Difu-Berichte 1/2001 - Preisverleihung: Ideenwettbewerb Stadt 2O3O


Ideenwettbewerb Stadt 2030

Preisverleihung im Ernst-Reuter-Haus in Berlin

 

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn überreichte die Urkunden.

    

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn gab am 15. März 2001 in Berlin die 21 Preisträger des Ideenwettbewerbs "Stadt 2030" bekannt und zeichnete sie für ihre guten Konzepte aus. Die Urkunden wurden von der Ministerin an die Vertreter der Projektpartnerschaften - jeweils bestehend aus einer Gemeinde sowie einer wissenschaftlichen Institution - überreicht. Mehr als 100 Kommunen beteiligten sich an dem Wettbewerb, der vom Deutschen Institut für Urbanistik fachlich begleitet wurde. Die Preisträger wurden unter Federführung unabhängiger Fachleute des Instituts nach einem einheitlichen Bewertungsverfahren ausgewählt.

Im Ideenwettbewerb "Stadt 2030" waren Gemeinden und Forschungsinstitute dazu aufgerufen, umfassende Zukunftsbilder zu entwerfen, die über die jeweiligen Ressortplanungen hinaus - die nur einzelne Teilaspekte behandeln können - auf ganzheitliche und zukunftsverträgliche Entwicklungsmodelle zielen. Gefragt waren langfristig angelegte integrierte Strategien Modelle oder Konzepte einer zukunftsverträglichen Stadt- und Regionalentwicklung. Da der Bundeswettbewerb ein Ideenwettbewerb war, kam in der Prämierung auch keine Rangfolge zum Ausdruck.

Der Wettbewerb bietet den Gewinnern nun die Gelegenheit, langfristige Zukunftskonzeptionen und Leitbilder für die jeweilige Stadt und Region zu erarbeiten, die den drei Schwerpunkten Wirtschaft, Umwelt und Soziales/Kulturelles in Stadtentwicklung und Kommunalpolitik Rechnung tragen. Gleichzeitig sollen Strategien, planerische Schritte und politische Verfahren für die Umsetzung enthalten sein, wie beispielsweise Integration von kommunalen Politik- bzw. Planungsbereichen, regionale Kooperation und Beteiligung der Bevölkerung an der Planung. Die Zukunftsmodelle werden jeweils über einen Zeitraum von 18 Monaten in enger Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen und unter Beteiligung der wichtigsten kommunalen und regionalen Akteure entwickelt.

Die Preisträger sollen auch Vorbild für andere sein, die nach Ideen und Praxiserfahrungen Ausschau halten. Daher sind die Projektskizzen sowie weitere Informationen über den Ideenwettbewerb für Interessierte auch im Internet zu finden:
http://www.stadt2030.de.

Die prämierten Modellstädte sind:

Beeskow/ BB (20 000 EW)
Schwerpunkt: "Herunterbrechen" europäischer und globaler Veränderungen (z.B. Bevölkerungsschwund, Überalterung, neue Technologien, zunehmende Mobilität, neue Technologien, EU-Erweiterung etc.) auf die kommunale Ebene; daraus abgeleitete Einzelprojekte zur Förderung des Bewusstseins in der Bevölkerung für die besonderen Qualitäten des Ortes, wonach das Kleinstädtische oder Ländliche der Gemeinde nicht als Rückständigkeit, sondern als Potenzial und Qualität des täglichen Lebens zu werten ist.

Borken/ HE (32 300 EW)
Schwerpunkt: Regionalentwicklung mit Modellcharakter für einen innovativen, ökologisch und hochtechnologisch orientierten, durch Tourismus ergänzten Wirtschaftswandel nach dem Auslaufen einer altindustriellen wirtschaftlichen Monostruktur, mit besonderer Akzentsetzung auf ökologische Orientierungen und deren Vermittlungen an die Bevölkerung.

Bremen/ HB (550 000 EW)
Schwerpunkt: In Abkehr von kostenintensiven Investitionen in einzelnen Sozialeinrichtungen und Umweltmaßnahmen - zugunsten der Entwicklung eines sozial- und umweltpolitischen Modells der zeitgerechten Stadt zur Realisierung sozialer Gerechtigkeit und Ressourcenschonung durch deren Integration in eine ganzheitliche zeitgemäße Stadt-, Siedlungs- und Regionalentwicklung mit Konsequenzen für die Stadtentwicklung sowohl in den großräumlichen Entwicklungen als auch in den kleinsten Details der Quartiersplanung, also z. B. in den Ladenöffnungszeiten des Einzelhandels in Stadtteilen; Auseinandersetzung mit den veränderten Zeitrhythmen der städtischen Gesellschaft.

Dietzenbach/ He (34 000 EW)
Schwerpunkte: Entwicklung funktionsoffener starker Räume, wobei im Sinne einer "Kultur der unseriösen Entwürfe" Phantasie Planung und Partizipation prägen soll.


Freude bei den Preisträgerinnen und Preisträgern des Ideenwettbewerbs.

Eisenhüttenstadt / BB (45.000 EW)
Schwerpunkt: Erarbeitung eines Konzepts zur Nutzung der endogenen Potenziale, also der Wohnbebauung und der landschaftlichen Situation für die Ansiedlung neuer wirtschaftlicher Bereiche, z.B. bestimmter medizinischer Dienstleistungen oder Hochtechnologiebranchen, die sonst eher in hochwertigen Landschaftsräumen oder alten städtischen Kontexten Fuß zu fassen suchen.

Erlangen/ BY (100 000 EW)
Schwerpunkte: Erlangen-spezifische Akzente bei der Umsetzung der "urbanen Trias" einer nachhaltigen Stadtentwicklung: Medizin und Gesundheit, Kultur, Bildung und Ethik, E-City und Wissenschaft (Erlanger Quartett); neue Wege des "Stadtdialogs" durch erweiterte Verfahren der Zukunftsgestaltung mit umfassender Bürgerbeteiligung und Einbeziehung der Region (Bausteine z.B.: Innovationsworkshops, Informationsmärkte, Bilanz für Zukunftschancen, Haus der Zukunft, Atelier für Innovationen).

Esslingen/ BW (90 000 EW)
Schwerpunkte: Entwicklung einer sozial gerechten, integrierten Stadt weniger durch klassische sozialpolitische Versorgung, sondern durch eine "neue Bürgerschaftlichkeit" mit aktiver Teilnahme auch der benachteiligten Bevölkerungsgruppen am Beispiel eines problembehafteten Stadtteils.

Görlitz / SN (62 000 EW)
Schwerpunkt: Entwicklung eines gemeinsamen Leitbilds der beiden Partnerstädte mit einerseits enger Kooperation und andererseits Berücksichtigung der Unterschiede der beiden Städte Görlitz und Zgorzelec; Entwicklung einer "Europastadt" der wirtschaftlichen, kulturellen und administrativen Kooperation mit Vorbildcharakter für die erwartete Osterweiterung der EU.

Guben/ BB (28 600 EW)
Schwerpunkt: Entwicklung einer grenzüberschreitenden, sensiblen und vorsichtigen Partnerschaft über die Neiße mit der polnischen Nachbarstadt Gubin als einziger greifbaren Entwicklungsperspektive, in der das Zusammenleben zweier Nationen in einer Region, wenn auch unter zwei Kommunalverwaltungen, erprobt und befördert werden soll.

Günzburg/ BW (20 000 EW)
Schwerpunkt: Erwartbare Probleme der Identitätswahrung oder -veränderung durch die Neuansiedlung eines neuen Freizeitparks des Konzerns "Legoland" mit 1,5 bis 2 Mill. Besuchern pro Jahr. Extremes Beispiel für die häufig besonders in ländlichen Bereichen oder im städtischen Umland anzutreffende Entwicklungsperspektive der Ansiedlung großer Gewerbebetriebe

Karlsruhe/ BW (270 000 EW)
Schwerpunkt: Entwicklung eines umfassenden neuen Regionalkonzeptes unter Berücksichtigung ökologisch gewandelter Bedingungen und den Folgen des Wachstums; Verbindung der flächigen Ausdehnung der Stadt mit effektivem ÖPNV, Verhinderung von Segregation in der inneren Gliederung der Stadt.

Kiel / SH (240 000 EW)
Schwerpunkt: Suche nach den endogenen Potenzialen, die einen Anschluss der Stadt an den neu definierten Ostseeraum und damit an ein modernes Dienstleistungs- und Wissenschaftszentrum mit den baltischen Boomtowns Kopenhagen, Stockholm und Helsinki fördern. Durchführung einzelner Leitprojekte des Städtebaus und der Stadtentwicklung mit dem Ziel einer modernen Kombination von Freizeitdynamik, Wasser, nordischer Landschaft, guten ökologischen und gesundheitlichen Lebensbedingungen mit innovativer und intellektueller Berufsarbeit (z.B. Integration des Hafens und der Förde in das Stadtbild und die Wohnbebauung).

Leipzig/ SN (494 000 EW)
Schwerpunkt: Suche nach einem neuen Modell für die schrumpfende Stadt (die "perforierte Stadt"), das die negativen Assoziationen von Schrumpfung vermeidet und dennoch nicht in unrealistischer Weise Wachstum postuliert.

Mönchengladbach/ NRW (268 000 EW)
Schwerpunkt: Modelle für einen intensiven Bürgerdialog als Stimulus für eine neue, gesamtstädtische Identitätsbildung, neues bürgerschaftliches Engagement als konstituierendes Element für ein Image als offene, aktive und bürgerfreundliche Stadt, auf dessen Basis dann eine partizipatorische Stadtentwicklung möglich wird.

München/ BY(1 226 000 EW)
Schwerpunkte: "Politik der Lebensstile" zur Entwicklung neuer Lösungen "jenseits des klassischen Wohlfahrtsstaates" als Antwort auf vorhandene Widersprüche zwischen der wachsenden Individualisierung einerseits und traditionellen Gemeinschaftsbildern andererseits.

Saarbrücken/ SL (185 000 EW)
Schwerpunkt: Kombination unterschiedlicher kommunalpolitischer Felder, von Stadt-/ Regionalentwicklung und Verwaltungsreform mit dem Ziel einer konsequenten Dezentralisierung der Stadt und der Verwaltung.

Schkeuditz/ SN (20 000 EW)
Schwerpunkt: Entwicklung eines suburbanen Regionalisierungsmodells unter den Bedingungen des großen lokalen Wachstumsdrucks in einer insgesamt aber schrumpfenden Großregion, das nur unter erheblichem Kooperationsaufwand zwischen verschiedenen Kommunen und Bundesländern mit nicht nur unterschiedlichen sondern z. T. gegensätzlichen Interessen realisiert werden kann.

Stuttgart / BW (586 000 Einwohner (EW)
Schwerpunkte: Siedlungsentwicklung, soziale Infrastruktur und Arbeitsmarktpolitik nach dem Leitmotiv eines harmonischen "Dreiklangs" aus "Integration, Ausgleich/ Umverteilung und Dynamik/ Partizipation".

Wetzlar / Gießen/ HE (53 500/ 73 500 EW)
Schwerpunkt: Entwicklung regionaler Kooperationsformen in engster Abstimmung mit der Bevölkerung beider Städte und bezogen auf exakt definierte Probleme und Aufgaben im Zusammenhang mit dem übergeordneten Leitbild "Technologiestädte"; Vermittlung des Kooperationsgedankens in die Bürgerschaft hinein über künstlerische Ansätze und kulturelle Initiativen.

Region Braunschweig/ ND (Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg und Umland)
Schwerpunkt: Erarbeitung von Zukunftsperspektiven unter den Bedingungen von Schrumpfung und wirtschaftlichem Strukturwandel nicht nur für eine einzelne Stadt - wie in Leipzig - sondern für eine komplexe Region; Erarbeitung von Leitbildern zu Reurbanisierung - zurückgebaute und aufgelockerte Stadt, Verkehrskompetenz - Reduktion und Umweltverträglichkeit, Arbeit-Stadt-Region.

 
Weitere Informationen:
Dr. Albrecht Göschel
Telefon: 030/39001-235
E-Mail:
goeschel@difu.de
WWW:
http://www.stadt2030.de
    

Städte im Ruhrgebiet (DU, Mühlh./Ruhr, OB, E, GE, BO, DO)/ NRW (zusammen 2,8 Mio EW)
Schwerpunkt: Anknüpfend an die im Rahmen des IBA-Emscherparks gesammelten Erfahrungen - Versuch einer regionalen, interkommunalen Zusammenarbeit und Perspektivenformulierung für die Gesamtheit der Region, nicht nur für einzelne Städte, Siedlungskerne oder Teilfunktionen; sowohl Aufbau eines regionales Siedlungskonzepts als auch Entwicklung eines regionalen Images; Inhalte der Kooperation: Wohnbauland, großflächiger Einzelhandel, Infrastruktur, Kultur, Umwelt; Identifizierung regionaler Stärken.