Difu-Berichte 2/1998 - Städtebauliche Großvorhaben
|
Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen |
||
|
Nach einer Phase der vornehmlich bestandsorientierten Städtebaupolitik haben seit Anfang der neunziger Jahre viele Städte anspruchsvolle städtebauliche Großvorhaben geplant, die gegenwärtig realisiert werden: Neue Wohn- und Mischquartiere sowie Büro- und Dienstleistungszentren, Technologie- und Mediaparks auf innerstädtischen Industriebrachen. Hafen-, Bahn- und Konversionsflächen sollten den akuten Wohnungsbedarf decken, neue Arbeitsplätze schaffen und damit attraktive städtische Strukturen herstellen. Den damaligen euphorischen Erwartungen ist mittlerweile Ernüchterung gefolgt; die Krise der öffentlichen Haushalte, die Entspannung auf dem Wohnungsmarkt und das Überangebot an gewerblichen Nutzflächen bei regional sogar fallenden Bodenpreisen haben Wirtschaftlichkeits- und Finanzierungskonzepte für diese Projekte vielfach in eine Schieflage gebracht. In Berlin zeigt sich diese Problematik besonders deutlich. Private Entwickler aber auch die Gemeinden als mit wirtschaftlichem Risiko agierende Entwickler in förmlich festgelegten "städtebaulichen Entwicklungsbereichen" stehen deshalb vor erheblichen Anpassungsproblemen. Im Rahmen eines Symposiums, das das Difu in Kooperation mit der Wasserstadt GmbH Berlin am 22. und 23. 6. 1998 in Berlin veranstaltete und an dem rund 120 Vertreterinnen und Vertreter aus Planungs-, Finanz- und Wirtschaftsverwaltungen, Entwicklungsträger und Projektentwickler teilnahmen, wurden Anpassungserfordernisse und -strategien unter stadtwirtschaftlichen, stadtentwicklungspolitischen und rechtlichen Aspekten diskutiert. Die Tagung machte deutlich, daß Anpassungserfordernisse sich nicht nur aus den Besonderheiten der Berliner Situation ergeben, sondern ein strukturelles Problem städtebaulicher Großvorhaben darstellen. Insbesondere die Frage, ob und wenn ja, wie Nutzungskonzepte marktförmiger gestaltet werden können, stellt sich auch bei anderen Vorhaben. In Anbetracht der kurzen Zyklen, in denen sich Nachfrageverhalten "ndert, sollten Anpassungen der Nutzungskonzepte aber nicht übereilt vorgenommen werden. Trotz der wachsenden Finanzierungskosten kann eine zeitliche Streckung der Maßnahmen auch sinnvoll sein. Notwendig sind aber differenzierte Verwertungsstrategien, die vorrangig die Entwicklung jener Flächen vorantreiben, für die durch Grunderwerb und Ordnungsmaßnahmen bereits Kosten entstanden sind. Andere Teilflächen können zurückgestellt werden. |
|
|
Weitere Informationen: Dr.-Ing. Arno Bunzel Dipl.-Soz. Robert Sander Telefon: 030/39001-267 |
Die Diskussionen in den einzelnen Workshops im Rahmen der Tagung ließen erkennen, daß die Städte vor der schwierigen Herausforderung stehen, einerseits den in Anbetracht der Krise der öffentlichen Haushalte bestehenden stadtwirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung zu tragen, andererseits aber im Interesse einer am Allgemeinwohl ausgerichteten städtebaulichen Entwicklung den uneinheitlichen und kurzfristigen Markttrends mitunter zu widerstehen. Dies erfordert vor allem einen breiten politischen Konsens über die Leitlinien der städtebaulichen Entwicklung, der auch in Zeiten wirtschaftlicher Rezession Bestand hat, aber auch die Entwicklung von "Sensoren" für die Beobachtung von Märkten, wie beispielsweise den ständigen Dialog mit den wichtigen Akteuren des Marktes bereits bei der Konzepterstellung. Städtebauliche Großvorhaben werden auch in Zukunft wichtige Impulsgeber für die Entwicklung der Städte sein. Allerdings kann es in Anbetracht der Unwägbarkeiten global beeinflußter Rahmenbedingungen den einen "großen Wurf" nicht geben. Die derzeitigen Probleme vieler Großvorhaben machen die generell damit verbundenen Risiken deutlich. Die Zyklen, in denen sich die Nachfrage verändert, sind in der Regel kürzer als die Dauer der Planung und Realisierung städtebaulicher Großvorhaben. Zudem führt die zeitlich kompakte Entwicklung großer Flächen und Nutzungseinheiten zwangsläufig zu Problemen in anderen Gebieten und für betroffene Marktsegmente. Geboten ist deshalb eine Diversifizierung von Risiken, Nutzungskonzepten und Entwicklungsstrategien. Auch Großvorhaben sollten in kleinen kalkulierbaren Einheiten auf der Grundlage eines einheitlichen aber flexiblen Rahmenkonzeptes entwickelt werden. Das Difu wird über die Veranstaltung eine ausführliche Dokumentation erstellen, die voraussichtlich im Herbst erscheinen wird. |
