Difu-Berichte 2/2004 - Großes Interesse an Difu-Beteiligung bei Langer Nacht der Wissenschaften

Lange Nacht der Wissenschaften 2004



Gut 500 interessierte Besucher waren am 12.06.2004 beim Deutschen Institut für Urbanistik im Ernst-Reuter-Haus zu Gast und machten die erstmalige Teilnahme bei der Langen Nacht der Wissenschaften zu einem vollen Erfolg.

Bis in die frühen Morgenstunden wurde lebhaft referiert und diskutiert, kurz die städtische Nacht zum Tag gemacht.

Auch das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), für eine demokratische, gesellschaftliche Selbstorganisation, unabhängig vom Staat und außerhalb des Marktes eintretend, und die Senatsbibliothek Berlin (Sebi) hatten eingeladen und gewährten Einblicke in ihre Arbeit. Die Sebi öffnete auch nachts ihr komplettes Serviceangebot, ermöglichte einen Besuch in der Werkstatt des Hausbuchbinders und ließ die nächtliche Bibliotheksnutzung mit Jazz im Magazin untermalen.

Auch das Projekt Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime, eine bibliographische Sammlung von über 12 000 Personen des damaligen zivilen oder militärischen Widerstands, war im Ernst-Reuter-Haus vertreten. Man hatte hier die Möglichkeit, nach erfassten Widerständlern zu suchen und einzelne Biografien ausdrucken zu lassen.

Alle an diesem Premierenabend vertretenen Einrichtungen ließen kaum eine Frage der Besucherinnen und Besucher unbeantwortet und trugen zum Erfolg der Langen Nacht bei.

Die Angebote der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Difu reichten von Kurzpräsentationen zu verschiedensten Themengebieten und Forschungszweigen des Instituts, Fotopräsentationen, Kurzfilmen über das Leben in urbanen Lebensräumen bis hin zu einem Städtequiz. Auch für die kleinen Stadtbewohner wurde gesorgt und mit der Kindermalecke, Stadtspielen oder der Bauecke ein abwechslungsreicher Abend gestaltet.

Ebenso begeistert angenommen wurden die Architekturführungen durch das Ernst- Reuter-Haus und Ausführungen über seine mehr als 65-jährige wechselvolle Geschichte.

Die 15 - 20 minütigen Kurzvorträge der Difu-Wissenschaftler fanden in erster Linie das Interesse vieler Bürgerinnen und Bürger und sorgten bis weit in die Nacht für engagierte Diskussionen.

Kaum verwunderlich bei diesen Themen, die fast jeden betreffen:

Für die Intensität der an diesem Abend zunehmend im Dialog ausgetragenen Begegnungen von Wissenschaftlern und Besuchern sprach sicher die Tatsache, dass die sich teilweise wechselseitig ergänzenden Kurzpräsentationen im Laufe des Abends aus Zeitgründen nicht komplett wie zu Beginn geplant ein weiteres Mal wiederholt werden konnten.

Einige Themen kristallisierten sich zunehmend als Publikumsmagnete heraus, so dass die Referenten mitunter von Zuhörern umlagert waren und den oft jungen Wissbegierigen detailliert Rede und Antwort standen.

In der Debatte wurde beispielsweise auch deutlich, dass die Schwerpunkte Globalisierung oder Demographie mehr sind als gesellschaftliche Allgemeinplätze. Vielmehr werden sie von den Menschen als für die Entwicklung und Zukunft der Städte von Morgen zentral und entscheidend angesehen. Denn wenn Städte und Kommunen schrumpfen, geht dies an die Substanz wirtschaftlich, baulich und sozial. Viele Experten gehen davon aus, dass der Bevölkerungsrückgang bis 2015 kaum eine Stadt mehr verschonen wird weder im Osten, noch im Westen. Somit hat das Modell einer auf Ausdehnung und Wachstum konzentrierten Kommune ausgedient, und die Zukunft vieler urbaner Zentren wird im Schrumpfen liegen.

Ein Punkt, dessen Diskussion daraus fast zwangsläufig folgte, war die Form der Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger in den Städten und Gemeinden und Möglichkeiten sich für ihre Stadt einzusetzen. Beispiele dazu wurden auch von Mitarbeitern des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement genauer ausgeführt.

An diesem Abend wurde auch klar, dass die Realität in vielen benachteiligten Quartieren Berlins schon Einzug gehalten hat, was Lebensqualität, Zukunftsperspektiven oder Lebenserwartung angeht.

Trotzdem erstaunte der in dieser Form von vielen wohl nicht erwartete, aber unmittelbare und empirisch nachgewiesene Zusammenhang zwischen sozialem Status, urbanem Wohnumfeld und Sterblichkeit.

Ob wir in naher Zukunft rund um die Uhr einkaufen gehen können, wenn wir wollen, und ob die Verlagerung der Einkaufsflächen in suburbane Gebiete weiter vorangetrieben wird, war eine der weiteren, mitunter leidenschaftlich diskutierten Fragen.

Auch Fragen zu Nutzen oder zu Risiken weiterer Privatisierungen öffentlicher Güter und sich daraus ergebende oder zu erwartende Konsequenzen für die städtische Entwicklung wurden angesprochen.

Insgesamt wurde ein enormes Interesse vieler Bürgerinnen und Bürger an urbanen Zukunftsfragen im Allgemeinen und Aussichten der Stadtentwicklung der Metropole Berlin im Besonderen deutlich.

Bei soviel Aufmerksamkeit scheint der Auftritt des Deutschen Instituts für Urbanistik bei der 5. Langen Nacht der Wissenschaften im nächsten Jahr eine weitere Möglichkeit, Forschung und Kommunikation der Ergebnisse optimal verbinden und der interessierten Öffentlichkeit komprimiert vorstellen zu können.

Fotos und allgemeine Impressionen dieses gelungenen Abends, wie auch die Ergebnisse des Städtequiz und des Kindermalwettbewerbs, finden sich im Internet unter
www.difu.de/presse/040720/.

Weitere Informationen:

Sybille Wenke-Thiem
Telefon: 030/39001-208/209
E-Mail:
wenke-thiem@difu.de

http://www.lange-nacht-der-wissenschaften.de