Difu-Berichte 1/2007 - Kommunale Bildungssteuerung: Zur Planung von Schule und Bildung im Stadtteil
Kommunale Bildungssteuerung
Zur Planung von Schule und Bildung im Stadtteil
Im Projekt „Schule und Bildung im Stadtteil“ ermittelte das Difu Handlungsspielräume und Potenziale für eine Stärkung der Schule durch Vernetzung aller relevanten Bildungs- und Sozialeinrichtungen sowie der weiteren Akteure im Stadtteil.
Im Vordergrund stand die Frage, mit welchem planerisch-organisatorischen Verfahren Schule als lebensweltnaher Ort der sozialen Integration, der lokalen Identität, der außerschulischen sozialpädagogischen Förderung, der Weiterbildung und der Soziokultur vernetzt werden kann. Hierfür sollte ein integriertes Handlungskonzept entwickelt werden, das eine Vernetzung im Stadtteil ermöglicht.
Bisherige Erfahrungen ließen erwarten, dass lokal vernetzte, sinnvoll aufeinander abgestimmte Aktivitäten ein positives lern- und leistungsmotivierendes Schul- und Bildungsklima fördern und damit langfristig zur Verbesserung des Bildungsniveaus und auch zu einer Verbesserung der sozioökonomischen Lage im Stadtteil beitragen können.
Erfahrungen aus dem Programm „Die Soziale Stadt“ zeigen eidrucksvoll: Das Zusammenwirken eines integrierten Vorgehens, die Bündelung nach Inhalten, Zielgruppen und Ressourcen verwandter Aktivitäten und ein agiles, auf Kommunikation und Kooperation der Akteure ausgerichtetes Stadteilmanagement führen zu Erfolgen.
Als Praxisbeispiel sind hier die Aktivitäten der Landeshauptstadt München zu nennen. München hat sich dafür engagiert, die Schulen in benachteiligten Stadtteilen in einer Kooperation des Schul- und Kultusreferats mit dem Sozialreferat und unter Einbeziehung des Quartiermanagements in die Maßnahmenpalette des Bund-Länder-Programms „Die Soziale Stadt“ durch die Ausweitung von Kooperationen und Bürgeraktivierung einzubinden. Pilotgebiet dieses Vorhabens ist der Münchner Stadtteil Giesing, der auch Sanierungsgebiet ist.
Leitthemen des Projekts sind:
- Armut sowie Wirkung der Bildung im Stadtteil und
- Öffnung der Schule sowie Akzeptanz und Präsenz im Stadtteil.
Von besonderem inhaltlichen und methodischen Interesse ist dabei – in Abstimmung mit dem „Ersten Münchener Bildungsbericht“ – die Einrichtung eines sozialen Bildungsmonitoring auf kleinräumiger Ebene.
Das Difu unterstützte die Projektarbeit in München bildungs- und sozialplanerisch und half bei der verfahrensmäßigen Optimierung. Aus dieser Kooperation konnte eine Planungshilfe als generalisierbares Praxisbeispiel für die kleinräumige kommunale Bildungssteuerung gewonnen werden.
Die in der Planungshilfe dargestellten Handlungsempfehlungen zur lokalen Bildungssteuerung müssen jedoch im übergreifenden bildungs-, schul- und sozialpolitischen Kontext und vor dem Hintergrund des – insbesondere in großstädtischen Soziale-Stadt-Gebieten vorherrschenden – Schul- und Bildungsalltags eingeordnet gesehen werden.
Zur Erstellung der Planungshilfe wurde auch auf Forschungsergebnisse sowie Handlungskonzepte, Programme und modellhafte Projekte zur Bildungssteuerung aus anderen Städten zurückgegriffen.
Um die planerischen Handlungsempfehlungen speziell auf die Münchner Gegebenheiten zuzuschneiden und den abschätzbaren Implementierungs- und Realisierungsspielraum der Verfahrensmuster einzuschätzen, wurde eine kurze Analyse und Bewertung der Ziele und bisherigen Aktivitäten der Landeshauptstadt München zur lokalen Bildungssteuerung – speziell im Stadtteil Giesing vorgenommen.
Die Handlungsempfehlungen zur Bildungssteuerung im Stadtteil umfassen praxisbewährte Verfahrenshinweise für folgende planungsmethodische Stufen:
- Lokale Problemanalyse und Bedarfsermittlung,
- Bedarfsgewichtetes Zielkonzept und effizienzorientiertes Maßnahmenprogramm,
- Akteurskooperation und bürgerschaftliche Beteiligung und Motivierung sowie
- Verfahrensökonomisches Monitoring und Evaluation.
Die Planungshilfe schließt mit einem kurzgefassten Ausblick auf zukünftige Wirkungspotenziale und Perspektiven der kommunalen Bildungssteuerung im – insbesondere benachteiligten – Stadtteil. Eine Veröffentlichung der Planungshilfe ist vorgesehen.
Dipl.-Ing. Christa Böhme
E-Mail:
boehme@difu.de
Autorin: Dipl.-Ing. Heidrun Kunert-Schroth
