Difu-Berichte 2/1999 - Städtische Denkmalpflege in Deutschland
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Grundlagen und Arbeitshilfen städtischer Denkmalpflege in Deutschland
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Dipl.-Soz. Claus-Peter Echter echter@difu.de |
Aufgabe der kommunalen Denkmalpflege ist es, die historische Bausubstanz und Grundstruktur der Stadt zu erhalten und die lokalen geschichtlichen Dimensionen bei der zukünftigen Stadtentwicklung bewußtzumachen. Bedeutung hat außerdem die Frage, wie Denkmalpflege in die Stadtplanung einbezogen werden kann. Für beide Bereiche sind denkmalpflegerische Dokumentationen und Instrumente wichtige Hilfsmittel, deren Eignung und Nutzen in der vorliegenden Untersuchung überprüft wurden. Ziel eines Forschungsprojekts des Deutschen Instituts für Urbanistik war es, die Praktikabilität von Arbeitsgrundlagen städtischer Denkmalpflege zu ermitteln, Defizite aufzuzeigen und innovative Anstöße zu geben. Da die einzelnen Bundesländer bei der Konzeption unterschiedliche Ansätze dieser Grundlagenwerke und Arbeitshilfen verfolgten, war es sinnvoll, die Materialien und Instrumente zu vergleichen und einen Überblick über das vorhandene Material zu geben, um den Erfahrungsaustausch in der städtischen Denkmalpflegepolitik zu fördern.
Einbezogen in die Untersuchung wurden folgende Dokumente und Instrumente städtischer Denkmalpflege:
Ausschlaggebend für die Auswahl dieser Arbeitshilfen war, daß es sich dabei mit Ausnahme des Verwaltungsverfahrens um städtebaulich-denkmalpflegerische Grundlagen handelt. Ausgangspunkt war die Vorstellung, daß diese Materialien und Instrumente einen spezifischen Beitrag im Hinblick auf das Spannungsverhältnis von Denkmalschutz und Städtebau leisten. Denkmallisten, Großinventare, spezielle Publikationen der Landesdenkmalämter und historische Karten, Bauakten, Quellen und Urkunden wurden nicht untersucht, da dies den Rahmen der Studie gesprengt hätte. Ebenfalls nicht analysiert werden Instrumentarien der städtebaulichen Denkmalpflege wie die Bauleitpläne (Flächennutzungsplan, Bebauungsplan) sowie die Erhaltungs- und Gestaltungssatzung. Über diese Rechtsinstrumente liegt bereits eine Fülle von informativen und aufschlußreichen Veröffentlichungen vor. Probleme und Konflikte zwischen Städtebau und Denkmalpflege lassen sich durch Arbeitshilfen nicht lösen, doch bilden sie eine wichtige Voraussetzung für eine bessere Kooperation zwischen Vertretern beider Handlungsfelder. Der Stadtplaner muß wissen, welche Kategorien für den Denkmalpfleger gelten und umgekehrt. Bei der Studie ging es vor allem darum,
Die Forschungsergebnisse wurden auf der Basis eines intensiven Literaturstudiums und umfangreicher Recherchen gewonnen. Darüber hinaus wurden in mehr als hundert Gesprächen auf kommunaler, aber auch auf Landesebene mit maßgeblichen Vertretern und Vertreterinnen aus den Bereichen Denkmalpflege, Planung, Kommunalpolitik und Wissenschaft Meinungen und Einschätzungen zu den Untersuchungsthemen ermittelt. Die Übersicht auf Seite 5 zeigt die Verbreitung der einzelnen Arbeitshilfen/Verfahren in den neun über das Bundesgebiet verteilten und von ihrer Größe her unterschiedlichen Fallstudienstädten. Denkmaltopographien werden landesweit eingesetzt. Der Ortskernatlas, eine denkmaltopographische Sonderform, ist auf Baden- Württemberg und der Baualtersplan zur Stadtsanierung auf bayerische Denkmalstädte wie Regensburg, Weiden und Burghausen beschränkt. Denkmalpflegepläne werden vor allem in Nordrhein-Westfalen, aber auch in den neuen Län dernaufgestellt. Denkmalpflegerische Zielplanungen werden dagegen nur in Schleswig-Holstein, allerdings schon seit 1972, entwickelt.
Im Rahmen der Studie haben sich die Denkmaltopographie und der Denkmalpflegeplan als die beiden wichtigsten unter den untersuchten Arbeitshilfen erwiesen. Vorbeugende Strategien gewinnen in der kommunalen Denkmalpflege an Bedeutung. Für derartige präventive Maß nahmen haben die Denkmaltopographie als wissenschaftlich überzeugende und für den interessierten Laien verständliche Form sowie der Denkmalpflegeplan als handlungsorientiertes Planungsinstrument mit informellem Charakter hohe Bedeutung. Die Darstellung dieser beiden Arbeitshilfen nimmt daher den breitesten Raum in der Studie ein. Aber auch andere Dokumentationen und Instrumente wie der Ortskernatlas, der Baualtersplan und die denkmalpflegerische Zielplanung werden erörtert. Dabei wird die in Deutschland bestehende Vielfalt an informativen denkmalpflegerischen Publikationen und praxisrelevanten Instrumenten deutlich.
Der Hauptteil der Arbeit enthält differenzierte Darstellungen der oben genannten denkmalpflegerischen Arbeitshilfen und Verfahren. Diese folgen einem einheitlichen Gliederungsraster von der Erstellung der Arbeitshilfen über deren Aufgabe und Funktion sowie Inhalte und Darstellung bis hin zu Fragen der generellen Praktikabilität, des Informationswerts, der Auswirkung auf die kommunale Planung und das Denkmalbewußtsein der Bevölkerung. Nach diesem Raster wird hier anhand von zahlreichen Zitaten, die die subjektiven Einstellungen, Einschätzungen und Forderungen der Gesprächspartner widerspiegeln, sowie durch eigene Literaturrecherchen ein Überblick über den Stand und die Standards der Materialien und Instrumente gegeben. Diese werden außerdem detailliert analysiert.
Mit dem Begriff Denkmalpflegeplan werden Pläne bezeichnet, die denkmalpflegerische Ziel- und Planungsvorstellungen für Gemeinden oder größere Siedlungsbereiche darstellen. Die praktische Relevanz der Topographien für die Denkmalpflege in den Kommunen wird überwiegend als sehr hoch eingeschätzt. Die Bände sind eine wertvolle Arbeitsgrundlage für alle, die bei der Verwirklichung von Denkmalschutz und Denkmalpflege zusammenarbeiten. Mit Hilfe des Denkmalpflegeplans gelingt es, den konzeptionellen Rahmen für die Denkmalpflege in der Stadt systematisch zu gestalten. Insgesamt zeigten die Untersuchungen in neun Städten der alten und neuen Bundesländer, daß die denkmalpflegerischen Publikationen für die Einschätzung von stadtplanerischen Maßnahmen wichtige Hinweise liefern und als hilfreiche Instrumente für die Beurteilung von Bauvorhaben angesehen werden können. Ein zentrales Ziel, nämlich die Aufklärung und Information der Bürger und Denkmaleigentümer über den vorhandenen Denkmälerbestand und historisch gewachsene Zusammenhänge,insbesondere durch Arbeitshilfen mit Inventarcharakter (z. B. Denkmaltopographie, Ortskernatlas, Baualtersplan zur Stadtsanierung), wird erfüllt. Die Studie enthält außerdem eine Bilanz der Arbeitshilfen und perspektivische Überlegungen zu einigen zentralen Aspekten der kommunalen Denkmalpflege: zu Verwaltungsmodernisierung sowie städtebaulicher und prophylaktischer Denkmalpflege. Eine umfangreiche Literaturübersicht und zahlreiche Übersichten, Tabellen und Abbildungen und ein Ortsregister runden die Arbeit ab. Die Untersuchung ist vor allem für Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger von Interesse; aber auch Akteure aus Stadtplanung, Kommunalpolitik, Kunst- und Architekturgeschichte, Heimat- und Geschichtsvereinen sowie engagierte Denkmaleigentümerinnen und -eigentümer finden wichtige Informationen und Erkenntnisse.
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