Difu-Berichte 1/2006 - Brachflächenrecycling: Herausforderungen, Lösungen, Nutzen!
Abschlussveröffentlichung im Rahmen der deutschamerikanischen Forschungskooperation
Deutsch-amerikanische Forschungskooperation
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die United States Environmental Protection Agency (US EPA) starteten 1990 eine bilaterale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Altlastensanierung. Die im Dezember 2005 abgeschlossene Phase III der deutsch-amerikanischen Forschungskooperation stand unter der Überschrift "Nachhaltige Ressourcenschonung - Flächenmanagement und Flächenrecycling - Sustainable Ressource Conservation - Land Management/ Site Recycling". Im Rahmen dieser Zusammenarbeit fanden fünf bilaterale Workshops statt, die bereits dokumentiert wurden. Im Frühjahr 2005 wurde eine vom Difu organisierte deutsch-amerikanische Abschlusskonferenz in Berlin veranstaltet, deren Ergebnisse nun veröffentlicht werden.
Ein wesentlicher Baustein des transatlantischen Lernprozesses war der Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen amerikanischen und deutschen Wissenschaftlern, vor allem aber auch kommunalen Praktikern im Hinblick auf geeignete Strategien und Instrumente des Flächenrecyclings.
Dokumentation der deutsch-amerikanischen Abschlusskonferenz in Berlin
Die am 18. und 19. April 2005 in Berlin durchgeführte deutsch-amerikanische Abschlusskonferenz stand unter dem Thema "Brachflächenrecycling. Herausforderungen, Lösungen, Nutzen!" Im Zentrum der Konferenz mit 150 Experten aus Deutschland und den USA standen die im Rahmen des Forschungsvorhabens von einem internationalen Team aus Wissenschaftlern und Praktikern erarbeiteten neuen Instrumente für ein nachhaltiges Flächenrecycling. Darüber hinaus wurde ein Überblick über die während der dreijährigen Forschungskooperation behandelten Themenschwerpunkte zum Flächenrecycling gegeben.
Die Dokumentation, die umfangreiche übersetzte Texte sowie englischsprachige Vortragsfolien umfasst, enthält Beiträge USamerikanischer und deutscher Experten über den Aufbau und die Inhalte der neuen Instrumente sowie über die Anforderungen an und die Lösungsansätze für ein nachhaltiges Brachflächenrecycling.
Brachflächenrecycling: Anforderungen und Lösungsansätze
Sowohl in Deutschland als auch den USA wird die Revitalisierung von Brachflächen bereits seit geraumer Zeit von der Politik als wichtiges Handlungsfeld angesehen. Mit der Realisierung neuer Nutzungen auf alten Flächen können Umweltprobleme, städtebauliche Missstände sowie wirtschaftliche und soziale Probleme gelöst werden. Eine zentrale Rolle kommt in beiden Ländern hierbei Kommunen und privaten Akteuren zu, die über ein enormes Brachflächenpotenzial verfügen.
Um die zahlreichen Facetten der Praxis der Brachflächenrevitalisierung eingehender zu analysieren, wurden im Rahmen bilateraler Workshops die Themen "ökonomische Instrumente", "Projektmanagement und Marketingstrategien", "Risikomanagement und -kommunikation", "soziale Aspekte des Flächenrecyclings" sowie "nachhaltiges Flächenrecycling" erörtert und dokumentiert. Die stets an konkreten Modellstandorten gespiegelten Erfahrungen wurden anlässlich der Abschlusskonferenz nochmals in gestraffter Form dargestellt und bilden den ersten Schwerpunkt der neu erschienenen Abschlussveröffentlichung.
Neue Instrumente für ein nachhaltiges Brachflächenrecycling
Anknüpfend an die in fünf bilateralen thematischen Workshops ermittelten Erkenntnisse und Praxiserfahrungen erarbeitete das deutsch-amerikanische Forschungsteam neue Instrumente, die die Praxis des nachhaltigen Brachflächenrecyclings unterstützen und verbessern sollen:
- Flächenrecycling-Arbeitshilfe und Start- Up-Plan-Brachflächen für die Brachflächenbearbeitung in der Bundesrepublik Deutschland,
- SMARTe für die US-amerikanische Praxis der Brachflächenrevitalisierung (SMART = Sustainable Management Approaches and Redevelopment Tools).
Aufbau der Instrumente, Zielrichtung und erste praktische Erfahrungen bilden den Schwerpunkt der Abschlussveröffentlichung.
Der Start-Up-Plan ist ein auf die konkrete Brachfläche zugeschnittener ganzheitlicher Projekt- und Businessplan. Dieser konzentriert sich auf diejenigen Daten zur Information, Kommunikation, Projektplanung und Mittelakquise, die für die jeweilige Zielgruppe von vorrangiger Bedeutung sind. Die Erstellung des Plans steht am Beginn der Realisierung eines Flächenrecycling-Projekts. Er bündelt in strukturierter Form verfügbare Informationen aus Katastern und Informationssystemen, Betriebsunterlagen, Erkundungsdaten, flächenbezogenen (in)formellen Planungen, Gutachten sowie Konzeptionen und Programmen aus Stadtverwaltung und Kommunalpolitik. Der Plan erläutert zu Beginn Visionen im Sinne der Entwicklung oder Vermittlung von Leitbildern, die für Flächenrecyclingprojekte ausschlaggebend sein können. Auch werden planerische Aspekte bezogen auf wesentliche Verfahrensanforderungen zusammenfassend dargestellt.
Bei der Erstellung des Plans sind wichtige Aspekte der Grundstücksaufbereitung und sonstige umweltfachliche Sachverhalte sind zu beachten. Dabei ist zwischen Vorhaben zu unterscheiden, die eine Altlastensanierung im Sinne des Bundesbodenschutzgesetzes (BBodSchG) umfassen und den (zahlenmäßig überwiegenden) Projekten, in denen Baugrund, Abbruchmaßnahmen und Abfälle zu potenziellen Mehrkosten führen können.
Die wirtschaftlichen Aspekte - hier insbesondere Fragen der Markterkundung, der Vermarktung sowie der Kosten und Erlöse - sind ein weiterer wesentlicher Baustein des Start-Up-Plans, der damit für potenzielle Investoren und Geldgeber von Interesse sein dürfte. Daher werden auch Möglichkeiten der Projektfinanzierung und das Management möglicher finanzieller Risiken thematisiert. Weiterhin sind kulturelle und soziale Aspekte der Brachflächenrevitalisierung Gegenstand des Plans, in welchem Aspekte der Denkmalpflege, der sozialen Stadterneuerung bis hin zu Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der Brachflächenrevitalisierung ausgeführt werden können. Eine eigens hierfür erarbeitete Arbeitshilfe bündelt die Grundlagen für die Erarbeitung eines Start- Up-Plans. Eine kostenlose PDF-Vollversion der Arbeitshilfe zur Erstellung von Start-up- Plänen kann beim Difu angefordert werden. Die Erarbeitung von Start-Up-Plänen wird seit 2005 anhand verschiedener Flächenrecyclingprojekte getestet.
Das US-amerikanische SMARTe ist ein internetbasiertes Entscheidungsinstrument, das den an der Flächenrevitalisierung beteiligten Akteuren hilft, Szenarien einer künftigen Wiedernutzung zu entwickeln und zu prüfen. SMARTe besteht aus mehreren Hauptkomponenten. In einem ersten Schritt wurden umfangreiche Informationen zum Themenbereich Flächenrecycling und Altlasten erfasst und strukturiert. So können mit Hilfe der SMARTe-Ressource Online-Informationen unter anderem über Revitalisierungsstrategien, zur Finanzierung des Flächenrecyclings, über Sanierungsverfahren, zur Bürgerbeteiligung, über Haftungsfragen, zur Risikobewertung sowie über Best Practices im Flächenrecycling abgerufen werden. Ein integriertes Tutorial erleichtert Nutzern die systematische Erschließung aller Informationen. Im nächsten Schritt sollen bis zum Jahr 2007 die im SMARTe gebündelten Informationen, die bereits jetzt ohne Analysesystem abrufbar sind, zu einem elektronisch gestützten Entscheidungsinstrument weiterentwickelt werden. Eine Beta-Version von SMARTe kann kostenlos genutzt werden (Open-Source- Software) und ist im Internet verfügbar.
Beide Instrumente sollen die an Brachflächenprojekten beteiligten Akteure bei der Erarbeitung von Entwicklungsprojekten unterstützen und stellen die Wechselwirkungen zwischen planerischen, ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekten der Brachflächenrevitalisierung dar. Die Instrumente richten sich an Grundstückseigentümer, Sanierungspflichtige, Kommunen, Landesverwaltungen, Anwohner und Betroffene, Politiker, Investoren und Banken, Immobilienentwickler, Verbände sowie an Wissenschaft und Fachöffentlichkeit.
Tipps zum Weiterlesen:
- Preuß, Thomas/Barczewski, Baldur/Schrenk, Volker/Weber, Karolin (Hrsg.) (2005), Nachhaltige Wiedernutzung und Revitalisierung von Brachflächen. Dokumentation des 5. deutsch-amerikanischen Workshops Sustainable Reuse and Revitalization of Potentially Contaminated Sites. New Directions, Tools and Concepts" vom 15.-17.9.2004 in St. Louis, Missouri, Berlin (Difu-Materialien 10/2005).
- Preuß, Thomas/Barczewski, Baldur/Schrenk, Volker/ Weber, Karolin (Hrsg.) (2005), Soziale Aspekte des Flächenrecyclings in den Städten. Dokumentation des 4. deutsch-amerikanischen Workshops "Soziale Aspekte des Flächenrecyclings" am 17./18.6.2004 in Leipzig, Berlin (Difu-Materialien 9/2005).
- Preuß, Thomas/Barczewski, Baldur/Schrenk, Volker/Weber, Karolin (Hrsg.) (2005), Flächenrecycling - Risikobewertung und Risikokommunikation, Dokumentation des 3. deutsch-amerikanischen Workshops "Environmental Risk Assessment and Risk Communication", Berlin (Difu-Materialien 2/2005).
- Tomerius, Stephan/ Barczewski, Baldur/Knobloch, Judit/Preuß, Thomas/ Schrenk, Volker (Hrsg.) (2004), Flächenrecycling - Projektmanagement und Marketingstrategien, Dokumentation des 2. deutschamerikanischen Workshops "Auf dem Weg zu wirtschaftlichem Flächenrecycling - Projektmanagement und Marketingstrategien", Berlin (Difu-Materialien 4/2004).
- Tomerius, Stephan/ Barczewski, Baldur/ Knobloch, Judit/Preuß, Thomas/ Schrenk, Volker (Hrsg.) (2003), Finanzierung von Flächenrecycling. Förderprogramme, öffentliche und private Finanzierungsinstrumente sowie Fallbeispiele aus den USA und Deutschland, Berlin (Difu- Materialien 8/2003).
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