Difu-Berichte 1/2001 - Runderneuerung: vom Archiv für Kommunalwissenschaften zur Deutschen Zeitschrift für Kommunalwissenschaften


Runderneuerung

Vom Archiv für Kommunalwissenschaften zur Deutschen Zeitschrift für Kommunalwissenschaften

 


1962
 
 


1970
 
 


1987
   


1994

    

Vom Jahre 2001 an erscheint die Halbjahresschrift des Difu unter neuem Namen: mit leicht verändertem und ergänzten Konzept im Selbstverlag des Deutschen Instituts für Urbanistik. Bisherige und neue Bezieher der Zeitschrift werden dabei von deutlich günstigeren Bezugsbedingungen profitieren. An der Nahtstelle zwischen alter und neuer Form der Halbjahresschrift - der letzte Band des AfK wurde im Januar ausgeliefert, der erste der
Deutschen Zeitschrift für Kommunalwissenschaften erscheint im Sommer - bietet sich eine passende Gelegenheit gleichermaßen für einen Rück- wie einen Ausblick.

Das Archiv für Kommunalwissenschaften(1962-2000)

Der 1962 gewählte Name für die neue Zeitschrift war Programm. Der Plural "Kommunalwissenschaften" signalisierte, dass es nicht darum gehen sollte, eine eigenständige Wissenschaftsdisziplin zu etablieren, sondern darum, die Ressourcen der bestehenden Wissenschaften, soweit sie sich dem Kommunalen als ihrem Forschungsgegenstand zuwandten, zu bündeln. Denn schon damals waren sich die Beteiligten darin einig, dass es keinen "Königsweg", keinen einer bestimmten Disziplin zuzuordnenden oder gar von dieser dominierten Zugang zum Verständnis der Städte und Gemeinden geben könne, dass vielmehr die kommunale als eine durchaus eigenständige Welt den Erkenntnisinteressen vieler Wissenschaften offen stehe.

Einig waren sich die Gründer der Zeitschrift darin, dass die anstehenden Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung nach deren Neubelebung und dem Wiederaufbau der Städte einer intensiven wissenschaftlichen Begleitung bedurften. Dabei sollte kommunale Grundlagenforschung nicht praxisfern betrieben werden, vielmehr in gegenseitiger Anregung zwischen Wissenschaft und Praxis vor sich gehen. Bereits seit Mitte der 50er-Jahre trafen sich daher auf Einladung des Deutschen Städtetages Vertreter verschiedener Wissenschaftsdisziplinen mit interessierten Kommunalpolitikern in einem
Kommunalwissenschaftlichen Arbeitskreis zu regelmäßigem Erkenntnis- und Erfahrungsaustausch über kommunale Problemfelder.

Aus diesem Kreis kamen die Verantwortlichen, die sich 1962 als Herausgeber des
Archiv für Kommunalwissenschaften in die Pflicht nehmen ließen. Es waren dies von Seiten der Wissenschaft der Historiker Hans Herzfeld, die Staats- und Verwaltungsrechtler Arnold Köttgen und Hans Peters, der Finanzwissenschaftler Fritz Neumark und der Soziologe Heinrich Popitz, von Seiten der Praxis der Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht und die Oberbürgermeister a.D. Hans Lohmeyer und Otto Ziebill - Lohmeyer Vorstand des vom Deutschen Städtetag initiierten
Vereins für Kommunalwissenschaften, Ziebill Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Als Mitherausgeber und gleichzeitig als institutioneller Träger des Unternehmens fungierte von Anfang an der Verein für Kommunalwissenschaften (VfK), der vom Deutschen Städtetag und der Stadt Berlin (West) nach dem Zweiten Weltkrieg als Träger des Berliner Ernst-Reuter-Hauses gegründet worden war und sehr bald mit dem Ausbau wissenschaftlicher Forschungsstellen begann.

Dieses Zusammenführen von Redaktion und wissenschaftlicher Tätigkeit des VfK, ab 1966 des
Kommunalwissenschaftlichen Forschungszentrums (KWFZ) und ab 1973 des
Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), beeinflusste das Profil der Zeitschrift. Die wachsende Bedeutung, die Fortbildungsaktivitäten und praktische Arbeitshilfen für die Städte mit der Erweiterung des KWFZ zum Difu gewannen, spiegelte sich jedoch nicht im gleichen Maße in der Zeitschrift wider. Diese wurde vielmehr weiterhin als ein Forum für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Problemen der Städte und Gemeinden verstanden. Die Zeitschrift bekam dabei in besonderem Ausmaß Anregungen aus der kommunalen Praxis, und dem Difu stand eine zusätzliche wissenschaftliche Plattform für die Veröffentlichung wichtiger Arbeitsergebnisse zur Verfügung.

Das Konzept des
Archiv für Kommunalwissenschaften hatte von Anfang an zwei Anforderungen zu genügen: Zum einen sollte die Zeitschrift den arbeitsteilig organisierten Wissenschaften ein Forum bieten, auf dem sie mit ihren auf die lokale Ebene gerichteten Fragen zu Wort kommen konnten. Dies sollte jedoch nicht einer Zergliederung des Kommunalwesens in beliebige Aspekte Vorschub leisten, vielmehr sollte deren Bündelung in einer gemeinsamen Zeitschrift die Einheit des Gegenstandes
Stadt oder
Gemeinde sowie Breite und politische Bedeutung der kommunalen Aufgaben unterstreichen und sichern helfen. Die Zeitschriftenbeiträge bewegten sich immer im Spannungsfeld zwischen der Erörterung spezifischer Probleme und der Darstellung grundsätzlicher Positionen und Entwicklungen. Mit diesem Konzept hat das
Archiv für Kommunalwissenschaften die kommunale Praxis in der Bundesrepublik Deutschland über einen langen Zeitraum wissenschaftlich begleitet, dabei vor Gefährdungen gewarnt und zu Reformen ermuntert - dies in den letzten zehn Jahren vor allem auch im Zusammenhang mit dem Neuaufbau der kommunalen Selbstverwaltung in den neuen Bundesländern.

Die Deutsche Zeitschrift für Kommunalwissenschaften (ab 2001)

Mit der wachsenden Ausdifferenzierung und Spezialisierung der einzelnen Kommunalwissenschaften ebenso wie mit der Vielfalt der kommunalrelevanten Institutionen und Organisationen entstand ein kaum noch überschaubares Angebot unterschiedlicher kommunaler Fachzeitschriften. Einem interdisziplinärer Betrachtung verpflichteten Publikationsorgan fällt es zwar möglicherweise schwer, sich in einem solchen Umfeld zu behaupten - es erscheint dennoch immer unverzichtbarer. Die Nachfolgerin des Archiv für Kommunalwissenschaften, die Deutsche Zeitschrift für Kommunalwissenschaften, wird diese Betrachtungsweise daher beibehalten, ebenso wie praxisorientierte Wissenschaftlichkeit und Interdisziplinarität. Neu wird dagegen vor allem sein, dass jedes Heft einen eigenen Themenschwerpunkt erhält und - in einer Internetversion - auch in englischer Sprache erscheinen wird. Der Wechsel vom Verlag W. Kohlhammer/Deutscher Gemeindeverlag zum Selbstverlag des Difu wird mit einer drastischen Preisreduktion auf 35,-Euro/ 68,50 DM (vorher 149,50 DM) für das Jahresabonnement und 20,-Euro/39,-DM für den Einzelband (vorher 75,40 DM) verbunden. Mit dieser neuen Konzeption wollen Herausgeber und Redaktion Bewährtes bewahren und die Zeitschrift zugleich auf einen breiteren Adressatenkreis, auf neue Informationswege und veränderte Lesebedürfnisse einstellen. Mit der Umstellung ist übrigens auch ein personeller Wechsel in der institutsinternen Betreuung der Zeitschrift verbunden: die Redaktionsverantwortung liegt, nachdem sich Christian Engeli in den Ruhestand verabschiedet hat, nunmehr bei Paul von Kodolitsch.

 
Weitere Informationen:
Dr. Paul von Kodolitsch
Telefon: 030/39001-272
E-Mail:
kodolitsch@difu.de
    

Das erste Halbjahresheft der Deutschen Zeitschrift für Kommunalwissenschaften ist dem Thema "Integration" gewidmet. Für das Konzept des Themenschwerpunkts zeichnet Albrecht Göschel verantwortlich, die Beiträge stammen von Thomas Krämer-Badoni, Rosemarie Sackmann, Jürgen Friedrichs und Walter Hanesch. Dieses erste Heft der runderneuerten Reihe wird Interessenten auf Anforderung hin nach Erscheinen (voraussichtlich Ende Juni/Anfang Juli) kostenlos zugeschickt.