Difu-Berichte 2/2008 - Clusterinitiativen und Netzwerke: Handlungsfelder der Wirtschaftsförderung
Clusterinitiativen und Netzwerke
Handlungsfelder der Wirtschaftsförderung
Der Begriff „Cluster“ ist in der kommunalen Wirtschaftspolitik zwar in aller Munde, verstanden werden darunter aber sehr unterschiedliche Strategien, Konzepte und Initiativen. Mittlerweile ist eine Vielzahl von lokalen und regionalen Clusterinitiativen und Netzwerken entwickelt worden, die sich im Ansatz, in ihren Zielen, in Finanzierung, räumlichem Zuschnitt, Kooperationsformen usw. durchaus unterscheiden. Deutlich wird aber bei allen Unterschieden auch, dass Clusterinitiativen und Netzwerke keine „Schönwetter-Veranstaltungen“ sind für Kommunen, die „sonst schon alles haben“. Sie sind häufig als Reaktion auf ökonomischen Strukturwandel, krisenhafte Entwicklungen oder Strukturbrüche entstanden. Sie knüpfen an vorhandene oder behauptete Stärken an, die (weiter)entwickelt werden sollen. Sie stellen damit eine wichtige Funktion im Rahmen der strategischen Neuaufstellung von Städten und Regionen dar. Bei der Entwicklung lokaler und regionaler Clusterinitiativen und Netzwerke steht die kommunale und regionale Wirtschaftsförderung immer „im Spagat“ zwischen Unternehmensnutzen und regionalpolitischem Nutzen. Die dabei verfolgten Konzepte entwickeln sich hin zu einer fortschreitenden thematischen Spezialisierung und der Erschließung neuer Kompetenz- und Technologiefelder. Der Erfolg von Clusterinitiativen und Netzwerken hängt aber nicht nur von den Themen und Technologien ab, sondern entscheidend vom Engagement der Akteure und der Entwicklung einer vertrauensvollen Kommunikationskultur in den Clusterinitiativen und Netzwerken sowie der Lernfähigkeit von Netzwerken wie Personen.
Das Deutsche Institut für Urbanistik hat sich in unterschiedlichen Zusammenhängen (Studien, Umfragen, Seminaren, Aufsätzen usw.) seit den 1990er Jahren mit der Entwicklung kompetenz- und technologiefeldorientierter Ansätze der kommunalen Wirtschaftspolitik beschäftigt. In dem jetzt in der Reihe „Edition Difu“ erscheinenden Band „Cluster in der kommunalen und regionalen Wirtschaftspolitik – Vom Marketingbegriff zum Prozessmanagement“ werden die unterschiedlichen Facetten der Entwicklung von Clusterinitiativen beleuchtet.
Die Beiträge des Bandes
- bilden den Status Quo kommunaler Wirtschaftsförderungsaktivitäten im Bereich der Clusterinitiativen ab,
- stellen Grundlagen der Entwicklung von Clusterstrategien und -konzepten dar,
- zeigen konzeptionelle Ansätze sowie gute Beispiele und
- erläutern die Funktionsweise von Werkzeugen für Clusterentwicklung und -management.
Das Konzept des Bandes spiegelt damit die Entwicklung in Wissenschaft und Praxis wider: Die Wissenschaft ist dabei für das eklektische Konzept der „Cluster“ ein Theoriegebäude zu entwickeln, dessen erste Bausteine bereits vorhanden sind. Die Wirtschaftsförderungspraxis kümmert sich immer stärker nicht nur um die Identifizierung und Initiierung von Cluster- und Netzwerkinitiativen, sondern auch um deren Verstetigung und Weiterentwicklung. Sie ist dabei – neben guten Beispielen – in zunehmendem Maße auch auf Instrumente zur Entwicklung und zum Management von Clusterinitiativen angewiesen. Gleichzeitig verstärkt sich die kritische Auseinandersetzung mit Clusterinitiativen als Instrument der lokalen und regionalen Wirtschafts-, Technologie- und Innovationspolitik, wenn von „policy driven cluster“ oder noch deutlicher „wishful thinking cluster“ die Rede ist.
Der Band soll einen Überblick über aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zum Thema „Cluster in der kommunalen und regionalen Wirtschaftspolitik“ liefern und kann gleichzeitig nur Ausschnitte aus einer Vielfalt von Forschungsergebnissen und Praxiserfahrungen aufzeigen. Er umfasst neben einer thematischen Einführung eine Vielzahl von Beiträgen rund um das Thema:
- Holger Floeting und Daniel Zwicker-Schwarm (Difu) zu Clusterinitiativen und Netzwerken als Handlungsfeldern lokaler und regionaler Wirtschaftspolitik
- Christian Ketels (Harvard Business School) zur internationalen Erfahrungen der Clusterentwicklung als Element lokaler und regionaler Wirtschaftsentwicklung
- Matthias Kiese (Ludwig-Maximilians-Universität München) zu Clusterkonzepten zwischen Theorie und Praxis
- Utz Ingo Küpper (ehem. Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung Dortmund) zur Mobilisierung von Entwicklungspotenzialen über Clusterstrategien und neue Governance-Anforderungen an Städte und Netzwerke
- Ricarda Pätzold (Technische Universität Berlin) und Guido Spars (Bergische Universität Wuppertal) zum Stand und zu den Herausforderungen länderübergreifender Wirtschaftscluster
- Christian Hartmann (Joanneum Research Graz) zur Lernfähigkeit von Netzwerken und Konsequenzen für die lokale und regionale Netzwerkförderung
- Arno Brandt (Nord-LB Norddeutsche Landesbank) zu regionalen Clusterprozessen zwischen Effizienzvorteilen und Marktversagen
- Gisela Philipsenburg (Bundesministerium für Bildung und Forschung) zur Clusterförderung im Rahmen der Hightech-Strategie für Deutschland
- Stefan Wimbauer (Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie) zur bayerischen Clusterinitiative „Allianz Bayern Innovativ“
- Ingrid Walther (Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Berlin) zu technologieorientierten Vernetzungskonzepten am Beispiel des Berliner „Projekt Zukunft“
- Maria Franck (Amt für Wirtschaft und Liegenschaften, Landeshauptstadt Wiesbaden) und Manuela Wehrle (European Business School, Supply Management Institute) zu Netzwerkinitiativen im Dienstleistungsbereich am Beispiel der Kompetenznetze Consulting und Logistikwissen
- Christian Sommer (Musikpark Mannheim GmbH) zum Mannheimer Modell, einem musikwirtschaftlichen Cluster
- Björn P. Jacobsen (Wirtschaftsförderung Lübeck GmbH) zu Werkzeugen für die Clusteranalyse und das Clustermanagement
- Jens Mohrmann (Virtual Dimension Center Fellbach) zu regionalen Kompetenzund Innovationszentren im Rahmen von Clusterstrategien am Beispiel des Virtual Dimension Centers Fellbach
- Daniel Zwicker-Schwarm und Holger Floeting (Difu) zu Wissensbilanzen als Instrument des Netzwerkmanagements
- Veit Haug (Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH) zu Bausteinen der clusterbasierten Wirtschaftsförderung in der Region Stuttgart
Die Publikation erscheint in Kürze in der Reihe „Edition Difu“: www.difu.de/publikationen/liste.phtml?kategorie=Edition+Difu.

Weitere Informationen:
Dipl.-Geogr. Holger Floeting Telefon: 030/39001-221 E-Mail: floeting@difu.de
Bestellung: siehe Bestellschein
