Difu-Berichte 2/2003 - Das Nachhaltigkeitsnetzwerk COUP 21 der Stadt Nürnberg
Die Stadt Nürnberg gründete im Dezember 1999, in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt, das Nachhaltigkeitsnetzwerk COUP 21 (Co-Operation Umweltamt - Pionierunternehmen für das 21. Jahrhundert). Ziel des Netzwerks ist es vor allem, die Mitwirkenden über konkrete, praktische Schritte, über Initiativen, Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Lernen mit nachhaltigem Wirtschaften vertraut zu machen. Mitglieder sind - neben dem Umweltamt und dem Amt für Wirtschaft der Stadt - mehr als 30 Unternehmen, die sich zusammen mit der IHK Nürnberg für Mittelfranken und weiteren Akteuren (Behörden, Verbänden, Hochschulen, Instituten und anderen Interessengruppen) für die Zukunftsfähigkeit der Region Nürnberg engagieren. Das Netzwerk befasst sich neben dem Thema "Nachhaltiges Wirtschaften in Unternehmen" auch mit Themen wie soziale und interkulturelle Kompetenz, Wissensmanagement am Bildungsstandort Nürnberg, Gender Mainstreaming und der Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt. COUP 21 kann - mit dem Abschluss der Pilotphase - eine Reihe von interessanten Arbeitsergebnissen vorweisen, die zeigen, dass das Initiieren und Koordinieren von Netzwerken eine wichtige Aufgabe von Kommunen und daher auch für andere Kommunen von Interesse ist.
Nachhaltiges Wirtschaften und Netzwerkarbeit in Nürnberg
In Nürnberg gibt es bereits seit dem Ende der 1980er Jahre Aktivitäten, um Politik stärker nachhaltig auszurichten und die Überschneidungsbereiche der beiden wichtigen kommunalen Handlungsfelder Wirtschaft und Umwelt zu identifizieren und zu bearbeiten. Hauptziele waren - leitbildhaft - die Verbesserung der Umweltund Lebensqualität, die Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze im Zusammenhang mit ökologisch orientierten Produkten, Technologien und Dienstleistungen, aber auch eine Verbesserung des Standortimages durch eine überzeugende Umweltkompetenz. Vor allem das Umweltamt war hier aktiv und trug mit einer Reihe von Maßnahmen in den 1990er Jahren in erheblichem Maß zu einer Vertrauensbildung bei den Unternehmen bei, die für die heutige Arbeit eine wichtige Grundlage bildet. Zu nennen sind hier vor allem der in mehreren gemeinsamen Gesprächsrunden zwischen Verwaltung und Unternehmen entwickelte "Substitutionskatalog", der in den Bereichen der Dokumentation, der Datenübermittlung und der Überwachung Erleichterungen für Unternehmen vorsieht, ein effektiveres Genehmigungsmanagement und eine gemeinsame Projektarbeit mit Unternehmen, beispielsweise bei der Entwicklung von Imagebroschüren.
An diese netzwerkorientierten Aktivitäten knüpfte die Initiative COUP 21 Ende der 1990er Jahre an. Das Umweltamt übernimmt in diesem Netzwerk verschiedene Funktionen: Es schafft Öffentlichkeit für die ökologischen und sozialen Leistungen der Unternehmen, die intensiver in Richtung Nachhaltigkeit arbeiten, und übernimmt Aufgaben der Koordination und Moderation. Als Geschäftsstelle für das Netzwerk hält es Kontakte zu weiteren relevanten Akteuren im Themenfeld, dem Amt für Wirtschaft der Stadt, zur Industrieund Handelskammer Nürnberg, zur Regierung von Mittelfranken, zum Bayerischen Umweltministerium und zur Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission in Brüssel, die das Thema Integrierte Produktpolitik (IPP) unterstützt. Auch zur European Foundation for Quality Management (EFQM), ebenfalls mit Sitz in Brüssel, bestehen Kontakte, um Qualitätsmanagementbestrebungen (EFQM-Modell) in Richtung sustainable excellence voranzutreiben. Zugleich strebt das Umweltamt an, sich über dieses Projekt verstärkt zum Berater und Dienstleister für Nachhaltigkeit zu entwickeln.
Ergänzend wurde im Frühjahr 2001 gemeinsam von der Stadt(verwaltung) und etwa 40 Nürnberger Unternehmen und Organisationen ein "Nachhaltigkeitspakt Nürnberg "s.m.i.l.e. for Business Excellence" (s.m.i.l.e. = Sustainable Management Is Leading Economy) unterzeichnet, um für die Zielsetzungen des Netzwerks COUP 21 ein öffentlichkeitswirksames Signal zu setzen und die Entscheider in den Unternehmen stärker in die Arbeit zum Thema Nachhaltigkeit einzubeziehen. In diesem Nachhaltigkeitspakt verpflichten sich sowohl die Stadt Nürnberg als auch Unternehmen und Organisationen zu konkreten Nachhaltigkeitsprojekten.
Das Netzwerk COUP 21 Im Netzwerk haben sich verschiedene Arbeitsgruppen gebildet: zu den Themen "Klimaschutz" (rationeller Energieeinsatz in Betrieben), "Produktbezogener Umweltschutz" (Integrierte Produktpolitik (IPP), "Zukunftsfähiges Nürnberg" (Soziale und interkulturelle Kompetenz, Wissensmanagement am Bildungsstandort Nürnberg, Frauenförderung, Familie und Arbeitswelt) und Nachhaltigkeits-Management (in Zusammenhang mit EFQM). Diese Arbeitsgruppen setzten sich sehr unterschiedlich zusammen, aus Unternehmen, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Verwaltung sowie Beratungsunternehmen. Aus den Unternehmen wirken dabei in erster Linie die Umweltbeauftragten, teilweise Arbeitsschutzexperten, in einzelnen Fällen Vertreter der Unternehmensführung mit.
Unter den konkret entwickelten Projekten sind vor allem die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen IPP und Nachhaltigkeits-EFQM zu erwähnen. Konkreter Output der Arbeit zur IPP ist ein Leitfaden zum Management ökologischer Produktentwicklung. Er bietet Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen - als Hilfestellung von der Praxis für die Praxis - eine erste Einstiegsmöglichkeit in die IPP, die durch politische Initiativen auf EUEbene und auf Landesebene stark gefördert wird. Das EFQM-Modell für Excellence wurde um Aspekte der Nachhaltigkeit erweitert. Die Ergebnisse flossen in die Überarbeitung des EFQM-Modells ein und werden ab 2004 zu einem europaweitem Standard (Sustainable Excellence - Nürnberger Nachhaltigkeitsansatz - siehe www.sustainable-excellence.de).
Durch die "Vorarbeit" in der Kooperation Unternehmen - Stadtverwaltung (Umweltamt) in den 1990er Jahren war die Bereitschaft auf unternehmerischer Seite, sich an COUP 21 zu beteiligen, groß. Schwierigkeiten - unterschiedlichen Grades - gab es mit drei Aspekten: dem Begriff und den Inhalten von Nachhaltigkeit, dem Herstellen des Zusammenhangs der verschiedenen parallelen Initiativen in Nürnberg (vor allem Lokale Agenda 21 - COUP 21 - Nachhaltigkeitspakt s.m.i.l.e.) und der Frage, bis zu welchem Grad sich eine kommunale Behörde (Umweltamt) in unternehmerische Prozesse, Denkweisen und Notwendigkeiten einfinden kann. Im Verlauf der gemeinsamen Arbeit wurden diese Probleme weitgehend ausgeräumt, gerade auch im Verhältnis zum Umweltamt wurde von einer Mehrzahl von Unternehmen eine Entwicklung hin zu einer Partnerschaft festgestellt.

Impressionen vom Nachhaltigkeitskongress
Am Ende der Pilotphase stand im März 2003 der Nachhaltigkeitskongress "Zukunftsfähiges Nürnberg". Hier stellten die Unterzeichner des Nachhaltigkeitspaktes eine Leistungsbilanz der Umsetzung ihrer Selbstverpflichtungen vor, die Erfahrungen "auf dem Weg zur Nachhaltigkeit" wurden zwischen lokalen und regionalen Unternehmen, der Stadtverwaltung Nürnberg und den mitwirkenden Organisationen und Verbänden diskutiert. Außerdem wurde auf dem Kongress erstmals der Nachhaltigkeitspreis der Stadt Nürnberg durch den Oberbürgermeister an ausgewählte Unternehmen aus der Stadt und der Region verliehen. Die Themen des Nachhaltigkeitskongresses reichten von Fragen des Innovationsmanagements in Unternehmen, über Möglichkeiten für Partnerschaften im Klima- und Ressourcenschutz, Fragen des Gender Mainstreaming und der Familienförderung hin zu Überlegungen, ob eine neue Kultur der Nachhaltigkeit und eine stärker wertebalancierte Unternehmensführung erforderlich sind. Erarbeitung und Präsentation - auch erster Erfolge - erfolgten jeweils in Kooperation mit Unternehmen, vor allem aus der Region, die zugleich die wichtigste Zielgruppe des Kongresses und dort gut vertreten waren.
Die Nürnberger Netzwerkarbeit - Bewertung und Ausblick
Die Stadt Nürnberg geht mit ihrem Ansatz der intensiven Netzwerkarbeit im Themenfeld Nachhaltigkeit mit den verschiedensten Akteuren einen guten Weg, der eine stärkere Verbreitung - über die Region hinaus - finden sollte, auch wenn durch die ökonomischen Rahmenbedingungen Fragen der Nachhaltigkeit zurzeit nicht weit oben auf der politischen Agenda platziert sind.
So ist es als einer der großen Erfolge von COUP 21 zu werten, dass mit dem Pilotprojekt das Thema Nachhaltigkeit in Stadt (und Region) neue Impulse erfahren hat. Es wurden Akteure zusammengebracht, die sonst, in dieser Form und Intensität nicht zusammengearbeitet hätten. Die starke Mitwirkung unternehmerischer Akteure ist vor allem beachtlich, da Prozesse im Handlungsfeld Nachhaltigkeit für die Beteiligten einen Spagat zwischen dem Interesse und Wunsch nach kurzfristigen Erfolgen und der mittel- bis langfristigen Orientierung von Nachhaltigkeitsansätzen bedeuten. Gerade in Unternehmen nimmt der Druck, Projekte vorzuweisen, die den Erfolg der eigenen Arbeit deutlich machen, und damit rechtfertigen, dass Zeit, Personal- und Finanzressourcen investiert wurden, unter den erwähnten Rahmenbedingungen zu.
Durch die "Tradition" der Zusammenarbeit gibt es in Nürnberg eine beachtliche Zahl von Netzwerken mit ähnlichen Themen. Hier sollte künftig der gegenseitige Erfahrungsaustausch noch intensiviert werden - ohne dazu eine weitere Organisationsstruktur, beispielsweise in Form eines Metanetzwerkes, zu entwickeln. Das Netzwerk COUP 21 übernimmt nach dem Kongress stärker die Rolle als Vermittlungsagentur für laufende und neu initiierte Nachhaltigkeits-Projekte, insbesondere im Bereich Qualitäts- und Change-Management.
In der weiteren Bearbeitung des Themas spielt nicht nur die Stadt, sondern - gerade in der Wahrnehmung von außen - die Region als Ganzes eine Rolle. Daher sollten Aktivitäten aus dem Bereich der Nachhaltigkeit künftig noch stärker in der Region verankert werden. Dies geschieht gegenwärtig mit der Diskussion um die Region als Innovations- und Nachhaltigkeitsregion (zu der die entsprechenden "Inhalte" geliefert werden müssen).
Viele Beispiele zeigen, dass nach Phasen einer Anschubfinanzierung Initiativen wieder eingestellt werden (so gibt es im Stadtmarketing eine Reihe von Beispielen dafür). Die Art von "Quasi-Institutionalisierung" wie sie gegenwärtig geplant ist, mit einer Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit und der Präsentation der Ergebnisse im Rahmen eines weiteren Kongresses und der Verleihung des Nachhaltigkeitspreises (voraussichtlich 2005), ist ein richtiger Schritt, um das Thema fortzuführen und die aufgebauten Netzwerkstrukturen nach der Pilotphase weiterzuentwickeln - auch mit neuen Akteuren und neuen Themen. Netzwerkprozesse sind offene Lernprozesse, die auch Umorientierungen und Schwerpunktverschiebungen zulassen müssen.

Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly übergibt den Nachhaltigkeitpreis an A. W. Graf von Faber-Castell
Weitere Informationen zur Arbeit im Netzwerk COUP 21, zu Akteuren, konkreten Projekten, zum Kongress und wie es weitergeht, hält auch die Internetseite http://www.nuernberg-nachhaltig.de bereit.
Dr. Beate Hollbach-Grömig
Telefon: 030/39001-293
E-Mail: hollbach-groemig@difu.de
Dr. Werner Ebert
Stadt Nürnberg Umweltamt
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www.nuernberg-nachhaltig.de
