Difu-Berichte 2/2007 - Mediennachlese
... Deutschlands Gemeinden haben ihre Investitionen seit 1992 um fast die Hälfte zusammengestrichen – und zuletzt mehr abgeschrieben als investiert. Stichwort: Schlagloch. „Die Kommunen verlieren an Bausubstanz“, sagt Michael Reidenbach vom Deutschen Institut für Urbanistik. Ähnliches gilt für staatliche Forschungs- und Entwicklungsgelder, die seit Jahren unter einem Prozent des BIP liegen. Zum Vergleich: Die marktwirtschaftlich eher unverdächtigen Amerikaner geben für jeden staatlich beschäftigten Forscher doppelt so viel Geld aus wie die Europäer. Die US-Behörden geben auch für Bildung deutlich mehr aus als die Deutschen: Die Quote ist gemessen am BIP um fast ein Prozent höher. ... Es wäre an der Zeit, wenigstens einen Teil jenes Geldes zu nutzen, das dank normalisierter Konjunktur nicht mehr für Arbeitslose bezahlt werden muss oder über Steuern reinkommt, um damit die deutsche Panikpolitik zu korrigieren. Auch wenn sich durch Effizienz einiges sparen lässt – es ist absurd, jahrelang weniger Geld für Computer in Schulen auszugeben als andere und sich dann zu wundern, dass man bei Pisa schlecht abschneidet. Oder darüber, dass es mehr Schlaglöcher gibt. Nach US-Studien steigen die Kosten für den Betrieb von Autos spürbar, wenn die Qualität der Straßen nachlasse, so Urbanistikexperte Reidenbach. Und die Kosten für Straßenreparatur steigen, je länger nichts gemacht werde. Ein Großteil öffentlicher Einrichtungen sei in Deutschland vor 30 bis 40 Jahren gebaut worden und komme „jetzt einfach in die Jahre“.
FTD, 11.5.2007
... Eine Expertenrunde – unter anderem Hasso Brühl vom Deutschen Institut für Urbanistik und der Architekt Markus Spiegelfeld – diskutierten dabei die Zukunft des Wohnens im innerstädtischen Bereich. Einigkeit herrschte darüber, dass es zu einer Renaissance des Wohnens in der Innenstadt kommen wird. ... Seinen Untersuchungen zufolge ist es vor allem die gehobene Mittelschicht, die in innenstadtnahe Bereiche zieht: „Wer heute in die Innenstadt zieht, gehört zu den Gewinnern der Gesellschaft. Und die Innenstadt wird auch von jungen Familien angenommen.“ Kritischer Nachsatz: „Wenn sie genügend Wohnraum finden.“ ...
ÖPV Wien, 10.5.2007
... Experten aus dem gesamten Bundesgebiet diskutieren von heute an in Jena über die Möglichkeiten künftiger Stadtentwicklung. Auf Einladung des Deutschen Institutes für Urbanistik und der Stadt Jena treffen sich rund 130 Fachleute zum Gedankenaustausch. Dabei werden am Jenaer Beispiel u.a. die Themen Stadterneuerung, Sanierung, Denkmalpflege und Sozialplanung diskutiert. Hintergrund des Beispiels Jena sind die Zunahme der Bevölkerungszahl und ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum. Darin unterscheidet sich die Saalestadt von vielen anderen ostdeutschen Kommunen.
jena-tv, 9.5.2007
Lübeck: Mitarbeiter der Stadt sollen das Klima schonen. Umweltsenator Thorsten Geißler (CDU) hat erste Vorschläge unterbreitet, wie die Stadtverwaltung den Kampf gegen den Klimawandel aufnehmen kann. Durch einfache Verhaltensänderung der öffentlichen Bediensteten könnten jährlich bis zu 750 000 Euro eingespart werden. Der Umweltausschuss hat Geißlers Vorschläge einhellig abgesegnet. Der Umweltdezernent beruft sich auf eine Schätzung des Deutschen Instituts für Urbanistik, derzufolge eine Kommune ohne große Investitionen zehn bis 15 Prozent ihres Energieverbrauchs einsparen kann.
Kieler Nachrichten, 23.4.2007
Interview mit Difu-Wissenschaftler Michael Lehmbrock: ... FR: Viele Einzelhändler klagen, dass es in ihrer Stadt zu wenig Stellplätze gibt. Brauchen die Innenstädte nicht mehr Parkplätze, um gegen große Discounter am Stadtrand bestehen zu können? M.L.: Zahlreiche Studien – auch von uns – haben bewiesen, dass die Attraktivität von Innenstädten nicht von der Anzahl der Stellplätze abhängt, sondern von der Erreichbarkeit. Das heißt: Wenn eine Stadt wenig Stellplätze hat, aber einen sehr guten ÖPNV wie etwa München mit seiner S-Bahn, dann kann sie trotzdem attraktiv sein. ... FR: Wenn es nicht an den fehlenden Parkplätzen liegt, wieso bleiben den Händlern in den Innenstädten dann die Kunden weg? M.L.: Der Handel in der City hat Probleme. Die haben aber mit dem Strukturwandel in der Branche zu tun. Groß- und Fachmärkte sowie Einkaufszentren und Discounter am Stadtrand bieten Güter an, die normalerweise von Einzelhändlern in den Innenstädten angeboten werden, und schöpfen so deren Kunden ab. Da liegt das Problem. Städte wie Bocholt nennen Discounter an den Zufahrtstraßen der Innenstadt Abfangjäger. Ein drastischer, aber durchaus treffender Begriff. FR: Wer also auf mehr Parkplätze setzt, um die eigene Innenstadt zu stärken, liegt falsch? M.L.: Langfristig auf jeden Fall. In einer Innenstadt gibt es wenig Platz. Wenn der für den Autoverkehr verbraucht wird, dann fehlen Flächen, um eine City wirklich attraktiv zu machen – etwa mit Plätzen oder neuen Gewerbeflächen. ...
FR, 7.4.2007
Ein neues Projekt des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) in Köln untersucht die Einbindung und Beteiligung des Mittelstands in Public Private Partnerships (PPP). Wie es in dem aktuellen „Difu-Bericht“ heißt, habe sich gezeigt, dass PPP auf allen staatlichen Ebenen als alternative Beschaffungsvariante zunehmend Beachtung finde. PPP-Projekte im engeren Sinn, die im Idealfall vier oder fünf Lebenszyklusphasen umfassten und auch den Betrieb beinhielten, seien inzwischen schon in größerer Zahl in der Umsetzung. Mit der Verbreitung von PPP trete die Förderung von kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) ein weiteres zentrales politisches Ziel in den Blickpunkt. Bislang unterstellten Kritiker PPP-Projekten aufgrund ihrer Größenordnung und der oft langen Vertragslaufzeiten eine gewisse Mittelstandsfeindlichkeit. In der Untersuchung im Auftrag der PPP-Task Force im Bundesbauministerium und der PPP-Task Force NRW soll eine Auswahl bereits laufender PPP-Projekte im Hinblick auf die Klärung der Mittelstandsbeteiligung und der grundsätzlichen Eignung von PPP für den Mittelstand evaluiert werden.
EUWID Facility Management, 4.4.2007
Bei der Genehmigung neuer Einzelhandelsflächen sollen die Innenstädte Vorrang haben. Dafür hat die Bundesregierung mit der seit Anfang des Jahres wirksamen Novelle des Baugesetzes die Weichen gestellt. … Wichtigste Neuregelung ist die Einführung eines neuen „beschleunigten Verfahrens“, mit dem die Kommunen in die Lage versetzt werden, für Bebauungspläne der Innenentwicklung eine zügigere Planung zu realisieren. Das soll die Planungspraxis in den rund 13.000 Städten und Gemeinden in Deutschland deutlich erleichtern. … Dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes war unter der Leitung des Deutschen Instituts für Urbanistik (difu) ein Praxistest in den sechs Städten Bochum, Bocholt, Forst, Freising, Reutlingen und Leipzig vorausgegangen. … Auch das Deutsche Institut für Urbanistik begrüßt ausdrücklich die Gesetzesinitiative der Bundesregierung. Nach Überzeugung des difu-Stadtentwicklungsexperten Arno Bunzel sorgt das neue Recht dafür, dass die Erhaltung und Entwicklung zentraler Versorgungsbereiche nun im Fokus der Stadtentwicklung stehe. …
handelsjournal, April 2007
Die Integration von Zuwanderern gestaltet sich in Deutschland schwierig, auch weil sich die Bundesrepublik bisher nicht als Einwanderungsland definiert. Integrationsprozesse finden täglich statt – unter unterschiedlichsten Bedingungen. Die Begleitforschung zu einem mehrjährigen, 2004 gestarteten Verbundprojekt, an dem unter anderem der Deutsche Städtetag und das Deutsche Institut für Urbanistik beteiligt waren, hat untersucht, was Kommunen und Wohnungswirtschaft zur sozialen und räumlichen Integration von Migranten beitragen können. … Acht Städte haben in ausgewählten Stadtquartieren integrationsfördernde Maßnahmen erprobt. Die dabei gemachten Erfahrungen wurden im September 2006 auf einem abschließenden Kongress in Nürnberg diskutiert. …
Raumplanung 129/2007
Zuerst wird Dortmunds Luft gesäubert. Das Umweltministerium wirbt für die großräumige „Umweltzone Ruhr“. Die Bezirksregierung ordnet aber kleine Lösung an. Der erste Bereich Nordrhein-Westfalens entsteht im Sommer in Dortmund. Das hat Arnsbergs Regierungspräsident Helmut Diegel (CDU) in dieser Woche entschieden. Das Gebiet ist bislang Spitzenreiter bei der Feinstaubbelastung im Land. ... Ein „Luftreinhalteplan“ soll helfen, die Lage zu verbessern. ... Worum es da geht, beschrieb kürzlich eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik im Auftrag des Regionalverbandes Ruhrgebiet. ... Allein die Industrie verteilt danach jährlich rund 52000 Tonnen Stickoxide über das Ruhrgebiet, Kraftfahrzeuge sind mit über 17000 Tonnen dabei. ... Allerdings geht die konzentrierte Feinstaubbelastung in Straßenschluchten vorwiegend auf die Autos zurück. In der Studie heißt es wörtlich über den Kampf gegen Feinstaub „Eine regionale Umweltzone ist das geeignetste Instrument“.
Welt, 31.3.2007
... An Rhein und Ruhr wird deutlich: Betriebe von Selbständigen nicht-deutscher Herkunft verfügen über Qualitäten, die vielen alteingesessenen Unternehmen verloren gegangen sind. Solche Tugenden liegen vor allem im Arbeitseinsatz und in der Betriebsstruktur. Studien des Mannheimer Instituts für Mittelstandsforschung und des Deutschen Instituts für Urbanistik haben ergeben, dass Unternehmer mit Zuwanderergeschichte im Durchschnitt drei bis sechs Stunden pro Woche länger arbeiten als deutsche Selbständige. Das macht sich bezahlt: Allein die von türkischen Zuwanderern geführten Betriebe erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von etwa 24,7 Milliarden Euro.
Impulse, 20.3.2007
