Difu-Berichte 2/2002 - Deutsche Zeitschrift für Kommunalwissenschaften: Stadt und Region
"Stadt und Region" ist der Themenschwerpunkt des von Prof. Dr. Dietrich Fürst (Universität Hannover) verantworteten zweiten Bandes der Deutschen Zeitschrift für Kommunalwissenschaften (DfK). Auslöser der aktuellen Diskussion um dieses keineswegs neue Thema sind die fortschreitenden Verflechtungsprozesse innerhalb der einzelnen Regionen, die im Zeichen der Globalisierung wachsende Konkurrenz zwischen den Regionen sowie die Forderung nach einer nachhaltigen Regionalentwicklung. Auch die Befürchtung, bestehende Strukturen und Verfahren der Gemeinde übergreifenden Problembearbeitung könnten den neuen Herausforderungen nicht gewachsen sein, stößt neue Debatten an.
In den fünf Schwerpunkt-Beiträgen geht es darum, den Kooperations- und Koordinierungsbedarf in jenen gesellschaftlichen Teilsystemen zu diskutieren, die nachhaltige Regionalentwicklung bestimmen (d.h. im wirtschaftlichen, sozio-kulturellen, politischen und ökologischen System); sowie die Problemlösungsfähigkeit von Regionen im Verhältnis zu Kommunen zu klären:
- Dieter Läpple sieht die Entwicklung der Region in die Globalisierung und Digitalisierung eingebettet und prüft, was Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zur Handlungsfähigkeit der Region beitragen. Er unterschiedet dabei Technizisten oder Medienfuturologen von Regionalisten und Globalisten und bemängelt deren selektive, der komplexen Realität nur ungenügend gerecht werdende Sichtweisen. Diese prognostizieren nämlich die Erosion der Städte und setzen auf die Region als alleinigen Hoffnungsträger. Läpple dagegen geht von einer Renaissance der Städte aus – freilich nur dann, wenn es ihnen gelingt, die eigene Entwicklung wirksam mit der regionalen zu verkoppeln.
- Ausgehend von einer international vergleichenden Untersuchung von zwölf Regionen, zeigen Heidi Fichter und Timothy Moss, dass der regionale Handlungsbedarf in der kommunalen Umweltpolitik erheblich zugenommen hat; wegen der Interessengegensätze zur Wirtschaftsentwicklung wurde es aber immer schwieriger, ihn zu erfüllen. Die Schwierigkeiten erscheinen nach dieser Untersuchung freilich überwindbar, wenn nachhaltige Regionalentwicklung als kooperativer Lernprozess verstanden und organisiert wird – was die Identifizierung von Gemeinsamkeiten über Stärke-Schwächen-Analysen ebenso einschließt wie die Entwicklung von Regeln kollektiven Handelns und die Initiierung von Projekten zunächst in weniger konfliktträchtigen Bereichen.
- Arthur Benz untersucht, was der neue "regional governance"-Ansatz für Kooperationsprozesse in Verdichtungsräumen leistet. Dabei geht es um interorganisatorische Steuerung unter Einbeziehung Privater, die ein Mindestmaß an Institutionalisierung erfordert und stets verschiedene Steuerungsmechanismen miteinander kombiniert. Diese Mechanismen werden über Verhandlungen integriert, wobei Netzwerke zwar wichtig sind, aber ohne institutionelle Einbindung nicht ausreichend funktionieren. Benz schreibt, dass "governance"- Muster, differenziert nach Grad der Zentralisierung/Dezentralisierung sowie der Konzentration/territorialen Fragmentierung der Kompetenzen wesentlich vom Problemtypus und Problemdruck bestimmt werden.
- Alfred Katz behandelt die regionale und interkommunale Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg im Verdichtungsraum Ulm/Neu-Ulm. Er belegt dabei die Vermutung von Benz, dass Zeiten struktureller Umbrüche fester institutionalisierte regionale Kooperationsformen begünstigen.
- Dietrich Fürst geht, aufbauend auf den Überlegungen von Benz und Katz, den Fragen nach, welche strukturellen Filter in Verdichtungsräumen auf regionaler Ebene die Identifikation von Gemeinschaftsaufgaben der "nachhaltigen Regionalentwicklung" behindern können und welche regionalen Selbststeuerungsformen sich hierzulande für solche Aufgaben formieren.
- Dokumentiert ist auch das Positionspapier der Fachkommission "Stadtentwicklungsplanung" des DST "Zukunftsinitiative Stadtregion".
Außerdem enthält der neue Band zwei weitere Beiträge: Jörg Bogumil, Im Spannungsfeld zwischen Parteienwettbewerb, Verhandlungszwängen und Ökonomisierung – der Wandel kommunaler Entscheidungsprozesse am Beispiel Nordrhein- Westfalens; sowie: Peter Marcuse, Nach dem 11. September wird das Leben in der Stadt nicht mehr das gleiche sein.
Dr. Paul von Kodolitsch
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ISSN: 1617-8203
Deutsche Kurzfassungen und die englischen Fassungen der DfK-Texte sind auch im Intenet- Angebot des Difu zu finden. Die Erstausgabe der DfK (Thema "Integration und Stadt") ist ausnahmsweise komplett in englischer und deutscher Fassung über das Internet abrufbar: www.difu.de/publikationen/deutsche-zeitschrift-für-kommunalwissenschaften-dfk
