saß die Szene in Kreuzberg, es folgten Prenzlauer Berg und Mitte, momentan verändert sich Friedrichshain. „Vorweg gehen immer die Pioniere, die neue Orte erst erschließen“, sagt Busso Grabow, Experte für Stadtentwicklung am Deutschen Institut für Urbanistik (Difu). Künstler und Kreative, Punks, Studenten und Hausbesetzer, die nicht viel Geld haben, suchen Orte, an denen sie Freiräume haben. „Also große Wohnungen und Ateliers, die nicht so teuer sind, in denen sie ihre Lebensformen leben können.“… In den damals noch unsanierten Altbauten fanden die Kreativen jene Räume, die sie suchten. Bald folgten ihnen kleine Kneipen und Cafés. „Es spricht sich schnell herum, wenn sich in einem Bezirk etwas tut“, sagt Grabow. Und schließlich folgten der alternativen Szene jüngere Leute mit mehr Geld. Werber, Architekten, Journalis ten, die sogenannte Mittelschicht. … An diesem Punkt ist jetzt auch Friedrichshain angekommen. „Es hat eine Aufwertung stattgefunden“, sagt Grabow, „doch von den Pionieren, den Entdeckern des Stadtteils, wird diese Aufwertung als Abwertung empfunden.“ Sie können zum Teil die steigenden Mieten nicht mehr bezahlen oder haben nicht mehr den Raum, den sie gesucht haben. „Also wandert die Szene wieder ab...“, Berliner Morgenpost, 13.4.2008
Neue Baugebiete bedingen nicht immer zusätzliche Einnahmen. Im Gegenteil. Zu diesem Ergebnis kommen die Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Urbanistik in Berlin in einer neu veröffentlichten Studie. ... Jeden Tag wurden im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg etwa 9,4 Hektar für Verkehrs- und Siedlungszwecke genutzt … . Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) nennt diese Entwicklung „besorgniserregend“. Es handele sich um einen „Verlust für Natur und Umwelt“ und gehe zulasten der Böden sowie der biologischen Artenvielfalt. … nicht allein der Umweltschutz spielt eine Rolle bei der Frage, ob Kommunen neue Baugebiete ausweisen sollten. In einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) wird zudem in Frage gestellt, ob sich solche Maßnahmen fiskalisch überhaupt lohnen. Schließlich müssten die Kommunen im Vorfeld einiges investieren, um neue Ansiedlungen zu ermöglichen. ... Aber auch neue Gewerbegebiete wären häufig ein Verlustgeschäft, sagt Difu-Projektleiter Michael Reidenbach. Der Diplom-Volkswirt ist deshalb der Meinung: „Kommunen sollten sich auf die Innenentwicklung konzentrieren. Das kann Kosten sparen.“ Staatsanzeiger Baden-Württemberg, 7.4.2008
... Festschriften haben es bisweilen schwer, eine breite Leserschaft für sich zu gewinnen, sind sie doch durch die Auswahl der Autoren und der Themen oftmals sehr eng auf den zu Ehrenden und sein Fachgebiet ausgerichtet. In dieser Hinsicht bietet die vorliegende Sonderveröffentlichung des Difu eine Ausnahme: Für das Werk konnten 40 namhafte Autoren aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft gewonnen werden, die zum „Brennpunkt Stadt” mit ihren Beiträgen aktuelle raumordnerische, demografische, ökonomische und stadtstrukturelle Fragestellunge aufgreifen ... Das Buch kann daher all denjenigen uneingeschränkt empfohlen werden, die sich zu den drängenden, aktuellen Entwicklungsfragen der Städte fundiert informieren wollen. Sie finden in der vorliegenden Sonderveröffentlichung des Difu zahlreiche, äußerst anregende Beiträge. Flächenmanagem. & Bodenordnung, H.2-08
...In den internationalen Großstädten macht derzeit eine „neue alte“ Wohnform von sich reden, die sogenannten Townhouses. Als gereihte, städtische Wohnhäuser konzipiert, zeigen sie mit ihren individuellen Fassaden und schmalen Grundflächen über mehrere Wohnebenen mit Dachterrasse und Garten, wie man in den Innenstädten modern wohnen kann. … Bundesweit liegen Townhouses voll im Trend. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik sind es gerade die Angehörigen der gehobenen Mittelschicht, die „immer weitere Teile der Innenstadt besetzten und damit einen allgemeinen Imagewandel des Innenstadtwohnens“ einleiten. „In den Sechzigern waren die Menschen voller Anerkennung, wenn jemand einen Bungalow in einer Siedlung besaß“, erklärt ihr Verfasser Hasso Brühl. „Heute bewundern wir die Menschen mit großen Wohnungen in der Innenstadt.“ Und er nennt einen wichtigen Grund dafür: „Das Familienleben ist zunehmend schwer zu organisieren, wenn man täglich im Verkehrsstau steckt.“ Brühls Fazit: „Kind und Karriere lassen sich in der Stadt viel besser vereinbaren als im Speckgürtel.“… Weser Kurier, 5.4.2008
…Die jüngste Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zum Beispiel dokumentiert, dass sich der Prozess der so genannten „Suburbanisierung“ seit den 1990er Jahren deutlich verlangsamt hat. Das „Häuschen im Grünen“ gilt nicht mehr als Zielort des Wünschens … . Jetzt sind andere Träume dran. Die Dachterrasse in einem bürgerlichen Stadtquartier zum Beispiel. Oder das Wohnen in einem sanierten Gründerzeithaus. … Wie die Difu-Forscher herausgefunden haben, gilt die Innenstadt nämlich keineswegs von vorneherein als familien- oder kinderfeindlich. Die Abwanderung hatte bisher vor allem finanzielle Gründe. … Die Bewegung zurück ins Urbane ist allein schon durch die Demografie programmiert. So hat für die zunehmende Zahl der allein Lebenden das Hausen draußen wenig Sex-Appeal. Die Digitalisierung des Arbeitslebens hat auch keine nennenswerte Zahl landliebender Nomaden produziert. Und auch die Alten … organisieren sich ihr Leben lieber auf kurzem Weg. ... Wer genau hinschaut bemerkt, dass die Wirtschaft die Umzugspläne nachvollzieht. Die Supermarktketten öffnen wieder Filialen in der Innenstadt. Die Immobilienwirtschaft steckt mitten in der Trendwende. Die Mieten in gutsituierten Vierteln der Städte steigen und mit ihnen wächst ein neuer Verdrängungswettbewerb der ärmeren Schichten. … Die Rheinpfalz, 20.2.2008
