Difu-Berichte 2/2002 - Stadt auf Draht: E-Shopping und Stadtentwicklung
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Im ersten Block kam zunächst die Wissenschaft zu Wort: Dietrich Hassenpflug, Bauhaus Universität Weimar, führte in seinem Beitrag "Auswirkungen von EShopping auf die Europäische Stadt" mit grundsätzlichen Überlegungen zum Stadtbegriff in das Thema ein und vertrat die These, dass die Auswirkungen von ECommerce auf Raum und Kultur weitaus geringer seien als die Auswirkungen der kulturellen Praktiken auf den E-Commerce. Dieser werde gleichsam als Welle vor den großen Megatrends der postfordistischen Erlebnisgesellschaft hergeschoben und könne die Restrukturierungstendenzen der europäischen Städte unterstützen. Claus-Friedrich Laaser, Institut für Weltwirtschaft, Universität Kiel, näherte sich dem Thema über raumwirtschaftliche Betrachtungen und betonte, dass der Bedeutungszuwachs von IuK-Technologien zwar zur Verschiebung von sektoralen zu funktionalen Spezialisierungsmustern der Städte führe, dass aber die räumlichen Muster der New Economy offenbar denen der Old Economy weitgehend folgen. Christoph Elineau und Ricarda Pätzold, Difu, schließlich stellten ein Modell vor, dass sich den Auswirkungen auf innerstädtische Zentrensysteme widmet. Anhand verschiedener Layer werden die strukturelle Resistenz von Zentrentypen, die Internetaffinität der dort vertriebenen Produkte und die Betroffenheit der dort vorhandenen Betriebsformen bewertet. Im zweiten Block legte zunächst Gregor Büchner, Jones Lang LaSalle, als Vertreter der Immobilienwirtschaft seine Einschätzungen zu den räumlichen Auswirkungen des E-Shopping dar. Derzeit gebe es für die Veränderung von einzelbetrieblichen Raum- und Standortkonzepten keine Anzeichen. Allerdings sei langfristig eine stärkere Segmentierung von Einzelhandelsimmobilien (differenziertere Lösungen für preis-, zeit- und erlebnisorientiertes Einkaufen) sowie das Entstehen neuer Immobilientypen möglich. Büchner betonte besonders die Chancen, die in der Nutzung des zusätzlichen Vertriebskanals für Zentrentypen liegen. Da als Leitsortiment von Stadtteil- und Nahversorgungszentren der Lebensmittelsektor immer wieder im Zentrum von Diskussionen steht, kam auch Jörg Fiebig, Otto Supermarkt, zu Wort. Er betonte, dass der Lebensmittelhandel selbstverständlich internet- bzw. distanzkaufaffin sei. Jedoch schaffe E-Shopping auch neue Qualitäten und Optionen für die wohnungsnahe Grundversorgung. In peripheren Gebieten sei in absehbarer Zeit allerdings kaum mit einem konkurrenzfähigen virtuellen Angebot zu rechnen. Zwei Referate, die den Blick auf die Auswirkungen von E-Shopping auf Logistik und Verkehr richteten, bildeten den Abschluss des ersten Werkstatttages. Oliver Richard, Deutsche Post e-business GmbH, befasste sich mit den Anforderungen an eine zukunftsfähige Handelslogistik und schilderte insbesondere die Veränderungen der herkömmlichen Distributionsketten und daraus folgende Herausforderungen für die Logistik, wie etwa die "Atomisierung" der Güter. Zudem stellte er die in der Pilotphase befindlichen Paketautomaten der Post vor. Barbara Lenz, Universität Stuttgart, stellte ein Modell zu Auswirkungen des Online-Handels auf den Personenverkehr vor. Das verkehrsmittelspezifische Einsparpotenzial für die Fahrleistung beim Einkaufen wurde in drei Szenarien berechnet. Insgesamt wird es demnach im Prognosezeitraum zu keiner bedeutenden Verkehrsentlastung im Kundenverkehr kommen; zudem werde diese durch zusätzliche Freizeitfahrten und den steigenden Lieferverkehr eher überkompensiert werden. Am zweiten Tag der Veranstaltung standen strategische Ansatzpunkte der Stadtentwicklung im Vordergrund. Vier Einführungsreferate gaben Impulse für die Arbeitsphase, in der die Projektteilnehmer in drei Gruppen Konzepte und Maßnahmen erarbeiteten und diskutierten. Hartmut Kölmel, Stadt Köln, führte aus, wie aus Sicht eines Stadtentwicklers die durch Internet und E-Shopping ausgelösten Trends und Entwicklungen räumlich und planerisch flankiert werden können und müssen. Er propagierte eine Dreifachstrategie, die eine gezielte Ansiedlungspolitik, die Förderung von Modernisierungsmaßnahmen im Handel sowie eine planerische "Auffangstrategie" zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit des Einzelhandels in den Stadtteilzentren impliziert. Im zweiten Beitrag stellte Busso Grabow, Difu, Ideen zur Strategie der Wiederverräumlichung vor, bei der sich lokale Akteure die dynamische Entwicklung von Internet und Neuen Medien zu Nutze machen, um negative Trends der Enträumlichung umzukehren und neue Qualitäten in der Stadt zu schaffen. Fünf verschiedene Handlungssegmente wurden benannt, unter anderem das Transparentmachen von Funktionen und Netzen im (Nah-)Raum und die Verbindung des virtuellen Raums mit dem materiellen Lebens- und Arbeitsumfeld. Michael Kuchenbecker, Fraunhofer- Institut für Materialfluss und Logistik, referierte sowohl über verkehrliche Wirkungen von E-Commerce und E-Shopping wie über Handlungsstrategien und Lösungen im Bereich Verkehr und Logistik. Strategische Ansatzpunkte sieht er unter anderem in der Reaktivierung und Neuqualifizierung bestehender konventioneller Logistikstandorte, der Neukonzeptionierung von logistischen Knotenpunkten mit der Ausweisung von Standorten, beispielsweise für Warenverteilzentren und Pick-up-points oder der Initiierung von Netzwerken des Handels- und Logistikbereichs, bei denen Kommunen Aufgaben der Moderation und Mediation übernehmen können. Schließlich stellte Raymond Saller, Stadt München, mit der Münchner Shopping Box das Pilotprojekt eines Pickup- points vor, bei dem eine Reihe von Erfolgs- oder Misserfolgsfaktoren identifiziert werden konnten. Die Dokumentation der Werkstatt erscheint als Difu-Materialienband. Sie enthält die Referate sowie eine Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge.
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Weitere Informationen: Dipl.-Geogr. Luise Adrian Dr. Busso Grabow Bestellung: |
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Am 12. und 13. November 2001 fand unter der Überschrift "Stadt auf Draht" in Hamburg die dritte von insgesamt sechs Werkstätten des Projekts "Online-Shopping und -dienstleistungen – Kommunale Handlungsoptionen" statt. Vorausgegangen waren im Frühjahr und Sommer 2001 die Werkstätten "Einkaufen mit oder im Netz" und "Ökonomieim (Schlepp-)Netz?". Diese widmeten sich den Entwicklungspotenzialen, Trends und Akteuren, bzw. den Auswirkungen von E-Shopping auf die lokale Wirtschaft und den Möglichkeiten und Konzepten zu ihrer Unterstützung. Die Werkstattberichte sind bereits in der Reihe der Difu-Materialien erschienen. Darauf aufbauend ging es in Hamburg um die Sekundäreffekte von Online-Handel und -dienstleistungen, um die raumwirksamen Folgen für das inner- und überörtliche Zentrensystem und für den Lieferund Kundenverkehr in der Stadt. Auch hier wurde ein Diskussionsschwerpunkt auf die Handlungsoptionen der kommunalen Akteure gelegt. Teilnehmer der Veranstaltungen waren Vertreter der 21 beteiligten Städte und Regionen, verschiedene Referenten aus Wissenschaft und Praxis sowie das Projektteam des Difu.