Difu-Berichte 2/2006 - Difu-intern: Abschied nehmen
Heidede Becker |
Nach mehr als drei Jahrzehnten verlässt
Heidede Becker Ende Juli das Difu. Das Markenzeichen der promovierten Stadtplanerin, die an der TU Berlin Architektur studierte, war von Anfang an ihr großes Engagement für die Themenfelder der sozialen Stadterneuerung und Stadtentwicklung. Exemplarisch hierfür stehen Studien zur Gropiusstadt im Bezirk Neukölln und zur (Flächen-)Sanierung im Bezirk Wedding in Berlin schon in den 70er-Jahren sowie zuletzt unter ihrer Leitung die Programmbegleitung des Bund-Länder-Programms "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt".
Ihr kompetentes, von Sachkunde und Umsicht getragenes Auftreten hat sie bundesweit und darüber hinaus als Wissenschaftlerin und Moderatorin bekannt gemacht. Die Zahl der wissenschaftlichen Beiräte und Expertenkommissionen, in die sie berufen wurde, ist beeindruckend und setzt Maßstäbe für nachfolgende Generationen. Fest mit ihrem Namen verbunden ist auch der interkommunale "Erfahrungsaustausch zur Stadterneuerung". Dieses von ihr maßgeblich betreute und koordinierte Netzwerk von Stadtplanern und Sozialwissenschaftlern war und ist seit vielen Jahren die Informationsplattform für Stadterneuerung in Deutschland.
Nicht zu vergessen ist ein weiteres inhaltliches "Steckenpferd", mit dem sich Heidede Becker nicht nur in der Fachwelt einen Namen erworben hat: Die Baukultur. Meilensteine sind ihre Arbeiten zur "Geschichte der Architektur- und Stadtbauwettbewerbe" sowie zur "Stadtbaukultur - Modelle, Workshops, Wettbewerbe".
Mit dem Weggang von Heidede Becker muss das Difu nicht nur auf eine gestandene Wissenschaftlerin verzichten. Im Kollegenkreis wird man auch ihre immer freundliche und vermittelnde Art, mit den "Dingen des Lebens" umzugehen, vermissen. Bleibt nur noch, ihr Glück zu wünschen, die nun gewonnene Zeit für die Dinge zu verwenden, für die in all den Jahren die Zeit gefehlt hat.
Albrecht Göschel |
Albrecht Göschel, einer der vielseitigsten Wissenschaftler in der Geschichte des Difu, beendete mit Erreichen seines 65. Geburtstags seine Tätigkeit am Institut. Das Difu flicht den eigenen Köpfen kaum Kränze, solange sie noch in der Pflicht stehen. Nun aber soll auch an dieser Stelle einem der Unermüdlichsten und Kreativsten, einem mutigen und eigenwilligen Geist Lob und alle Anerkennung gezollt werden.
Die ungewöhnliche Breite seiner wissenschaftlichen Themen lässt sich hier kaum auflisten. Als Architekt und Stadtplaner sowie als promovierter Soziologe konnte er ästhetische und historische Fragen des Städtebaus, das Thema der Stadtutopien, aber auch Planungstheorie gleichermaßen kompetent abhandeln. Ebenso ausgewiesen war er als Verfasser von Generationsstudien, die dem Mentalitätswandel von verschiedenen Generationen im Westen als auch im Osten galten. Einen seiner klassischen Schwerpunkte bildeten empirische Arbeiten zur Kulturpolitik im weitesten Sinn. Schließlich ist das große Themenfeld Kommunale Sozial- und Infrastrukturpolitik zu nennen, das er vor allem unter den Bedingungen des demographischen Wandels - zuletzt federführend im Projekt "Stadt 2030" - bearbeitet hat. Auf fast allen genannten Gebieten hat er sich bundesweit einen Namen gemacht, nicht zuletzt durch seine vielfältigen Vortragsaktivitäten, Veröffentlichungen und Mitgliedschaften in zahlreichen Gremien.
Nicht nur im Difu, sondern auch in der Wissenschaft generell gibt es immer nur wenige, die sich den Mühen des Zusammenführens wissenschaftlicher Teilbefunde zu einem erhellenden Bild gesellschaftlicher Realität unterziehen. Solche Wissenschaft, wie sie Albrecht Göschel betreibt, ist der Aufklärung, dem Gewinnen von neuer Erkenntnis leidenschaftlich verpflichtet. Dass diese Haltung auch unerwartete, gelegentlich "unerwünschte" Einsichten mit sich brachte, hat er immer wieder berichtet. Den Medien war er - auch deswegen - oft ein hoch willkommener Ansprechpartner, da er provokant war um der Sache willen, eloquent, um Aufmerksamkeit für eine unvertraute Denkrichtung zu wecken. Mit diesen Eigenschaften hat er auch dem Institut Impulse gegeben und Beispiele geboten für nicht-entfremdete Wissenschaft, für selbstkritische und selbstironische Liebenswürdigkeit und den Charme von umfassender Bildung und persönlicher Überzeugungskraft beim Transport von Erkenntnissen in die Öffentlichkeit.
