Difu-Berichte 1/2004 - Zuwanderer in der Stadt
Neues Forschungsprojekt entwickelt und erprobt Modelle
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Im Zuge des gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels ist es insbesondere in Großstädten schwieriger geworden, die Anforderungen zu erfüllen, um eine sozialintegrierte Stadt(-gesellschaft) aufrechtzuerhalten. Gerade in Großstädten sind Bevölkerungsgruppen differenziert nach sozialen Lebenslagen, ökonomischen Ressourcen und kultureller Orientierung "ungleich" verteilt. Dies kann zu einem Problem für die Stadt(gesellschaft) werden, wenn die Gefahr einer sozialräumlichen Polarisierung zunimmt, da diese mit der Desintegration benachteiligter Bevölkerungsgruppen einhergeht und damit das Ziel einer sozial gemischten und integrierten Stadtgesellschaft in Frage gestellt wird.
Die Integration von Zuwanderern - sowohl der bereits in einer Stadt lebenden als auch der neu hinzu kommenden - vollzieht sich in physischen wie sozialen Räumen. Wohnung und Wohnumfeld bilden zum einen den sozialräumlichen Hintergrund für unterschiedliche Integrationsprozesse wie Spracherwerb, Bildung, Ausbildung und Beruf, Sozialkontakte oder Teilhabe am kommunalen Leben. Zum anderen sind Wohnung und Wohnumfeld selbst Integrationsfaktoren von erheblichem Gewicht, da sie Aktionsräume definieren und Entfaltungsmöglichkeiten eröffnen oder auch begrenzen. Die Bedeutung des Integrationsfaktors Wohnung und Wohnumfeld wächst umso mehr, je weniger der Integrationsfaktor Arbeitsmarkt zuverlässig funktioniert und die Bildungswege von Migranten der zweiten und dritten Generation deutlich schlechter verlaufen als die gleichaltriger Deutscher. Konsens besteht in der Forschung darüber, dass Zuwanderer gegenüber der einheimischen Bevölkerung im Bereich des Wohnens in besonderer Weise benachteiligt sind. Mit dem bundesweiten Projekt "Zuwanderer in der Stadt", das innerhalb des Programms "Bauen und Wohnen" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, sollen im Rahmen eines Verbundvorhabens für und mit den Akteuren in Wohnungswirtschaft und -politik Modelle und Ansätze für eine soziale und räumliche Integration von Zuwanderern in Deutschland entwickelt und erprobt werden. In einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren sollen in einem dialogischen Prozess und Austausch zwischen Akteuren aus Wissenschaft, Verwaltung, Kommunalpolitik, Wohnungswirtschaft und Zivilgesellschaft Konzepte und konkrete Handlungsoptionen für eine Verbesserung der sozialräumlichen Integration von Zuwanderern weiter entwickelt sowie vor Ort Integrationsansätze optimiert und befördert werden. Gute Beispiele können hierbei zielführend sein. Die Frage nach den Möglichkeiten und Potenzialen einer gelungenen Wissensproduktion und - kommunikation zwischen Forschung und Praxis sowie der Anwendung von Wissen durch die Praxis ist für das umsetzungsorientierte Forschungsvorhaben besonders wichtig. Das Vorhaben wird im Rahmen eines interdisziplinär zusammengesetzten Verbunds durchgeführt. Verbundpartner sind:
Der Verbund wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen inhaltlich und methodisch beraten und unterstützt.
Das Vorhaben umfasst zwei "Projektsäulen": ein Expertenforum und ein Praxis- Netzwerk. Im Expertenforum sind Wissenschaft und Praxis vertreten, das Praxisnetzwerk setzt sich aus lokalen und regionalen Akteuren der Kommunen und Wohnungswirtschaft in acht ausgewählten Fallstudienstädten (Berlin, Essen, Frankfurt /Main, Hamburg, Hannover Mannheim, München und Nürnberg) zusammen. Das Expertenforum erarbeitet unter Berücksichtigung von flankierenden Forschungsergebnissen eine Matrix, die jene Bedingungszusammenhänge strukturiert und aufzeigt, die eine sozialräumliche Integration fördern oder behindern. Das Praxis-Netzwerk hat die Aufgabe, Ergebnisse des Expertenforums auf die jeweiligen lokalen Gegebenheiten zu übertragen und ihre Umsetzung anzustoßen, mit dem Ziel, die kommunale und wohnungswirtschaftliche Praxis der sozialräumlichen Integration von Zuwanderern weiter zu entwickeln. Hierfür werden in den einzelnen Städten jeweils Untersuchungsgebiete ausgewählt und vergleichend untersucht. Diese unterscheiden sich nach der Bevölkerungszusammensetzung, aber auch nach ihrer städtebaulichen Struktur, der Lage und der Eigentümerstruktur des Wohnungsbestands sowie den bereits erfolgten Aktivitäten zur Förderung der Integration von Zuwanderern. Das Praxis-Netzwerk wird vom Verbundpartner Forschung (unter Difu-Federführung in Kooperation mit InWIS) wissenschaftlich begleitet. Der Verbundpartner Forschung ermittelt in den Fallstudienstädten und den Untersuchungsgebieten den Status vor und nach dem Einsatz von Projekten und Maßnahmen zur Integrationsförderung. Dabei werden die Organisation der Akteursebene und die Implementation von Maßnahmen berücksichtigt. Eine Evaluation ist nach Ende der Laufzeit vorgesehen. In allen Projektphasen wird eine ganzheitliche, übergreifende Anforderungen und Zusammenhänge betrachtende und interdisziplinär vorgehende Arbeitsweise angestrebt, die durch die Beteiligung von Mitgliedern unterschiedlicher Provenienz (Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Unternehmen) am Expertenforum und am Netzwerk Forschung & Praxis sichergestellt wird. Die beiden Forschungsinstitute Difu und InWIS organisieren in Kooperation mit der Geschäftsstelle der Schader-Stiftung den hierfür erforderlichen Wissenstransfer während der Projektlaufzeit.
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Das Forschungsprojekt startete im Januar 2004. Die Analysen und Vorschläge der Experten, aufbauend auf einer Zusammenführung vorliegender Forschungsergebnisse und der Bestandsaufnahme der Situation in den Untersuchungsstädten und -gebieten werden im Januar 2005, im Rahmen eines Kongresses, vorgestellt. Die in enger Abstimmung zwischen Verbundpartner "Forschung", dem Expertenforum und dem Praxisnetzwerk erarbeiteten Handlungsmöglichkeiten für die Praxis vor Ort werden in einer Abschlusspublikation - voraussichtlich im Juni 2006 - dokumentiert. Das Projekt ist ergebnisoffen angelegt. Die Verbundpartner geben keine inhaltliche Richtung vor, Experten sind sowohl die Mitglieder des Expertenforums als auch die Mitglieder des Praxis-Netzwerks. Das Projekt geht auf eine Initiative der Schader-Stiftung zurück, bei der auch die Projektgeschäftsstelle des Vorhabens angesiedelt ist. |
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