Difu-Berichte 2/1999 - Elektronische Stadt- und Wirtschaftsinformationssysteme in deutschen Städten

 



    

 
 
Die Ergebnisse der Untersuchung
sind jetzt unter dem Titel
"Elektronische Stadt-
und Wirtschaftsinformationssysteme
in den deutschen Städten"
in der Reihe
"Wissenschaft für die Praxis"
beim Deutschen Sparkassen-
Verlag erschienen und im Buchhandel
erhältlich oder zu beziehen über:
 
DSV-Versandbuchhandlung
Weidangerstr. 5
83365 Nußdorf
Telefon: 086 69/87 80-0
Telefax: 086 69/87 80-80
 
Weitere Informationen:
 
Dipl.-Geogr. Holger Floeting
Telefon: 030/39001-221
E-Mail:
floeting@difu.de

    

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat mit Unterstützung der Wissenschaftsförderung des Sparkassenverbandes die Aktivitäten der deutschen Städte im Bereich der elektronischen Informations-, Kommunikations- und Transaktionsangebote untersucht. Die Ergebnisse liegen nun in einer Veröffentlichung vor.

Im Vordergrund der Untersuchung stand das Internet-Engagement der Kommunen. Dabei ging es um

  • eine Bestandsaufnahme vorhandener Angebote,
  • die Erarbeitung von Kriterien für die Weiterentwicklung der Angebote,
  • die Bestimmung des Entwicklungsbedarfs,
  • erste Einschätzungen zur Gestaltung von Träger- und Betreibermodellen,
  • die Darstellung von guten Beispielen,
  • konkrete Handlungsempfehlungenund
  • das Aufzeigen von Entwicklungsperspektiven.



Nahezu jede größere deutsche Stadt verfügt heute über ein Online-Angebot im WorldWideWeb des Internet. Getragen werden die Angebote von öffentlichen und privatwirtschaftlichen Einrichtungen oder als öffentlichprivate Kooperation. Zielgruppen dieser Angebote sind Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, aber auch Touristen und die Wirtschaft. Allerdings sind bislang immer noch wenige Bürger, Touristen und auch nur wenige kleinere und mittlere Betriebe überhaupt in der Lage, die neuen Medien umfassend zu nutzen. Die elektronischen Informationsangebote der Städte umfassen eine große Themenvielfalt. Vor allem im Bereich Freizeit und Tourismus bestehen zahlreiche Angebote. Aber auch die Kommunalverwaltungen selbst bieten Informationen in einem beachtlichen Ausmaß an. Neben diesen einseitig ausgerichteten Informationsströmen gibt es Dialogmöglichkeiten per E-Mail. Seltener sind dagegen bisher umfassendere Kommunikations- oder Transaktionsangebote, die sich erst mit der Entwicklung rechtsgültiger digitaler Signaturmöglichkeiten stärker verbreiten werden. Entwicklungsbedarf besteht vor allem bei interaktiven Angeboten an der Schnittstelle Bürger Verwaltung, die das Zusammenwirken mehrerer Akteure und Fachbereiche, ein überdurchschnittliches technisches Know-how oder einen höheren Finanzierungsbeitrag erfordern. Dies gilt besonders für:

  • datenbankintensive Angebote, die die Verknüpfung von Intranet und Internet erfordern (z.B. Virtuelles Rathaus und Formularwesen),
  • Angebote mit hohem Aktualitätsanspruch (z.B. öffentliche Ausschreibungen, Stellenbörsen),
  • Angebote mit überdurchschnittlichem Verknüpfungsaufwand zwischen Akteuren und Fachressorts und hohem Präsentations- und Visualisierungs-Know-how (z.B. Stadtentwicklungsplanung),
  • transaktionsorientierte Anwendungen (z.B. Abwicklung von Formalitäten zwischen Bürger und Verwaltung wie Formularwesen und elektronischer Zahlungsverkehr),
  • Angebote mit hohem Identifizierungs-und Autorisierungsgrad (z.B. Meldevorgänge).

Unter bewußtem Verzicht auf ein Ranking der "besten Online-Städte" - zu unterschiedlich sind die Anforderungen der einzelnen Zielgruppen, zu groß die Vielfalt der gestalterischen Möglichkeiten, und selbst in Fragen der Organisation gibt es keinen Königsweg - werden in der Difu-Untersuchung statt dessen gelungene Beispiele Elektronische Stadt- und Wirtschaftsinformationssysteme in deutschen Städten Homepage der Stadt Mannheim aus der kommunalen Praxis ausführlicher beschrieben.

Dazu gehören

  • zielgruppenspezifische Angebote für Bürger, Wirtschaft und Touristen wie bremen.online",
  • Stadtinformationssysteme, die im Konsens mit lokalen Interessengruppen entwickelt wurden, wie Münsters publikom",
  • Internet-Angebote, die Teil einer integrativen Konzeption der lokalen IuK-und Medienaktivitäten sind, wie die Kölner Online-Angebote,
  • regionale Plattformen als Mittler zwischen KMUs und Wissenschaft wie das Bremen Business Net (BBN),
  • elektronische Marktplätze wie die grenzüberschreitende Electronic Mall Bodensee,
  • Online-Angebote zum regionalen Standortmarketing für Gewerbeflächen wie das Standortinformationssystem Bonn,
  • regionale Data-Warehouse-Konzepte für Wirtschaftsinformationen wie der Wirtschafts-Informations-Dienst der Investitionsbank Berlin.

Niemand kann im Augenblick mit Sicherheit sagen, wie Stadt- und Wirtschaftsinformationssysteme in zehn oder zwanzig Jahren aussehen und genutzt werden. Zu vielfältig sind die Faktoren, die die Entwicklung bestimmen. Dennoch lassen sich wahrscheinliche Entwicklungen beschreiben. Die Zahl der angebotenen Online- Dienste im Internet wird ebenso wie deren Nutzung zunehmen und viele Bereiche des Alltags durchdringen. Parallel dazu wird die Spezialisierung solcher Dienste weiter voranschreiten. Für Kommunen sollte eine zentrale Perspektive künftiger Entwicklungen sein, Stadt- und Wirtschaftsinformationssysteme als eine Art Infrastruktur zu betrachten, die eine Basis für die Kommunikationsbedürfnisse aller denkbaren Akteuren bietet. Ein notwendiger Schritt beim Aufbau der integrativen Plattform wird dabei der Ausbau von Public- Private-Partnership-Lösungen sein. Die eigenen inhaltlichen Angebote von Kommunen müssen Teil dieser Plattform sein. Dabei dürfen Kommunen ihr erhebliches Informationsreservoir nicht den gewinnorientierten Interessen privater Kooperationspartner opfern und sollten ihre Angebote einer breiten Öffentlichkeit zugänglich halten. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen zeichnet sich ab, daß sich zumindest bestimmte Themenbereiche von Stadtinformationssystemen auch in absehbarer Zeit finanziell nicht selber tragen werden. Der Trend zur Individualisierung von Erfahrungswelten wird sich zukünftig durch neue Möglichkeiten der Modellierung eigener virtueller Umgebungen eher verstärken. Diesem Trend werden sich auch Stadt- und Wirtschaftsinformationssysteme nicht entziehen können. Die Entwicklung elektronischer Bürgerdienstleistungen der Verwaltung sollte zukünftig eher den Kriterien Kundenbedürfnisse" und Nutzbarkeit" folgen, als sich allein an der Automatisierbarkeit von Verfahren zu orientieren.

Für die möglichen Entwicklungswege stehen drei Szenarien:

  • Bei der Stadt im Netz als Festivalisierungsprojekt konzentriert sich die Kommune bei der Entwicklung des Online-Angebots vor allem auf den Aspekt der Stadtwerbung.
  • Die Stadt im Netz als kooperatives Geschäft setzt auf eine universelle Informations-, Kommunikations- und Transaktionsplattform für unterschiedlichste öffentliche und private Stadtinformationsangebote. Das kommunale Angebot selbst wird auch in öffentlich- privater Kooperation betrieben. Die Nutzung wird im wesentlichen durch ein marktgängiges Angebot gefördert.
  • Die Stadt im Netz als Teil einer umfassenden lokalen IuK-Politik begreift Online-Stadtinformationssysteme als ein Modul lokaler Aktivitäten auf dem Weg in die Informationsgesellschaft. Sie setzt insbesondere auf die Erleichterung von Zugangschancen, die Förderung von Medienkompetenz bei den Nutzern und die Verzahnung von virtueller und realer Welt. Der Kommune fällt in diesem Zusammenhang eine umfangreiche Initiierungs-, Betreiber- und Moderationsfunktion zu.

Damit die positiven Entwicklungsmomente auf dem Weg in die künftige Informationsgesellschaft überwiegen, müssen die Rahmenbedingungen dafür auf allen gesellschaftlichen Ebenen geschaffen werden. Dies setzt nicht nur bei Entscheidungsträgern und einer ohnehin interessierten, technisch versierten Minderheit eine Kenntnis der möglichen Folgewirkungen und Entwicklungspotentiale heute entwickelter Technologien voraus, sondern auch bei einer möglichst großen Zahl von "Alltagsnutzern". Ohne dieses Wissen kann eine kritische Auseinandersetzung mit dem inhaltlich Sinnvollen und technisch Machbaren nicht geleistet werden. Die Möglichkeiten, die das Medium unbestreitbar bietet, bleiben solange ohne Relevanz, wie diese nicht von einer großen Zahl Nutzer dauerhaft und kompetent wahrgenommen werden.

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