Difu-Berichte 2/2001 - Jugendhilfe und Verwaltungsreform
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Auswirkungen auf die Leistungsqualität, Organisation und Ressourcen |
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Zum 15. Jugendhilfe-Jahrestreffen am 8. Mai 2001 in Hannover wurden besonders die nördlichen und östlichen Zuwenderstädte angesprochen. 25 Jugendhilfefachleute aus 18 Difu-Zuwenderstädten und fünf Bundesländern nahmen an dieser Auftaktveranstaltung für die künftigen Nord/Ost-Jugendhilfe-Jahrestreffen teil. Schon vor fünf Jahren, zu Beginn des Veränderungsprozesses in den Jugendämtern, wurde anlässlich des zehnten Jugendhilfe- Jahrestreffens in Mainz über faktische und potenzielle Auswirkungen der Reform auf den Jugendhilfe- und Sozialbereich diskutiert. Während damals eher die Produktsystematik und die Gefahren der technokratischen Übernahme betriebswirtschaftlicher Denk- und Organisationsmuster diskutiert und deren Nicht-Übertragbarkeit auf das Feld der sozialen Arbeit behauptet worden waren, standen diesmal die inzwischen erprobten Veränderungen auf der Tagesordnung. Als Organisationsveränderungen wurden dargestellt: die Eingliederung des Jugendamts in den Fachbereich Soziales, Jugend und Gesundheit (Projekt: Qualitätssicherung durch Zielgruppenorientierung und Umstrukturierung, Flensburg), die Kooperation und gemeinsame Aufgabenwahrnehmung von kommunalen Ämtern, Dienststellen und Einrichtungen auf der dezentralen Ebene (Vernetzte Dienste, Hannover) sowie das Konzept der Bündelung aller Aufgaben im Jugendhilfe- und Sozialbereich in dezentralen Dienstleistungszentren (Fachdienst Jugend, Soziales, Wohnen, Bielefeld), ursprünglich sogar geplant unter Aufgabe einer zentralen Steuerungseinheit. Neben diesen grundsätzlichen Systemänderungen wurden weitere dezentrale Organisationsveränderungen zur Lösung gravierender Lebensprobleme in Armutsbezirken vorgestellt. Das Projekt "AKTIS - Aktiv im Stadtteil" (Wiesbaden) konzentriert sich mit seiner dezentralen Konzep- tion ausschließlich auf sieben hoch belastete und gefährdete Stadtteile. Hier kann nur vernetztes Arbeiten Probleme lösen, nicht aber die "Bearbeitung" durch Spezialdienste. Dieser Ansatz hat Bezug zu "Soziale Stadt"-Programmen mit Stadtteilmanagement- Konzepten. Demgegenüber sind die vernetzten Dienste der Hannoverschen Stadtteilzentren nur zu einem geringen Teil auf die soziale Stadtteilentwicklung im Rahmen "Sozialer Stadt"-Projekte gerichtet, die übrigen definieren ihre Aufgaben nach anderen Zielvorstellungen aus den jeweiligen Bedarfsstrukturen des Stadtteils. Hier liegt die Neuheit in der ständigen Zusammenarbeit von Jugend-, Kultur-, Sozial-, Gesundheits- und Wohnungsamt, in Form von Teams mit jeweils guten Kontakten zum Stadtplanungsamt. Das Thema der vernetzten Dienste stellte sich auch für die Stadt Magdeburg, allerdings weniger unter der Zielsetzung der Verwaltungsreform und der neuen Steuerung bzw. unter Haushaltskonsolidierungszielen. Stattdessen wird hier sowohl inhaltlich als auch methodisch der Ansatz einer Gemeinwesenarbeit als Teil der Sozialarbeit betont. In einem zweiten Teil wurden Veränderungen in der Leistungserbringung durch neue Verfahren und Prozesse dargestellt. Das Qualitätsmanagement in Tageseinrichtungen für Kinder (sehr ähnlich dargestellt von Münster und Kiel) ist als Adaption bekannter Modelle (etwa der ISO 9000) entwickelt worden. Hier sind die Ansätze des Kronberger Kreises für Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten sowie die Skala zur Einschätzung der Kinderbetreuung zu nennen. Beide Modelle stellen auf pädagogische Dienstleistungen angepasste Versionen mit partizipativen Elementen in den Bewertungsprozessen dar, die nur noch sehr entfernt an das Ausgangsmodell der ISO 9000 erinnern. Das am Modell der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) entwickelte Beispiel der leistungs- und produktorientierten Jugendhilfeplanung (Braunschweig) macht deutlich, dass selbst relativ sperrige Aufgaben wie die Jugendhilfeplanung einem solchen Verfahrensmodus unterzogen werden können und dadurch gestraffter, zielorientierter und transparenter erscheinen. Beide Themenblöcke des diesjährigen Werkstattgesprächs zu den Auswirkungen der Verwaltungsreform auf die Jugendhilfe machten deutlich, dass sich diese - bei aller Komplexität und der Pluralität der kommunalen Modelle - letztlich auf wenige große Themen reduzieren lassen: Die Mitte der 70er Jahre in Karlsruhe und Trier begonnene Modernisierung der sozialen Arbeit durch eine Regionalisierung von Angeboten der Jugendhilfe wurde 20 Jahre lang diskutiert und insbesondere im Bereich der Erziehungshilfen auch umzusetzen versucht. Als genereller Lösungsansatz für alle Leistungen galt das Regionalisierungsprinzip jedoch lange Zeit als nicht durchführbar. Das Thema war weitgehend in den Hintergrund gerückt, erlebt aber zur Zeit eine neue Blüte. Wie auch immer diese Entwicklung eingebunden wird, sie hat eine starke Wurzel in der Jugendhilfe- Debatte um Lebenslagen, Zielgruppen, sozialräumliche Orientierung, "Soziale Stadt"-Projekte und zivilgesellschaftliche Transformation. Ihren Schwung bekommt die Debatte aber durch die Ansätze des neuen Steuerungsmodells, der dezentralen Ressourcenverantwortung sowie der Begleitung durch Controlling, Berichtswesen und Qualitätssicherung. Die Einbindung der Jugendhilfeplanung in diesen Prozess - sowohl als Gestalter als auch als Modellfall - ist die Überraschung dieses Workshops, denn die Jugendhilfeplanung stand lange Zeit in der Gefahr, durch Controlling-Prozesse verdrängt zu werden. Auch die Debatten um die Einheit der Jugendhilfe, die bei den Überlegungen zur Neuorganisation der Jugendämter (Umwandlung in Fachbereiche u.ä.) manchmal in den Hintergrund zu treten schienen, sowie um die Rolle des Jugendhilfeausschusses deuten darauf hin, dass die Politik in die Modernisierungsprozesse bisher kaum eingreift. Hier besteht in nahezu allen Kommunen Nachholbedarf. Insgesamt ist der Anteil der Modernisierungselemente im Bereich der Jugendhilfe geringer als zu erwarten war, was an den besonderen pädagogischen Dienstleistungen dieses kommunalen Aufgabenfeldes liegen dürfte. Viele Modelle sind zudem erst vor kurzem vom Pilotprojekt zur generellen Verfahrensregel geworden, so dass tiefer gehende Evaluationen derzeit noch nicht vorlagen. |
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Weitere Informationen: Dipl.-Ing. Heidrun Kunert-Schroth |
Für das nächste Jugendhilfe-Jahrestreffen wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Thema "Kommunale Konzepte für soziale Stadtteilentwicklungsprojekte" vorgeschlagen, wobei die Treffen auch bundesweit angelegt werden könnten. Die Ergebnisse dieser Veranstaltung werden in der Difu-Materialienreihe veröffentlicht. |
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