Difu-Berichte 2/1998 - ZukunftsWerkStadt: 25 Jahre Difu - Anlaß für konkrete Utopien

     25 Jahre Difu
ZukunftsWerkStadt

Anlaß für konkrete Utopien

Die Zukunft der deutschen Städte wird in Wissenschaft und Praxis überwiegend skeptisch eingeschätzt. Denn große, oft weltweit wirksame Entwicklungstrends bringen immer neue Belastungen für die kommunale Politik:

  • Ökonomisch stehen Prozesse der Deregulierung und Globalisierung im Vordergrund, die eine Umwertung von Standortfaktoren auslösen, interregionalen Wettbewerb intensivieren und zu steigender Arbeitslosigkeit in den Städten beitragen.
  • Ökologisch sind die Gefahren für die natürliche Basis unseres Lebens und Wirtschaftens nicht gebannt: Trotz Fortschritten im einzelnen bleiben die Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft, Klimagefahren oder die weltweite Zerstörung von Fauna und Flora weiterhin bedrohlich.
  • Sozial stellen die wachsenden Diskrepanzen zwischen Erwerbstätigen und Arbeitslosen und die Schwierigkeiten der Integration von Migranten zur Zeit besondere Herausforderungen für die lokale Politik dar. Hinzu kommen die Überalterung der Gesellschaft und Wertverschiebungen, die bei einer Vergesellschaftung der Risiken private Selbstverwirklichung im Konsum begünstigen.

Dieser Realität mit ihren Belastungen stehen die - oft schon lange verfolgten - Leitbilder der Stadtentwicklung gegenüber: die prosperierende Stadt, die Stadt im Einklang mit der Natur, die Stadt der Toleranz und des sozialen Ausgleichs.

Für die Stadtpolitik geht es um kontinuierliche Anpassung der Lebensbedingungen in den Städten mit Blick auf solche Leitvorstellungen. Oft fehlen dafür der rechtliche Handlungsspielraum, die finanziellen Ressourcen oder gar hinreichende politische Unterstützung durch die Bürgerinnen und Bürger.

Damit es möglichst selten am erforderlichen Wissen mangelt (über absehbare Entwicklungen, geeignete Instrumente, bewährte Verfahren und Erfahrungen anderer Städte), wurde vor 25 Jahren das Deutsche Institut für Urbanistik gegründet, das seither die deutschen Städte und Gemeinden durch praxisnahe Forschung, Fortbildung und Beratung unterstützt.

Wir wollen diesen Geburtstag zum Anlaß nehmen, um im Rahmen eines Symposiums "ZukunftsWerkStadt" mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis zu diskutieren. Dabei geht es um die Herausarbeitung von Entwicklungslinien und Zielen, um die Konfrontation und - vielleicht - Harmonisierung von Auffassungen darüber, um Veränderungsprozesse und deren Bewertung. Dem gilt die Veranstaltung am 17. September 1998 "Trends - Sorgen - Visionen". Je drei Kurzreferate aus verschiedener fachlicher Perspektive sollen wie Scheinwerfer Licht auf zwei Themenkomplexe - Stadtraum und Stadtgesellschaft - werfen und sie "erhellen". Was so vielleicht an akademischer Systematik verlorengeht, soll an Vielfalt der Positionen als Auftakt für offene Diskussionen gewonnen werden.

Steht hier die Beurteilung denkbarer Zukünfte im Vordergrund, so soll am 18. September 1998 in parallelen Workshops der Schritt "Vom Leitbild zum konkreten Handeln" vollzogen werden. Zu vier unstrittigen Zielsetzungen

  • "Nachhaltiges Wirtschaften"
  • "Gesellschaftliche Integration"
  • "Leistungsfähige Infrastruktur"
  • "Politische Stabilität"

sollen die Workshops alternative Wege kritisch reflektieren. Als Startkapital für die jeweiligen Debatten dienen einerseits ein teilweise exemplarisch argumentierender Text aus dem Difu, - er wird den für die Werkstätten angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern rechtzeitig zugesandt -, andererseits ein Eingangsreferat aus Praktikerperspektive.

Alles in allem soll die Veranstaltung nicht im grauen Jammertal gefangen bleiben, nicht auf rosa Wolken entschweben: Analyse und Kritik, visionäre Ziele und hindernde Realitäten, materielle Zielkonflikte und neue politisch-administrative Verfahrensweisen bleiben gleichermaßen im Blickfeld.

So sieht das Difu auch seine Funktion in den bisherigen 25 Jahren und für die Zukunft. Es versteht das Treffen als Quelle neuer Anregungen und "Anlaß für konkrete Utopien".

 


Die Difu-Zukunftswerkstatt ist öffentlich, die Teilnahme bedarf jedoch der Anmeldung. Vertreterinnen und Vertreter der dem Difu angeschlossenen Städte werden vorrangig berücksichtigt. Bitte haben Sie Verständnis, daß wir aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten - vor allem in den Werkstätten - eventuell nicht jeden Teilnahmewunsch berücksichtigen können.



Donnerstag, 17. September 1998

17.00 Uhr Begrüßung

  • Prof.Dr. Heinrich Mäding, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, Berlin
  • Eberhard Diepgen, Regierender Bürgermeister von Berlin

Trends-Sorgen-Visionen
Skizzen aus sechs Perspektiven

17.15 Uhr
Stadtraum: Zwischen Überforderung und Auflösung, Kurzreferate und Diskussion

  • Christiane Thalgott, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München
  • Dr. Henning Friege, Umweltdezernat der Landeshauptstadt Düsseldorf und Mitglied der Enquetekommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" des Deutschen Bundestages
  • Prof. Dr. Dietrich Henckel, Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin

18.30 Uhr
Stadtgesellschaft: Zwischen Vernetzung und Polarisierung, Kurzreferate und Diskussion

  • Prof. Dr. Jürgen Friedrichs, Universität Köln
  • Prof. Dr. Bernd Guggenberger, Freie Universität Berlin
  • Dr. Hinrich Lehmann-Grube, Oberbürgermeister a.D. der Stadt Leipzig

19.45 Uhr Statt eines Schlußwortes
"City light". Stadtvisionen

  • Dr. Karlheinz Steinmüller, Zukunftsforscher und Science-Fiction-Autor

ab 20.00 Uhr Abendprogramm
Anregungen für alle fünf Sinne

  • Kulinarisch
  • Kulturell
  • Kommunikativ

Weitere Informationen:

Difu-Pressestelle
Telefon: 030/39001-208/-209
Telefax: 030/39001-130


Freitag, 18. September 1998

9.00 Uhr

Vom Leitbild zum konkreten Handeln

Werkstattgespräche über Handlungsoptionen

Impulsreferate und Diskussion in parallel laufenden Werkstätten

  • Nachhaltiges Wirtschaften
    Dr. Susanne Schimmack, Leiterin des Stabes "Umwelt und Wirtschaft" des Umweltamtes der Stadt Nürnberg
    Moderation: Dr. Rolf-Peter Löhr
  • Gesellschaftliche Integration
    Klaus Wermker, Amtsleiter des Amtes für Entwicklungsforschung, Statistik, Stadtforschung und Wahlen der Stadt Essen
    Moderation: Hasso Brühl
  • Leistungsfähige Infrastruktur
    Rainer König, Leiter Marktentwicklungspotential Deutsche Telekom AG, Darmstadt
    Moderation: Dr. Busso Grabow
  • Politische Stabilität
    Jochen Dieckmann, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städtetages
    Moderation: Dr. Paul von Kodolitsch

Das Difu präsentiert zu jedem Themenkomplex ein Perspektivpapier.

11.00 Uhr Kaffepause

11.30 Uhr Plenum
Berichte aus den Werkstätten

12.15 Uhr
Zusammenfassung und Ausblick

Prof. Dr. Heinrich Mäding
Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik

12.30 Uhr Schlußwort
Petra Roth, Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main; Präsidentin des Deutschen Städtetages